Die Grösse GOttes in dem Licht der göttlichen Offenbahrung erblikket.
Grosser GOtt! in deinem Lichte
Sehn wir deine Herrlichkeit,
Dein verborgnes Angesichte
Das mit Glanz und Pracht bestreut,
Dein unendlich grosses Wesen,
Ist am deutlichsten zu lesen,
In der Schrift, die uns das zeigt,
Was uns die Natur verschweigt.
Darin hast du uns beschrieben,
Deiner GOttheit Majestät,
Die der Mensch durch Furcht und Lieben,
Ueber alle Ding erhöht;
Darin hast du uns gesaget,
Wornach sonst vergeblich fraget
Unser Wiz, der das nicht trift,
Was uns lehrt die heilge Schrift.
Leß ich nach wie du die Erde,
Und den Himmel hast formirt,
Und wie dein allmächtig Werde,
Aus dem Nichts das hergeführt,
Was wir in der Welt erblikken,
So kan uns das gleich eindrükken:
Durch ein Wort hat dargestellt.
Leß ich diese Welt-Geschichte,
Die uns Moses hat erzählt,
Wie nach deines Geists Berichte,
Alles weislich auserwählt,
Was in diesem Kreis zu finden:
So kan ich gar bald ergründen,
Daß du seist ein grosser
Und ein weiser Zebaoth.
Als der Urstof aller Dinge,
Aus des Nichtes Dunkelheit,
Aus dem Reich der Möglichkeit
Würklich war hervor gekommen,
Hast du jegliches genommen,
In die Ordnung eingebracht,
Die die Welt uns herrlich macht.
In den aufgeschriebnen Werken
Deiner Schöpfung, können wir,
Deine Grösse auch bemerken,
Deine Herrlichkeit und Zier;
Wenn ich die Beschreibung sehe,
Find ich auch von deiner Höhe
Ein recht majestätisch Bild,
Das mein Herz mit Ehrfurcht füllt.
Dadurch lerne ich erkennen,
Daß du seist ein Jehovah,
Der nur etwas darf benennen,
So ist es zugleich auch da;
Auf den Wink muß das geschehen,
Was du wilt, das ist zu sehen.
Leß ich das; so fällt mir ein,
Deine Macht muß herrlich seyn.
Dein Wort hat uns das entdekket,
Was der menschlichen Vernunft,
Ganz verborgen, ganz verstekket,
Und was aller Weisen Zunft
Durch den Wiz nicht kan ausfinden,
Wenn sie sich auch unterwinden,
In die Tieffen einzugehn,
Da wir dich im Dunklen sehn.
Aber alles was wir lesen
Das geoffenbahret ist,
Lehret uns das du ein Wesen,
Grosser Herrlichkeiten bist,
Das Unendlich, gütig, weise,
Das in keine Schranken, Kreise
Einer Zeit wird eingerükt,
Noch an einem Ort umstrikt.
In dem Lichte das uns scheinet,
Sehn wir dich auf deinem Thron
Anders als Vernunft es meinet,
Da wir dich als Vater, Sohn
Und als heilgen Geist verehren,
Weil uns heilge Männer lehren,
Daß GOtt der dreieinig heist
Vater, Sohn und heilger Geist.
Dies Geheimnis kan uns lehren,
Daß der grösseste Verstand,
Den nicht fasset, den wir ehren,
Du bleibst ihn doch unbekant;
Kein Wiz kan dich recht ermessen,
Dieses zeugt von deinen Grössen,
Die auch keiner faßlich kennt,
Da des Wortes Leuchte brennt.
Auch die tieffen Dunkelheiten,
Die der Offenbahrung Licht,
Uns noch läßt ohn Wiederstreiten,
Zeigen uns wie im Gesicht,
Daß du seist ein
Den wir nicht vollkommen kennen,
Und warum? weil wir zu klein,
Gegen deine Grösse seyn.
Lesen wir wie du regierest,
Wie das Licht gleichsam dein Kleid,
Und der Herrschaft Scepter führest,
Mit Güt und Gerechtigkeit:
So muß man zugleich gestehen,
Man kan dieses nicht ansehen,
Ohne daß man deutlich spürt,
Wie du herrlich bist geziert.
Gros ist deine Wundergüte,
Wenn man drauf das Herze lenkt,
Und mit forschenden Gemüte
Nach dem Wort der Schrift bedenkt,
Wie du trachtest vor die Sünden,
Heilungs-Mittel zu erfinden,
Da du die, die dich betrübt,
Als ein Vater doch geliebt.
Wenn wir deinen Rathschlus hören,
Von der Menschen Seeligkeit,
Und die süssen Warheits-Lehren
Von der frohen Gnadenzeit:
Und die Ordnung drin betrachten,
Wornach sich der Mensch muß achten:
So erkennt man mehr und mehr,
Daß GOtt sei ein grosser Herr.
Gros ist er, dieweil er heilig,
Und der Sünde ewig feind;
Die vor ihm als was abscheulich,
Gros weil er der Sünder Freund
Die in seinen Gnaden-Armen,
Einzig finden ihr Erbarmen,
Wenn sie gläubig in der Buß
Jhren Schöpfer falln zu Fuß.
Sein gerechter Eifer lodert,
Wider das, was böse heist,
Der stets die Vergeltung fodert,
Die er im Gericht beschleust;
Auch hieraus kan man ermessen,
Seiner Eigenschaften Grössen,
Die unendlich und nach Recht,
Straffen einen Sünden Knecht.
Sieht man aber dahingegen,
Seine weise Güte an,
Die den Fluch in einen Seegen,
Wunderbar verwandeln kan,
Daß das Recht nicht wird verlezzet,
So wird unser Herz ergözzet,
Daß
Seine Liebe zu erhöhn.
In den weisen Bund der Gnaden,
Den die Schrift uns kund gemacht,
Ist das Mittel vor den Schaden
Unsrer Seel woll ausgedacht,
Wenn ich
Zu der Sünder Heil bedenke:
So wird auch die Majestät,
Unsers
Daß uns Christus von den Bösen,
Nach des Vaters Gnaden-Raht
Müssen durch den Tod erlösen,
Welches er bewiesen hat;
Zeigt uns einmahl seine Güte,
Ferner drükts uns ins Gemüte,
Es sei die Gerechtigkeit
Zebaoths Vollkommenheit.
Diese grossen Eigenschaften,
Die das höchste Wesen ziern,
Die in
Können uns leicht dahin führn
Daß wir
Seine Grösse daher leiten,
Welche sich der ganzen Welt,
Darin deutlich dargestellt.
Sehen wir die grossen Wunder,
In dem neuen Testament
Wie des Glaubens reger Zunder,
Durch ein göttlich Licht entbrennt;
Wie durch der Apostel Zungen,
Christi Lehre durchgedrungen:
So sehn wir erstaunend an,
Was die Macht des Höchsten kan.
Auch aus denen Gnadenwerken,
Kan ein achtsames Gemüth,
Unsers
Seine Weisheit, seine Güt.
Da in denen Finsternissen,
Seine Lichter leuchten müssen,
Wird die Blindheit selbst verklärt,
Welche
Alles was die Schrift uns lehret,
Wie sein Geist die Menschen führt,
Und zum ewgen Heil bekehret,
Wie er ihre Seelen ziert:
Alles das giebt zu erkennen,
Weil er durch des Wortes Kraft,
Uns ein neues Herze schaft.
Lesen wir von künftgen Dingen,
Wie uns
Durch den Glauben werde bringen,
Wie er uns nach dieser Zeit
Werde als die Gnaden-Sonne,
Dort erfreun mit Himmels-Wonne:
So zeigt auch die Ewigkeit,
Kan der Frommen ewigs Leben,
Uns von
Einen grossen Abdruk geben,
So wird er auch drin erhöht,
Wenn wir uns die Qual der Höllen,
Als der bösen Straf vorstellen,
Weil er als ein Zebaoth,
Damit die Verkehrten droht.
Alles was wir also lesen,
Was sein Wort als wahr ausspricht,
Zeiget uns von seinem Wesen,
Ein recht herrlich Angesicht.
Möchten diese Warheits-Lehren,
Darauf unser Herze kehren,
Daß wir dächten:
Wir sind elend, blind und blos!
Alsdenn würden wir erkennen,
Daß er alles und wir nur
Erdenwürmer zu benennen,
Die des Schöpfers breite Spur,
In der Demuth hier ansehen,
Deren Größ wir nicht verstehen;
So würd unser Wallspruch seyn: