Die Graubündnerin

By Klabund

Written 1906-01-01 - 1906-01-01

Die Wolke hängt sich müde in die Miene

Des herbstlich schon ergrauten Tannenwalds.

Der Wasserfall gleicht einer Mandoline.

Ein roter Vogel zwitschert auf der Balz.

Vom Steinbruch tönt ein nagendes Gehämmer.

Die Lore fährt mit Felsenfracht zu Tal.

Durch dieses Nachmittages Waldesdämmer

Gleitet ein papageienhafter Schal.

Es zucken matt im Anhauch rauher Winde

Die schmalen Schultern der Graubündnerin.

Um Hals und Nacken schlingt sich eine Binde

Und stützt das fast entfallene Totenkinn.