Die Grösse GOttes im Kleinen.

By Johann Justus Ebeling

Die Unempfindlichkeit der menschlichen

Natur,

Sieht in dem Allmachtsreich des

Schöpfers keine Spur,

Von seiner hohen Größ, als nur

in grossen Dingen,

Die durch erhabnen Glantz, uns zur Verwundrung

zwingen.

Der Sonnen güldnes Rad, das an dem Firmament,

Bey stets geweltzten Lauf, durch seine Kreise rennt

Kan unser Hertz noch woll, durch Reitzungvolles

Blikken

Das in die Augen strahlt, auf kurtze Zeit entzükken.

Der Farben Mannigfalt, so jenen Lufftkreis mahlt,

Und durch den blauen Grund erhellter Wolken strahlt,

Reitzt noch woll das Gesicht, die bunten Himmels-

auen,

Beym frohen Morgenroth, vergnüget anzuschauen.

Was auf der Unterwelt, der Menschen Hertze rührt,

Muß durch das Aussenwerk und Grösse seyn geziert:

Jm weiten Pflantzenreich, wo Wald, Feld, Gär-

ten grünen

Pflegt was erhaben, schön, uns nur zur Lust zu

dienen.

Die Ceder Libanons, die mit der schlanken Pracht,

Bis in die Wolken steigt, wird noch woll hochgeacht;

Und als ein Meisterstück des Schöpfers auch geprie-

sen,

Wer blickt die Kräuter an, die in dem grünen Wie-

sen

Aus zarten Keimen gehn? Wer ist woll recht bemüht,

Den Jsop anzusehn, der nur an Wänden blüht?

Und doch des Schöpfers Macht, zu seinen Preis

erhebet;

Ob er in Niedrigkeit, gleich an der Erde klebet.

Jm Thierreich ist uns Nichts, was wir bewundern

schön,

Als eine Kreatur, die wir gar selten sehn;

Als ein solch Ungeheur, für dessen Gang die Wellen,

Wenn es im Wasser wohnt, wie hohe Berge schwellen:

Als solch ein Wunderthier, das auf dem Troknen

lebt,

Und seiner Glieder Bau, vor andern hoch erhebt;

Das wie ein Elephant sich mit dem Rüssel brüstet

Und gleich wie ein Cameel mit Thürmen ausgerüstet.

Ein Thiergen das da nur in faulen Sümpfen kreucht,

Und ein gefiedertes, das fast unsichtbahr fleucht,

Wird von dem wenigsten, für sonderbar geachtet

Und noch viel weniger zu

Wie aber ist den

Schafft er die Bäume nur, nicht auch das zarte Moos?

Hat seine Macht sich nur im Adler abgespiegelt

Und nicht wenn er durch Kunst, ein Mükken Heer

beflügelt?

Des Schöpfers Kreatur, ist sie gleich noch so klein,

Kan doch ein grosses Bild von seiner Allmacht seyn.

Je kleiner ein Geschöpf; je zarter ein Gespinste,

Je grösser ist das Werk, wens voll verborgner Künste.

Des Meisters Wissenschafft verdient ein Augenmerk,

Der eine Uhr gemacht von zarten Räderwerk;

Und pfleget sich die Kunst an solchen kleinen Stükken,

Wenn sie doch richtig gehn, nicht schöner abzudrükken

Als an der gröbern Art? des Schöpfers weise Macht

Hat auch im kleinesten, das sie hervorgebracht,

So viele Wunder uns, darin zum Schau geleget,

Als woll das Größre kaum, in seinen Umfang heget:

Auch in dem kleinesten stellt er die Pracht und Zier

Darob der Mensch erstaunt, am vollenkomsten für

Und wenn wir es nur recht, mit unsern Sin bemerken

Wird die Empfindung selbst, uns diesen Satz bestärken.

Man seh nur durch ein Glas, das kleines grösser

macht,

Die schlechte Mücke an. Mein

und Pracht

Sieht das gerührte Aug, aus deren Kopfe blitzen,

Als wenn daran Rubin und Diamanten sitzen.

Die Flügel die man sonst, vor schlecht Gewebe hält

Entdekken unsern Aug, ein grosses Wunderfeld

Darob der Sinn erstarrt, und das Gemüth entzükket,

Wenn man die Schönheit sieht, die

gestikket.

Man nehme abermahl, das kleinste Würmelein,

Und leg es in ein Glas, das es vergrössert ein;

Was unser Auge kaum, als wie ein Stäubgen spüret,

Das ist mit Kopf und Bein und Gliedern ausgezieret

Es lebt in seinen Blut, wer hätte das gedacht?

Wie! zeugt das kleinste Thier, nicht von der grösten

Macht?

Die Muskeln, Fleisch und Haut, so künstlich kan

verbinden

Mit tausend Theilen mehr, wo wir nur Stäubgen

finden

O! unbegreiflicher, erhabner Zebaoth

Wir sehen überall, daß du ein grosser GOtt

Drum öfne unser Aug und laß uns sters er-

scheinen

Die Grösse deiner Macht, im Grossen und im Kleinen.