Die glückselige zahl sieben in Seiner Excellentz dem Herrn geheim- ten rath von ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Geitz und verschwendung hat der kühnen welt entdeckt

Wie man durch künste soll den stein der Weisen finden.

Witz aber und vernunfft sind mühsam zuergründen

Was vor geheinmiß auch in einer ziffer steckt.

Warum ein hirten-kind auff käyser-thröne steiget;

Ein käyser aber gar durch seine kinder fällt:

Gewalt und glücke sich in enckeln abwärts neiget

Ein fauler Commodus des vatern ruhm verstellt

Und uns die jahre maaß die zahlen grentzen setzen;

Wie tieff ein ieder ihm soll sein gedächtniß etzen.

Der geist Pythagoras der Griechenland regiert

Egyptens Cabala die lehre der Druyden

Zeugt daß der alten witz schon längsten unterschieden;

Was die und jene zahl vor hohe würckung führt.

Die nach-welt aber hat auch in der schrifft gefunden

Daß ihre meynung nicht ohn alle gründe sey:

Drum grübelt Augustin in jahren und in stunden

Und mißt die gröste krafft der ziffer sieben bey;

Vielleicht weil vier und drey viel wunder in sich schliessen

Aus beyden aber nur kan eine sieben fliessen.

Und warlich alles trifft mit der erfahrung ein

Denn wem ist nicht bewust: daß GOttes ruh auff erden

In sieben tagen auch hieß alles ruhig werden?

Daß so viel tage noch in einer wochen seyn?

Daß Noah vor der flut von allen reinen thieren

Nach einer ieden art in kasten sieben nahm?

Daß da die wellen ihn durch klippen konten führen

Er doch auff Ararath in sieben monden kam?

Womit er aber wind vom wetter möchte kriegen

Nach sieben tagen stets ließ eine taube fliegen?

Gewiß; hier fässelt GOtt den irrdischen verstand

Mehr aber wann wir uns bemühen zu erfahren:

Warum ein jüdisch knecht nach sieben sclaven jahren

So wie ein schuldener die freyheit wieder fand?

Was Moses vor ein bild im leuchter abgerissen

Weil er mehr lampen nicht als sieben hat gemacht?

Warum man siebenfach den Simson binden müssen?

Ein siebentägig schaaff zum opffer ward gebracht?

Und endlich Jericho nicht eher solte fallen

Als biß man siebenmahl ließ die posaunen schallen?

Diß und ein mehrers ist aus blosser schrifft bekandt:

Wie aber nimmet uns nicht die natur gefangen?

Der himmel selber muß mit sieben lichtern prangen

Die schon das heydenthum Planeten hat genannt.

Der schnelle lauff verstellt in viermahl sieben tagen

Dem monden siebenmahl sein blasses angesicht.

Kein mensch kan leicht die lufft der erden noch vertragen

Der seiner mutter schloß vor sieben monden bricht;

Ein ieder aber pflegt in allen sieben jahren

Mit neuem alter auch was neues zuerfahren.

Die tieffe west-see wird in sieben stunden klein;

In sieben stunden muß ihr ufer wieder schwellen.

Der strenge Nilus fällt aus seiner mutter-qvellen

In grossen Ocean durch sieben adern ein.

Die ärtzte setzen uns zum schlafe sieben stunden.

Aus sieben theilen muß der gantze mensch bestehn.

Der schlimmste zucker wird wie silber gut befunden

Wenn man ihn siebenmahl läst durch die flamme gehn.

Und Rom vor dem die welt den scepter solte beugen

Muß ohne schicksal nicht aus sieben bergen steigen.

Was die natur geliebt hat auch die kunst gethan.

Denn wessen hoher witz ist mächtig zu ergründen

Warum wir in der welt nur sieben stücke

Die man mit rechte noch vor wunder schelten kan?

Warum Jerusalem muß fieben jahre zehlen

Eh Salomo den bau des tempels auffgestellt?

Die schulen sieben nur zu freyen känsten wehlen?

Ein ieder sänger sich an sieben noten hält?

Und sieben Araber in sternen hoch erfahren

Gleichwie in Griechenland nur sieben Weisen waren?

Schickt man das auge gar biß in den bürger-stand;

So öffnet sich ein buch von hundert tausend zeugen.

Denn muß Darius nicht durch sieben Fürsten steigen?

Sind sieben könige den Römern nicht bekandt?

Die Türcken hatten vor nur sieben grosse Bassen

In sieben thürmen wird des käysers schatz bewacht;

Das kleine niederland das alle welt verlassen

Hat zu der freyheit sich durch sieben stände bracht;

Und Deutschlands vierdter Carl hat selber haben wollen

Daß sieben Fürsten nur den Käyser wählen sollen.

So herrlich ist der ruhm den diese zahl erlangt.

Wie aber macht sie sich dir selber nicht zum knechte

Beglückter Danckelmann wann dein berühmt geschlechte

So wie die Plejaden mit sieben sternen prangt?

Metellus der den muth der Griechen fast vergraben

Schwang da er sterbend fiel erst seine macht empor;

Weil er vier söhne ließ von ungemeinen gaben:

Hier aber stellet uns ein vater sieben vor

Da ieder würdig ist ein wunderwerck der erden

Wie Cäsar und August das haupt der welt zu werden.

Ein eintzig ehren-tritt den das verhängniß weist

Ist besser weder zehn mit blut-erlangte kronen.

So steckt in Fabiern und allen Scipionen

Schon etwas von natur das ieden feind zerschmeist:

Die Schweden pralen noch mit ihren Horn und Wrangeln:

Das stoltze Spanien rühmt seinen Granvellan

Und lehret: Wann uns witz und kluge räthe mangeln

Daß sie der himmel auch aus schmieden schnitzen kan.

Wie soll dein nahme nun nicht in der Marck erklingen

Da sieben brüder schon dem lande früchte bringen?

Doch alle zuversicht auff das verhängniß baun

Heist einen hohen thurm von karten-blättern machen.

Wem gunst und sonnenschein bey hofe sollen lachen

Muß auff sich selber mehr als seine wohlfahrt traun.

Das glücke kan uns zwar biß an die wolcken heben

Doch wann die tugend vor die leiter angelegt:

Sonst würden wir der welt so wenig nutzen geben

Als perlen wenn der plitz in ihre muschel schlägt.

Drum müssen einen rath auch sieben stücke zieren

Die was das glücke will zum rechten ende führen.

Vor allen dingen soll er klug und witzig seyn;

Die klugheit aber muß aus der erfahrung qvellen.

Denn wer die staats-kunst will auff blosse bücher stellen

Bringt wie ein wilder baum nichts ausser blumen ein.

Der Verulam wird noch wie C

Doch beyde werden auch im herrschen ausgelacht.

Hingegen hat Athen Themistocles erwiesen

Und Momorantius in Franckreich wahr gemacht:

Daß übung und natur mehr einen tag verrichten

Als ein gelehrter kan in sieben büchern dichten.

Erfahrner Danckelmann ob deine wissenschafft

Gleichwie der Ceder-thau nach honig-seime schmecket:

So fleust doch aus der art die deinen geist erwecket

Erst der gelehrsamkeit die rechte lebens-krafft.

Denn deine beste schul ist unser hof gewesen

Der wie ein feigenbaum nur lauter früchte trägt.

In diesem hastu dir die lehren ausgelesen:

Wie man durch einen winck das gantze land bewegt

Und zwar dem himmel nicht doch staaten weiß zu wehren

Wann uns ihr sonnenschein Cometen will gebähren.

Der klugheit phantasey wird durch bedacht verricht.

Ein rath muß faulheit zwar doch auch die eile weiden

Denn wie die äpffel nur gelinde wärme leiden;

So taugt ein anschlag auch von grosser hitze nicht.

Bescheidner Danckelmann so gleich wird von der sonnen

Wann sie in widder tritt nicht tag und nacht getheilt

Als das geringste werck das dein verstand ersonnen

Eh’ deine feder mit zum fürsten-zimmer eilt

Vielleicht weil mispeln erst auff stroh und harter erden

Die schlüsse durch verzug am meisten nutzbar werden.

Viel aber haben witz und brauchen auch bedacht

Und dennoch werden sie wie pflaumen offt betrogen

Die wenn ihr gipffel gleich die blüte schon vollzogen

Ein schwerer regen erst zu mißgeburten macht.

Warum? dieweil ihr hertz voll irrsamer gedancken

Wie Alcibiades voll gifft und galle steckt;

Die nadeln ihrer treu nach iedem sterne wancken

Der zucker nur den mund nicht ihre that bedeckt

Die ja so wenig sich mit ihres fürsten gängen

Als falscher balsam kan mit reiner milch vermengen.

Getreuer Danckelmann wenn aller glaube bricht

Wird doch die liebe nicht in deiner brust erbleichen.

Die Venus soll nicht weit vom sonnen-circkel weichen;

Du aber weichest gar von deiner sonnen nicht.

Die that des Mutius Horatiens beginnen

Hat das bedrängte Rom erstaunend angesehn:

Doch könte deine treu was hefftigers ersinnen

So würde dieses auch vor deinen fürst geschehn

An dem du was vor sturm auch immer vorgegangen

Nicht anders als das lack am baume beer gehangen.

Allein mit diesem ist noch alles nicht gethan.

Ein rath muß auff der welt auch GOttes nicht vergessen.

Die kräffte nach der schnur des bürgerwesens messen

Zeigt wie ein bienen-schwarm nur lauter unglück an.

Du frommer Danckelmann dein hertze gleicht jesminen

Die aussen purpur-roth von innen silber seyn.

Denn wenn sein feuer soll von aussen fürsten dienen

So stimmt es innerlich vor mit dem himmel ein;

Zur lehre daß kein gifft kan raut und land verletzen

Wenn wir bey dieses Gott bey jene salvey setzen.

Auff treu und gottesfurcht folgt die gerechtigkeit

Das ruder daß den kahn der policey regieret;

Der oelbaum welcher zwar im stamme galle führet

Und dennoch süsse frucht von seinen zweigen streut.

Gerechter Danckelmann das blutige verbrechen

Das unser Friederich durch hohen ernst gestillt

Wird bey der nach-welt noch von deinem ruhme sprechen

Weil sein gedruckt verbot aus deiner feder qvillt

Und numehr zorn und schwerdt die volck und stadt verzehren

So wie der Venus blut in rosen sich verkehren.

Jemehr die sonne scheint ie härter wird der koth

Hingegen schmeltzt das wachs von den geringsten flammen.

Ein richter der nicht kan zu rechter zeit verdammen

Tritt nur die frömmigkeit und keine laster todt;

Allein dein eifer weiß gar wohl zu unterscheiden

Daß man nicht iedes pferd an harte zügel legt

Die schaafe selten läst die strenge peitschen leiden

Murenen aber nur mit linden ruthen schlägt.

Und die gerechtigkeit zwar die gedrückten schützen

Doch nicht wie Draco muß mit lauter donner plitzen.

Die lippen Hercules sind heute noch beschrien

Daß ihrer ketten gold die menschen konte binden:

Ein rath der liebe will im gantzen lande finden

Muß auch durch freundlichkeit die bürger an sich ziehn.

Holdsel’ger Danckelmann nichts wird dich mehr erheben

Als daß du alles nur durch süsse blicke lenckst

Den hohen ehre kanst den armen hoffnung geben

Den gleichen aber offt dein hertze selber schenckst.

Denn ist gleich freundlich seyn gemeiner als camillen

So können beyde doch die gröste schmertzen stillen.

Doch eines fehlet noch: Sein eigen meister seyn.

Denn wer im glücke steigt muß in der hoffart fallen;

Wenn geitz und götter-blut in Alexandern wallen

So bricht sein königs-stamm ihm auff der erden ein.

Vergnügter Danckelmann die säulen deiner ehren

Sind wie die meisten zwar nicht glaß und porcellan;

Doch wenn die rosen sich in deinem hause mehren

So sieht dein hoher geist auch fremde dornen an

Und glaubt daß die allein die meisten perlen fangen

Die wie ein schwaches kind vom glücke nichts verlangen.

Wie sieben strahlen nun aus deiner tugend gehn

So kanst du siebenmahl auch ihre würckung schauen;

Denn ruhm und ehre sucht den tempel schon zu bauen

Da deine klugheit soll in vollem golde stehn.

Durch die bedachtsamkeit muß mancher sturm sich legen

Die treue macht daß dich der dritte Friedrich liebt;

Der brunn der gottesfurcht geußt lauter milch und segen

Da die gerechtigkeit dem lande wachsthum giebt;

Die freundligkeit kan dir die halbe welt verbinden

Vergnügung aber gar dein glück auff marmol gründen.

So steh’ und wachse denn du grosser Danckelmann!

Der himmel öffne dir die schaalen seiner güte

Und trenne wie der plitz was dein gesetzt gemüthe

So wie der erden dunst die lufft benebeln kan.

Er lasse dieses haus dem myrrhen-baume gleichen

Dem wunde schnitt und sturm bloß neuen safft erweckt;

Und wo der ahnen ziehl gleich wie in königreichen

Auff sieben hundert jahr nur seinen lauff erstreckt;

So wünsch ich dennoch daß nach sieben hundert jahren

Erst möge frische krafft in deinen stamm-baum fahren.