Die Grösse GOttes im Kleinen.
Die Unempfindlichkeit der menschlichen
Natur,
Sieht in dem Allmachtsreich des
Schöpfers keine Spur,
Von seiner hohen Größ, als nur
in grossen Dingen,
Die durch erhabnen Glantz, uns zur Verwundrung
zwingen.
Der Sonnen güldnes Rad, das an dem Firmament,
Bey stets geweltzten Lauf, durch seine Kreise rennt
Kan unser Hertz noch woll, durch Reitzungvolles
Blikken
Das in die Augen strahlt, auf kurtze Zeit entzükken.
Der Farben Mannigfalt, so jenen Lufftkreis mahlt,
Und durch den blauen Grund erhellter Wolken strahlt,
Reitzt noch woll das Gesicht, die bunten Himmels-
auen,
Beym frohen Morgenroth, vergnüget anzuschauen.
Was auf der Unterwelt, der Menschen Hertze rührt,
Muß durch das Aussenwerk und Grösse seyn geziert:
Jm weiten Pflantzenreich, wo Wald, Feld, Gär-
ten grünen
Pflegt was erhaben, schön, uns nur zur Lust zu
dienen.
Die Ceder Libanons, die mit der schlanken Pracht,
Bis in die Wolken steigt, wird noch woll hochgeacht;
Und als ein Meisterstück des Schöpfers auch geprie-
sen,
Wer blickt die Kräuter an, die in dem grünen Wie-
sen
Aus zarten Keimen gehn? Wer ist woll recht bemüht,
Den Jsop anzusehn, der nur an Wänden blüht?
Und doch des Schöpfers Macht, zu seinen Preis
erhebet;
Ob er in Niedrigkeit, gleich an der Erde klebet.
Jm Thierreich ist uns Nichts, was wir bewundern
schön,
Als eine Kreatur, die wir gar selten sehn;
Als ein solch Ungeheur, für dessen Gang die Wellen,
Wenn es im Wasser wohnt, wie hohe Berge schwellen:
Als solch ein Wunderthier, das auf dem Troknen
lebt,
Und seiner Glieder Bau, vor andern hoch erhebt;
Das wie ein Elephant sich mit dem Rüssel brüstet
Und gleich wie ein Cameel mit Thürmen ausgerüstet.
Ein Thiergen das da nur in faulen Sümpfen kreucht,
Und ein gefiedertes, das fast unsichtbahr fleucht,
Wird von dem wenigsten, für sonderbar geachtet
Und noch viel weniger zu
Wie aber ist den
Schafft er die Bäume nur, nicht auch das zarte Moos?
Hat seine Macht sich nur im Adler abgespiegelt
Und nicht wenn er durch Kunst, ein Mükken Heer
beflügelt?
Des Schöpfers Kreatur, ist sie gleich noch so klein,
Kan doch ein grosses Bild von seiner Allmacht seyn.
Je kleiner ein Geschöpf; je zarter ein Gespinste,
Je grösser ist das Werk, wens voll verborgner Künste.
Des Meisters Wissenschafft verdient ein Augenmerk,
Der eine Uhr gemacht von zarten Räderwerk;
Und pfleget sich die Kunst an solchen kleinen Stükken,
Wenn sie doch richtig gehn, nicht schöner abzudrükken
Als an der gröbern Art? des Schöpfers weise Macht
Hat auch im kleinesten, das sie hervorgebracht,
So viele Wunder uns, darin zum Schau geleget,
Als woll das Größre kaum, in seinen Umfang heget:
Auch in dem kleinesten stellt er die Pracht und Zier
Darob der Mensch erstaunt, am vollenkomsten für
Und wenn wir es nur recht, mit unsern Sin bemerken
Wird die Empfindung selbst, uns diesen Satz bestärken.
Man seh nur durch ein Glas, das kleines grösser
macht,
Die schlechte Mücke an. Mein
und Pracht
Sieht das gerührte Aug, aus deren Kopfe blitzen,
Als wenn daran Rubin und Diamanten sitzen.
Die Flügel die man sonst, vor schlecht Gewebe hält
Entdekken unsern Aug, ein grosses Wunderfeld
Darob der Sinn erstarrt, und das Gemüth entzükket,
Wenn man die Schönheit sieht, die
gestikket.
Man nehme abermahl, das kleinste Würmelein,
Und leg es in ein Glas, das es vergrössert ein;
Was unser Auge kaum, als wie ein Stäubgen spüret,
Das ist mit Kopf und Bein und Gliedern ausgezieret
Es lebt in seinen Blut, wer hätte das gedacht?
Wie! zeugt das kleinste Thier, nicht von der grösten
Macht?
Die Muskeln, Fleisch und Haut, so künstlich kan
verbinden
Mit tausend Theilen mehr, wo wir nur Stäubgen
finden
O! unbegreiflicher, erhabner Zebaoth
Wir sehen überall, daß du ein grosser GOtt
Drum öfne unser Aug und laß uns sters er-
scheinen
Die Grösse deiner Macht, im Grossen und im Kleinen.