Die GOtt gefällige Augenlust
Die Augenlust hat GOtt den Sünden zu- gesellt,
Wodurch der arme Mensch den Schöp-
Johannes
Wenn man sein Herz der Welt will, wie man muß
Und würklich ist es wahr: der Augen heller Blik,
Bringt manche böse Lust in unser Herz zurük:
Sie sind den Fenstern gleich, die täglich offen ste-
Wodurch die Dünstungen verdorbner Lüfte wehen.
Die Augen sind ein Glas und lassen jeden Schein,
Der sie mit Lust anstrahlt zur Herzens Kammer ein;
Es kan durch dieses Paar durchsichtiger Cristallen,
Ein Funke der gleich brennt in unsre Seelen fallen,
Worin der Zunder stekt von einer bösen Lust,
Wie jedem der sein Herz recht kennt von selbst bewust;
Ein Zunder der leicht fängt, und ehe man es meinet,
In seiner vollen Glut und feurgen Brunst erscheinet.
Wer diese Sinnen Thür, nicht wol verwahrt, be-
Der wird dadurch gar leicht zur bösen Lust verhizt:
Ist erst die Flamme da; so sind nicht leicht zu zwin-
Die Wallungen die dann uns zu der Sünde brin-
Als Eva erst die Frucht, die ihr verboten war,
Mit lüstern Blikken fah; da kam sie in Gefahr;
Da ward sie bald darauf, von der Begier bemei-
Die des Verstandes Aug mit blauen Dunst beklei-
Sie nahm in Lüsternheit, die ihr verbotne Frucht,
Die lieblich anzusehn; so wie die Schlang gesucht,
Die durch das Aug in ihr die böse Lust erreget,
Da war der Fall geschehn. Wenn man dies nur
So sieht man wie gar leicht das Auge uns ver-
Wenn ein bezaubernd Bild die hohle Fläche rührt.
Wie manche Dina wird ins Wollust Nez gestrik-
Wenn sie mit freien Sinn, nach Hemors Jüngling
Wie viele kommen nicht durch blendendes Me-
Das schnöden Geiz erregt, zum schweren Sünden-
Wenn wo ein Goldklump blizt; der Abgott dieser
Kan einer daran leicht ein schändlich Räuber wer-
Den die Begier betäubt, daß er es sehnlich greift,
Und sich dadurch ein Strik um seine Kehle schläuft.
Auf mannigfaltge Art kan uns das Aug verführen,
Daß wir durch einem Blik der Freiheit Gut verlie-
Dies ist die Augenlust, die
Dem menschlichen Geschlecht als böß verboten hat;
Die seinem Aug ein Greul, weil dadurch unsre
Der Seelen, dem Verstand die Herrschaft abge-
Die schnöde Augenlust ist fündlich, dadurch man,
Zu einer bösen That den Vorsaz fassen kan;
Die unser Herz erregt, und den Verstand verblen-
Des Willens rege Kraft zum bösen Ziele wendet:
Die unser freien Geist mit ihrer Macht betäubt,
Und in das Sclaven Joch der Leidenschaften treibt.
Die rechte Augenlust, wird nicht von
Wenn man die Welt mit Lust, wie sichs gebührt
Der Schöpfer hat das Paar der Augen uns ge-
Als Spiegel in das Haupt, der Seelen Siz ver-
Dadurch der edle Geist, das Weltgebäud erblik-
Das ihm auf manche Art mit holder Lust erquik-
Die Augenlust gefällt, dem Allerhöchsten wol,
Wenn wir, wie jeder Mensch nach seinen Pflich-
In jeder Kreatur, in denen tieffen Gründen
Des blaugewölbten Raums des Schöpfers Bildnis
Wer nach den Himmel sieht, schaut die saphirne
In wunderbaren Glanz entflammter Lichter an,
Der sieht ein grosses Heer von schimmernden La-
Bey einer dunklen Nacht an denen güldnen Ster-
Der siehet hie und da, ein schön gemahlt Ge-
Das
Der Farben Mannigfalt von dem gestrahlten Lich-
Das durch die Wolken scheint, vergnügt uns durch
Das Herze wird erfreut, nach der verschwundnen
Wenn uns das Morgenroth mit frohen Blik an-
Es wird in sich vergnügt, wenn mit den heitren
Der grosse Fürst des Lichts, am Tage aufgegan-
Wer dieses Luftrevier, die strahlenreiche Pracht,
Zur Weide des Gemüths, zu seinem Vorwurf
Und dabei sich bemüht den Schöpfer zu erken-
Kan seine Augenlust recht
Der Erden weiter Raum, der grosse Wunderbau,
Legt uns viel schönes auch, zu unsrer Lust zum
Jm Reiche der Natur sind unsers Schöpfers Ga-
Darum so schön geschmükt; weil wirs vor Augen
Wohin wir unser Aug im Kreis der Erden drehn,
Da sieht man überall nichts, was nicht wunder-
Es ist uns unverwehrt, bei Lust und stillen Freu-
An jeder Kreatur das Aug und Herz zu weiden.
Wer auf dem grünen Feld die dichte Saat erblikt,
Die mit der Blumen Gold gleichsam ist ausgestikt,
Der wird darob vergnügt; und wer dabei erwe-
Wie
Der dienet seinem
Mit seinen äusren Sinn, mit seinen Augen auch.
Wer schöne Blumen liebt, die
Davon der Farben Glanz in unsre Augen strahlet,
Der kan bei dieser Lust, des Schöpfers Ruhm er-
Die Kinder der Natur, mit Andachts-Trieb be-
Wer dieses fleißig thut, der sieht an Kreaturen
Zu seiner Herzenslust, der Vorsicht Wunderspu-
Wer schöne Früchte sieht, und dabei überdenkt,
Wie uns des Schöpfers Güt, dieselbigen ge-
Und sich dadurch erwekt zur wahren Gegenliebe,
Entzündet durch das Aug die reinen Andachts-
Und diese Augenlust, kan unsern
Woraus sein Ruhm entspringt, an uns gefällig
Und also können wir, bei allen andern Sachen,
Auf
Allein mein lieber Mensch! erwege thust du das,
Gebrauchest du also der Augen Wunderglas?
Du siehst was schön ist an, du labest deine Sin-
Dadurch der Schöpfer läst Erquikkungsströme
Und weiter gehst du nicht aus trägen Unbedacht:
Du denkest selten wol bei allen Schein und Pracht,
Die deine Augen rührt, woher das alles quillet,
Was dein begierig Aug mit schönen Bildern füllet.
Und diese Blindheit kan den Schöpfer nie gefalln:
Der aus der Kreatur läst solche Schönheit pralln:
Mit Augen des Gemüts die Herrlichkeit zu sehen,
Die Strahlen seiner Pracht, die dir vor Augen
Wer sein Vergnügen sucht in Dingen dieser Welt,
Und nicht dabei bedenkt, wer sie uns dargestellt;
Der sieht und sieht auch nicht; der sieht mit Schal-
Die nach der heilgen Schrift vor unsern
Der siehet als ein Vieh, das etwas starr anblikt,
Die blosse Sinnlichkeit dadurch vergnügt, ent-
Sieh! Mensche! als ein Mensch! und brauche dein
Nebst deines Geistes Aug, nebst des Verstandes
So kanst du doppelt sehn; besieh die Kreatur,
Die diese Welt geschmükt, bemerk die Wunderspur
Die
So bringt die Lust auch Nuz, die Aug und Herz