Die glückselige zahl sieben in Seiner Excellentz dem Herrn geheim- ten rath von ...
Geitz und verschwendung hat der kühnen welt entdeckt
Wie man durch künste soll den stein der Weisen finden.
Witz aber und vernunfft sind mühsam zuergründen
Was vor geheinmiß auch in einer ziffer steckt.
Warum ein hirten-kind auff käyser-thröne steiget;
Ein käyser aber gar durch seine kinder fällt:
Gewalt und glücke sich in enckeln abwärts neiget
Ein fauler Commodus des vatern ruhm verstellt
Und uns die jahre maaß die zahlen grentzen setzen;
Wie tieff ein ieder ihm soll sein gedächtniß etzen.
Der geist Pythagoras der Griechenland regiert
Egyptens Cabala die lehre der Druyden
Zeugt daß der alten witz schon längsten unterschieden;
Was die und jene zahl vor hohe würckung führt.
Die nach-welt aber hat auch in der schrifft gefunden
Daß ihre meynung nicht ohn alle gründe sey:
Drum grübelt Augustin in jahren und in stunden
Und mißt die gröste krafft der ziffer sieben bey;
Vielleicht weil vier und drey viel wunder in sich schliessen
Aus beyden aber nur kan eine sieben fliessen.
Und warlich alles trifft mit der erfahrung ein
Denn wem ist nicht bewust: daß GOttes ruh auff erden
In sieben tagen auch hieß alles ruhig werden?
Daß so viel tage noch in einer wochen seyn?
Daß Noah vor der flut von allen reinen thieren
Nach einer ieden art in kasten sieben nahm?
Daß da die wellen ihn durch klippen konten führen
Er doch auff Ararath in sieben monden kam?
Womit er aber wind vom wetter möchte kriegen
Nach sieben tagen stets ließ eine taube fliegen?
Gewiß; hier fässelt GOtt den irrdischen verstand
Mehr aber wann wir uns bemühen zu erfahren:
Warum ein jüdisch knecht nach sieben sclaven jahren
So wie ein schuldener die freyheit wieder fand?
Was Moses vor ein bild im leuchter abgerissen
Weil er mehr lampen nicht als sieben hat gemacht?
Warum man siebenfach den Simson binden müssen?
Ein siebentägig schaaff zum opffer ward gebracht?
Und endlich Jericho nicht eher solte fallen
Als biß man siebenmahl ließ die posaunen schallen?
Diß und ein mehrers ist aus blosser schrifft bekandt:
Wie aber nimmet uns nicht die natur gefangen?
Der himmel selber muß mit sieben lichtern prangen
Die schon das heydenthum Planeten hat genannt.
Der schnelle lauff verstellt in viermahl sieben tagen
Dem monden siebenmahl sein blasses angesicht.
Kein mensch kan leicht die lufft der erden noch vertragen
Der seiner mutter schloß vor sieben monden bricht;
Ein ieder aber pflegt in allen sieben jahren
Mit neuem alter auch was neues zuerfahren.
Die tieffe west-see wird in sieben stunden klein;
In sieben stunden muß ihr ufer wieder schwellen.
Der strenge Nilus fällt aus seiner mutter-qvellen
In grossen Ocean durch sieben adern ein.
Die ärtzte setzen uns zum schlafe sieben stunden.
Aus sieben theilen muß der gantze mensch bestehn.
Der schlimmste zucker wird wie silber gut befunden
Wenn man ihn siebenmahl läst durch die flamme gehn.
Und Rom vor dem die welt den scepter solte beugen
Muß ohne schicksal nicht aus sieben bergen steigen.
Was die natur geliebt hat auch die kunst gethan.
Denn wessen hoher witz ist mächtig zu ergründen
Warum wir in der welt nur sieben stücke
Die man mit rechte noch vor wunder schelten kan?
Warum Jerusalem muß fieben jahre zehlen
Eh Salomo den bau des tempels auffgestellt?
Die schulen sieben nur zu freyen känsten wehlen?
Ein ieder sänger sich an sieben noten hält?
Und sieben Araber in sternen hoch erfahren
Gleichwie in Griechenland nur sieben Weisen waren?
Schickt man das auge gar biß in den bürger-stand;
So öffnet sich ein buch von hundert tausend zeugen.
Denn muß Darius nicht durch sieben Fürsten steigen?
Sind sieben könige den Römern nicht bekandt?
Die Türcken hatten vor nur sieben grosse Bassen
In sieben thürmen wird des käysers schatz bewacht;
Das kleine niederland das alle welt verlassen
Hat zu der freyheit sich durch sieben stände bracht;
Und Deutschlands vierdter Carl hat selber haben wollen
Daß sieben Fürsten nur den Käyser wählen sollen.
So herrlich ist der ruhm den diese zahl erlangt.
Wie aber macht sie sich dir selber nicht zum knechte
Beglückter Danckelmann wann dein berühmt geschlechte
So wie die Plejaden mit sieben sternen prangt?
Metellus der den muth der Griechen fast vergraben
Schwang da er sterbend fiel erst seine macht empor;
Weil er vier söhne ließ von ungemeinen gaben:
Hier aber stellet uns ein vater sieben vor
Da ieder würdig ist ein wunderwerck der erden
Wie Cäsar und August das haupt der welt zu werden.
Ein eintzig ehren-tritt den das verhängniß weist
Ist besser weder zehn mit blut-erlangte kronen.
So steckt in Fabiern und allen Scipionen
Schon etwas von natur das ieden feind zerschmeist:
Die Schweden pralen noch mit ihren Horn und Wrangeln:
Das stoltze Spanien rühmt seinen Granvellan
Und lehret: Wann uns witz und kluge räthe mangeln
Daß sie der himmel auch aus schmieden schnitzen kan.
Wie soll dein nahme nun nicht in der Marck erklingen
Da sieben brüder schon dem lande früchte bringen?
Doch alle zuversicht auff das verhängniß baun
Heist einen hohen thurm von karten-blättern machen.
Wem gunst und sonnenschein bey hofe sollen lachen
Muß auff sich selber mehr als seine wohlfahrt traun.
Das glücke kan uns zwar biß an die wolcken heben
Doch wann die tugend vor die leiter angelegt:
Sonst würden wir der welt so wenig nutzen geben
Als perlen wenn der plitz in ihre muschel schlägt.
Drum müssen einen rath auch sieben stücke zieren
Die was das glücke will zum rechten ende führen.
Vor allen dingen soll er klug und witzig seyn;
Die klugheit aber muß aus der erfahrung qvellen.
Denn wer die staats-kunst will auff blosse bücher stellen
Bringt wie ein wilder baum nichts ausser blumen ein.
Der Verulam wird noch wie C
Doch beyde werden auch im herrschen ausgelacht.
Hingegen hat Athen Themistocles erwiesen
Und Momorantius in Franckreich wahr gemacht:
Daß übung und natur mehr einen tag verrichten
Als ein gelehrter kan in sieben büchern dichten.
Erfahrner Danckelmann ob deine wissenschafft
Gleichwie der Ceder-thau nach honig-seime schmecket:
So fleust doch aus der art die deinen geist erwecket
Erst der gelehrsamkeit die rechte lebens-krafft.
Denn deine beste schul ist unser hof gewesen
Der wie ein feigenbaum nur lauter früchte trägt.
In diesem hastu dir die lehren ausgelesen:
Wie man durch einen winck das gantze land bewegt
Und zwar dem himmel nicht doch staaten weiß zu wehren
Wann uns ihr sonnenschein Cometen will gebähren.
Der klugheit phantasey wird durch bedacht verricht.
Ein rath muß faulheit zwar doch auch die eile weiden
Denn wie die äpffel nur gelinde wärme leiden;
So taugt ein anschlag auch von grosser hitze nicht.
Bescheidner Danckelmann so gleich wird von der sonnen
Wann sie in widder tritt nicht tag und nacht getheilt
Als das geringste werck das dein verstand ersonnen
Eh’ deine feder mit zum fürsten-zimmer eilt
Vielleicht weil mispeln erst auff stroh und harter erden
Die schlüsse durch verzug am meisten nutzbar werden.
Viel aber haben witz und brauchen auch bedacht
Und dennoch werden sie wie pflaumen offt betrogen
Die wenn ihr gipffel gleich die blüte schon vollzogen
Ein schwerer regen erst zu mißgeburten macht.
Warum? dieweil ihr hertz voll irrsamer gedancken
Wie Alcibiades voll gifft und galle steckt;
Die nadeln ihrer treu nach iedem sterne wancken
Der zucker nur den mund nicht ihre that bedeckt
Die ja so wenig sich mit ihres fürsten gängen
Als falscher balsam kan mit reiner milch vermengen.
Getreuer Danckelmann wenn aller glaube bricht
Wird doch die liebe nicht in deiner brust erbleichen.
Die Venus soll nicht weit vom sonnen-circkel weichen;
Du aber weichest gar von deiner sonnen nicht.
Die that des Mutius Horatiens beginnen
Hat das bedrängte Rom erstaunend angesehn:
Doch könte deine treu was hefftigers ersinnen
So würde dieses auch vor deinen fürst geschehn
An dem du was vor sturm auch immer vorgegangen
Nicht anders als das lack am baume beer gehangen.
Allein mit diesem ist noch alles nicht gethan.
Ein rath muß auff der welt auch GOttes nicht vergessen.
Die kräffte nach der schnur des bürgerwesens messen
Zeigt wie ein bienen-schwarm nur lauter unglück an.
Du frommer Danckelmann dein hertze gleicht jesminen
Die aussen purpur-roth von innen silber seyn.
Denn wenn sein feuer soll von aussen fürsten dienen
So stimmt es innerlich vor mit dem himmel ein;
Zur lehre daß kein gifft kan raut und land verletzen
Wenn wir bey dieses Gott bey jene salvey setzen.
Auff treu und gottesfurcht folgt die gerechtigkeit
Das ruder daß den kahn der policey regieret;
Der oelbaum welcher zwar im stamme galle führet
Und dennoch süsse frucht von seinen zweigen streut.
Gerechter Danckelmann das blutige verbrechen
Das unser Friederich durch hohen ernst gestillt
Wird bey der nach-welt noch von deinem ruhme sprechen
Weil sein gedruckt verbot aus deiner feder qvillt
Und numehr zorn und schwerdt die volck und stadt verzehren
So wie der Venus blut in rosen sich verkehren.
Jemehr die sonne scheint ie härter wird der koth
Hingegen schmeltzt das wachs von den geringsten flammen.
Ein richter der nicht kan zu rechter zeit verdammen
Tritt nur die frömmigkeit und keine laster todt;
Allein dein eifer weiß gar wohl zu unterscheiden
Daß man nicht iedes pferd an harte zügel legt
Die schaafe selten läst die strenge peitschen leiden
Murenen aber nur mit linden ruthen schlägt.
Und die gerechtigkeit zwar die gedrückten schützen
Doch nicht wie Draco muß mit lauter donner plitzen.
Die lippen Hercules sind heute noch beschrien
Daß ihrer ketten gold die menschen konte binden:
Ein rath der liebe will im gantzen lande finden
Muß auch durch freundlichkeit die bürger an sich ziehn.
Holdsel’ger Danckelmann nichts wird dich mehr erheben
Als daß du alles nur durch süsse blicke lenckst
Den hohen ehre kanst den armen hoffnung geben
Den gleichen aber offt dein hertze selber schenckst.
Denn ist gleich freundlich seyn gemeiner als camillen
So können beyde doch die gröste schmertzen stillen.
Doch eines fehlet noch: Sein eigen meister seyn.
Denn wer im glücke steigt muß in der hoffart fallen;
Wenn geitz und götter-blut in Alexandern wallen
So bricht sein königs-stamm ihm auff der erden ein.
Vergnügter Danckelmann die säulen deiner ehren
Sind wie die meisten zwar nicht glaß und porcellan;
Doch wenn die rosen sich in deinem hause mehren
So sieht dein hoher geist auch fremde dornen an
Und glaubt daß die allein die meisten perlen fangen
Die wie ein schwaches kind vom glücke nichts verlangen.
Wie sieben strahlen nun aus deiner tugend gehn
So kanst du siebenmahl auch ihre würckung schauen;
Denn ruhm und ehre sucht den tempel schon zu bauen
Da deine klugheit soll in vollem golde stehn.
Durch die bedachtsamkeit muß mancher sturm sich legen
Die treue macht daß dich der dritte Friedrich liebt;
Der brunn der gottesfurcht geußt lauter milch und segen
Da die gerechtigkeit dem lande wachsthum giebt;
Die freundligkeit kan dir die halbe welt verbinden
Vergnügung aber gar dein glück auff marmol gründen.
So steh’ und wachse denn du grosser Danckelmann!
Der himmel öffne dir die schaalen seiner güte
Und trenne wie der plitz was dein gesetzt gemüthe
So wie der erden dunst die lufft benebeln kan.
Er lasse dieses haus dem myrrhen-baume gleichen
Dem wunde schnitt und sturm bloß neuen safft erweckt;
Und wo der ahnen ziehl gleich wie in königreichen
Auff sieben hundert jahr nur seinen lauff erstreckt;
So wünsch ich dennoch daß nach sieben hundert jahren
Erst möge frische krafft in deinen stamm-baum fahren.