Die Grösse GOttes in Steinen gebildet.

By Johann Justus Ebeling

Grosser Schöpfer! in den Steinen

Lässest du die Herrlichkeit

Deines Wesens auch erscheinen,

Darum ist mein Trieb bereit,

Sie mit Andacht zu besehen,

Deinen Nahmen zu erhöhen:

Denn es kan ein jeder Stein,

Deiner Grösse Denkmal seyn.

Steine sind auch Kreaturen

Dran der Schöpfer wird erblikt;

Darin du sichtbahre Spuren

Deiner Allmacht eingedrükt;

Es giebt uns ihr hartes Wesen

Weisheits-Proben gnug zu lesen,

Deiner Güt Vollkommenheit,

Zeigt die Mannigfaltigkeit.

Da du HErr! die Welt gegründet,

Worin sich der Körper-Heer,

Als durch eine Schnur verbindet,

Hast du auf der Erd, im Meer,

Gleichsam Steine ausgesäet,

Wodurch auch der Bau bestehet,

Den die Allmacht aufgethürmt,

Und die Vorsicht noch beschirmt.

Wenn wir auf den Ursprung sinnen,

Wie aus Schweffel, Erde, Salz

Durch die Wärme Steine rinnen;

Wie ein zäher Leim als Schmalz

Aus der Flüßigkeit entspringet,

Der sich durcheinander dringet;

So macht uns der Ursprung klar,

Daß dein Schaffen wunderbar.

Es ist unserm Aug verdekket,

Wie des Steins Materie,

Die da allenthalben stekket;

Die da in der Erd und See,

In der Höhe, in den Schlünden

In der Berge Grufft zu finden,

Sich erzeuget und vereint,

Daß sie werde hart versteint.

Dies Geheimnis kan uns lehren,

Daß du grosser Zebaoth

Auch in Steinen zu verehren,

Als ein uns verborgner

Keiner kan dein Thun ergründen;

Und wer wird sich unterwinden

Zu erzähln wie Fels und Stein,

Eigentlich entstanden seyn?

Die sich in die Tieffen wagen,

Die verborgenen Natur,

Können uns nicht weiter sagen,

Als daß diese Kreatur

Durch die Wärm und Näß vereinet,

Wie ein zäher Leim versteinet,

Und durch unsers Schöpfers Macht,

Wunderbahr herfür gebracht.

Diese harten Allmachts Zeichen,

Die kein starker Hammerschlag,

Zur Ausdehnung kan erweichen,

Die kein Feur auch allgemach

Ist vermögend ganz zu zwingen;

Weil sie nur in Stükken springen,

Wachsen annoch in der Welt,

Die die Vorsehung erhält.

Man theilt sie in manche Sorten,

Nach den Schein, theils nach den Werth,

Nach Figur, nach Farb und Orten,

Wie man uns in Büchern lehrt.

Die uns vor den andern allen,

Wegen ihres Werths gefallen

Heist man edel, kostbar, schön,

Die doch ungleich zu erhöhn.

Einige von Edelsteinen

Sind durchsichtig, glänzend klar,

Einge sind die halb durch scheinen

Andre sind die ganz und gar,

Wenn sie gleich ein Licht auffassen,

Keine Strahlen durch sich lassen:

Jede Art wird so geschäzt,

Wie uns ihre Farb ergözt.

Wenn wir diese Stein erwegen

Jhre mannigfaltge Art,

Und dabei vor Augen legen,

Was vor Farben drin verpaart

Wie sie wunderbahre Strahlen

Lieblich vors Gesichte mahlen:

So sieht jeder darin an,

Was des Schöpfers Allmacht kan.

Diese theure Seltenheiten,

Sind der Berge reiner Saft,

Die sich aus Cristal herleiten,

Da hernach die Schweffel-Kraft,

Mit den zarten Ausdünstungen,

Jhren Körper durchgedrungen:

Daraus sich der Stein formirt

Der so glänzend ausgeziert.

Sieht man wie dieselben spielen

Die durchsichtig, hell und klar;

So scheints daß die Sinnen fühlen,

Wie die Steine wunderbahr;

Es wird unser Aug entzükket,

Wenn es ihren Glanz erblikket,

Der so lieblich, reizend strahlt,

Wunderschöne Farben mahlt.

Unter diesen edlen Steinen,

Ist der helle

Wo sich Härt und Glanz vereinen

Als der edelste bekandt:

Er kan durch sein strahlend Funkeln,

Gleichsam andrer Schein verdunkeln,

Wenn er in den Kronen blizt,

Und so helle Farben sprizt.

Diese schönen Kostbarkeiten,

Kan des Schöpfers weise Hand,

In der Berge Bauch bereiten,

In der Meere tieffen Sand,

Wo sie als in Müttern stekken,

Schimmernd ihre Spiz ausstrekken,

Wenn sie aus den dunkeln Schacht,

An des Tages Licht gebracht.

Nachdem sind woll die Rubinen,

Die in Sandstein eingesenkt,

Die von feurig rothen Mienen,

Wenn man ihre Haut zersprengt:

Einge sind die bleicher spielen,

Und nur von der Röthe schielen:

Andre heisset man

Weil er dunkle Röthe hat.

Der Stein welcher gelbroth brennet

Wird der feurge

Wegen seiner Farb genennet,

Deren mancher Arten sind.

Die im blauen Glanze strahlen

Und sich wie der Himmel mahlen,

Nennt man wegen ihrer Zier,

Thalaßiten und

Ander heißt man Amethisten,

Die Viol und Purpur Blau;

Die in grünen Schmuk sich brüsten,

Als wie eine schöne Au

Pfleget man

Die von aussen bleichgrün gleissen,

Sind

Und oft den Cristallen gleich.

Die wie Milch ganz weislich strahlen,

Sind nicht minder lieblich schön,

Und man nennt sie die

Die sich wie ein Gold erhöhn,

Und wie rothgeld sind entglommen,

Haben ihren Nahm bekommen,

Es sind auch in denen Gründen

Der verborgenen Natur,

Edelsteine gnug zu finden,

Die des Lichtes Strahlen nur

Halb und nicht recht ganz durchlassen,

Die in diese Reih zu fassen;

Zeigen uns nicht minder an,

Was der Schöpfer bilden kan.

Wenn wir dieser Werth auch schäzzen

So ist in der Ordnung wohl,

Billig oben an zu sezzen,

Der Fleischfarbne

Der mit Adern, Linien, Bogen,

Die da dunkel durchgezogen;

Wenn er Blutroth anzusehn,

Heist er

Der mit Himmelblau gezieret

Das mit Milchfarb überwischt,

Und Licht-Himmelblau gebiehret,

Das mit Purpuroth vermischt;

Der wenn ihn die Sonn bestrahlet

Um sich Regenbogen mahlet,

Der kömt von Chalcedon her,

Heißet

Wenn er anders sich formiret,

Durch ein rothes Aderlein,

Ist der Nahm der ihm gebühret,

Nunmehr der

Wenn die Ader schwarz aussiehet,

Die ihn wie ein Strich durchziehet,

Wird wie Kennern ist bekand,

Er nur

Der Achat ist bunt vermenget,

Und mit Linien geziert;

Oft mit Flekken durch gesprenget

Das das Auge lieblich rührt.

Er ist mannigfalt gereiffet,

Bald mit Blutfarb durch gestreiffet,

Und vor Zeiten sehr genüzt,

Daß man Bilder draus geschnizt.

Die den Durchbruch nicht vergönnen,

Von dem Strahlenreichen Schein

Sind doch werth sie zu benennen,

Weil sie gleichfals edel seyn

Und mit schönen Farben prangen,

Auch an Fürstenkronen hangen,

Weil durch sie die Majestät,

Jhrer Hoheit Glanz erhöht.

Wenn wir auch der Art gedenken,

Müssen wir das Angesicht,

Auf des

Auf sein Himmel blaues Licht;

Man sieht ihn auch oftermahlen,

Dunkelblau und grünlich strahlen,

Weil er leicht sein Blau verliert,

Wenn ihn freie Lufft berührt.

Solche die den Grünen gleichen,

Sind doch nur an Farben mat

Daß sie nicht das Gras erreichen.

Sie sind wie ein Pappeln Blat:

Diese heissen

Die die Berge auch ausbrüten;

Sie sind gleichfals mancher Art,

Wie die Farben drin verpaart.

Es stekt in der Berge Rinden

Der so edle

Der von mancher Art zu finden,

Wegen seiner Farben Schein;

Der im Morgenland gegraben,

Soll blutrothe Adern haben,

Seyn von dunkelgrüner Pracht,

Die ihn schön und herrlich macht.

Endlich sind von diesen Seegen

Edler Steine, der

Der da blau, noch zu erwegen,

Welchen meistens die Natur,

In dem Kupferberg formiret,

Und mit Pünctgen ausgezieret,

Die in lichten Golde strahln,

Den Lasurstein übermahln.

Es sind noch viel andre Sorten,

Von der Edelsteine Art,

Die an dies und jenen Orten

In der Berge Schacht verwahrt,

Die nebst diesen deutlich lehren,

Wie

Der uns auch viel Wunder zeigt,

Wenn man in die Berge steigt.

Müssen wir es nicht bekennen,

Daß der Schöpfer der Natur,

Wunderbar und gros zu nennen,

Der so manche Farb, Figur

In die Steine eingedrükket,

Womit sich der Mensch ausschmükket,

Der sich durch der Steine Pracht,

Recht verherrligt, edel macht.

Es sind seiner Güte Gaben,

Die dergleichen Kostbarkeit,

Die wir aus dem Bergen graben

Uns zum Zierath ausgestreut:

Die dieselbigen empfangen,

Damit als mit Puppen prangen,

Müssen billig vor dem Schein,

Dieser Steine dankbar seyn.

Gott der schenket seinen Kindern

Wie ein weiser Vater thut,

Jhre Lebenslast zu mindern,

Auch bald dies, bald jenes Gut,

Daß sie daran sich ergözen,

Und vor ihre Tokken schäzen,

Die der Vater denen giebt,

Welche er als Kinder liebt.

Wenn wir auch den Nuz erwegen,

Den der Handel damit macht;

Wie durch diesen edlen Seegen

Wird so vielen Brodt gebracht;

So kan man die Weisheit sehen,

Die, da diese Stein entstehen,

So viel tausend damit nährt,

Steine in ihr Brod verkehrt.

Welche Vorsicht, welche Güte,

Spüret hier der rege Sin,

Wenn ein achtsames Gemüte

Denket was vor Nuz, Gewin,

Dieser reiche Handel bringet,

Der doch aus den Stein entspringet,

Welcher in der ganzen Welt,

Einen grossen Preis erhält.

Wenn wir ferner noch betrachten,

Andrer Steine mancher Art,

Die unedel sind zu achten,

Die der Berge Bauch bewahrt;

Wie dieselben aufgethürmet,

Wie dadurch die Erd beschirmet;

So muß Berg und Fels und Stein,

Uns der Vorsicht Denkmal seyn.

Sehet an die schroffen Spizzen,

Und der Berge schwere Last,

Sie sind Mauren die uns schüzzen,

Riegel die da eingefaßt

In den grossen Bau der Erden,

Dadurch wir erhalten werden;

Weil sich an der Berge Fuß,

Wind und Wetter legen muß.

Wenn die Wellen überschwemmen,

In den Meere, in der See,

Kan des Wasserslauf umdämmen

Die versteinert steile Höh;

Es muß seine Wuth zerspringen,

Die da will ins Land eindringen;

Fels und Klippen in dem Meer,

Sind der Fluthen Gegenwehr.

Sieht man auf dem Nuz alleine,

Den man sichtbahrlich verspürt,

Auf der Erde von den Steine,

Damit man Gebäud aufführt;

Die man braucht zu andern Dingen;

So muß man den Ruhm besingen,

Des, der sie herfür gebracht,

Und noch jezo wachsend macht.

Jhr erhabnen Erden-Gäste,

Die ihr eurer Herrlichkeit,

Bauet Schlösser und Palläste,

Troz! des scharffen Zahns der Zeit,

Jhr müßt in den Hütten wohnen

Und auf hölzern Stühlen thronen,

Wenn nicht

Bunten

Andre Steine zu erwehnen,

So sind ohne Widerstreit

Sonderlich zur Winters Zeit,

Da wir in den Schlam ertrünken,

Auf der Reis in Koth versünken,

Wenn mit dieser Festigkeit

Nicht die Wege überstreut.

Wie lang würden ohne Mauren,

Auf den feuchten Erdengrund,

Unsre hölzern Häuser dauren?

Wird daraus nicht wieder kund,

Daß wie wir auf steinern Füssen,

Unsre Wohnung gründen müssen,

Wenn sie sollen feste stehn,

Und nicht leichtlich untergehn.

Dazu hat GOtt manche Steine,

Die da fest und dauerhafft,

Grosse Werkstük und auch kleine,

Uns zum Vorrath angeschafft,

Wenn wir also bauen wollen,

Kan man sie aus Bergen rollen,

Wo man immer Schicht vor Schicht,

Sie aus ihren Löchern bricht.

Es sind auch an vielen Orten,

In der Vorsicht weiten Reich,

Von dem Steinen solche Sorten,

Die zerbrechlich, dün und weich

Die zu dem bequemen Leben,

Mannigfaltgen Nuzen geben

Und die deutlich uns auch lehrn,

Da sind Schieffer die zu schneiden,

Weil sie blättricht aufgepaßt,

Damit Dächer zubekleiden,

Weil es an den andern faßt,

Und bei Regen, nassen Stürmen

Unsre Wohnungen beschirmen,

Daß wir doch bei nassen Braus,

Haben ein recht troknes Haus!

Da sind andre die man trennet,

Durch des Feuers Element,

Die man

Weil man Kalk und Gyps draus brennt,

Die an unsern Wohnungs Sizze,

Zu der glatten Tünche nüzze,

Oder wie man sonst sie braucht,

Wenn die Hiz gelöscht, verraucht.

Andre sind die leicht zu reiben,

Womit man was schwarz polirt,

Womit man die glatten Scheiben,

Der beschmuzten Teller ziert;

Die auch woll wie Milch zerrinnen,

Zu der Bleichung zarter Linnen,

Hört zu dieser Classe her.

Andre haben andren Nuzen

Die da scharf und sandigt sind,

Das zu wezzen und zu puzzen,

Was da stumpf, verrostet, blind;

Da sind Steine die uns weisen,

Was als ächtes Erz zu preisen;

Steine draus man Feuer jägt,

Wenn man hartes Stahl dran schlägt.

O! wie zeigt uns der Allweise,

Seiner Güte Mannigfalt,

Das zu seinen Ruhm und Preise,

Aus den Stein ins Auge prallt.

Möchten wir sein herrlich Wesen,

Auch aus denen Steinen lesen,

Darin er gleichsam geäzt:

Doch bei diesen Wunderwerken,

Ist der nüzliche

Sonderbarlich zu bemerken,

Der die Nadel Nordwerts dreht,

Der die andre Gegend fliehet,

Und sich stets nach Norden ziehet,

Der des Eisens schwere Last,

Wunderbahrlich an sich faßt.

Dieser ist darum zu preisen,

Weil er sich nach Norden sehnt,

Und durch Nadeln pflegt zu weisen,

Die ihn seine Krafft entlehnt,

Wie auf denen Meeres Höhen,

Schiffer ihren Mast zu drehen,

Da zeigt auf der glatten Bahn,

Der Magnet die Strasse an.

Ebenfals ist hoch zu schäzzen,

Der sehr seltene

Der sich von uns mit Ergözzen,

Als wie Seide winden läst:

Dieser Stein der kan uns geben,

Wenn wir seine Faden weben,

Ein solch köstlich Leinewand,

Das im Feur bleibt unverbrandt.

Was vor wunderbahre Sachen,

Kan die Kunst mit ihren Fleis,

Nicht noch sonst aus Steinen machen,

Die zu unsers Schöpfers Preis,

Abermahl uns überführen,

Daß in Steinen klar zu spüren,

Wie die ewig weise Macht,

Weislich sie herfürgebracht.

Was vor schöne Seltenheiten,

Was vor Wunder der Natur,

Kan nicht

Da so mancherlei Figur,

Da so wunderbahre Schilder,

Da so viel geschnizte Bilder

In dem Steinreich sind zu sehn,

Die des Schöpfers Ruhm erhöhn.