Die heilige Bahn

By Friedrich Hölderlin

Written 1789-01-01 - 1789-01-01

Ist also dies die heilige Bahn?

Herrlicher Blick – o trüge mich nicht!

Diese geh ich?? schwebend auf des Liedes

Hoher fliegender Morgenwolke?

Und welch ist jene? künstlich gebaut

Eben hinaus, mit Marmor beschränkt,

Prächtig gerad, gleich den Sonnenstrahlen –

An der Pforte ein hoher Richtstuhl?

Ha! wie den Richtstuhl Purpur umfließt,

Und der Smaragd, wie blendend er glänzt,

Und auf dem Stuhl, mit dem großen Szepter

Aristoteles hinwärts blickend

Mit hellem scharfem Aug auf des Lieds

Feurigen Lauf – und jenes Gebirg

Eilt sie hinweg – mutig in die Täler

Stürzt sie, ungestüm, und ihr Boden

Ist wie des Nordens Flammengewölk,

Wallend vom Tritt des rennenden Gangs –

Waffengeräusch rauschen seine Tritte

Über alternde Wolkenfelsen.

Ha! sie ist heiß, die heilige Bahn –

Ach wie geübt der Große dort rennt,

Um ihn herum – wie da Staunen wimmelt,

Freunde – Vaterland – fernes Ausland.

Und ich um ihn mit Mückengesums

Niedrig – im Staub – Nein, Großer, das nicht.

Mutig hinan! – ! – Wanns nun da ist, voll ist...