Die heilige Garten-Schule der lehrenden Blumen.
Jhr Menschen! die ihr euch entfernet,
Von aller eitlen Lust der Welt,
Und mit Vergnügen emsig lernet,
Was das Naturbuch in sich hält;
Die ihr mit forschenden Bemühen,
Nach der geschäftgen Bienen Art,
Den Honig sucht daraus zu ziehen,
Worin derselbe liegt verwahrt:
Kommt her ihr könnt in Feld und Auen.
An Blumen holde Lehrer schauen.
Die Gärten die ihr jezt erblikket,
Sind eine Schule der Natur,
Darin in Bildern abgedrükket,
Der Gottheit unsichtbare Spur.
Hier könnt ihr von dem höchsten Wesen,
Von seiner Vollenkommenheit,
Die Ehrfurchts-volle Warheit lesen:
Dies lehrt euch zu des Schöpfers Ruhme,
Der Anblik einer jeden Blume.
Fragt nur: woher sie sind entsprossen,
Da sie zusammen Wunderschön
Woher der Farben Schmuk geflossen,
Der auf der Blätter Sammt zu sehn:
Wer hat in den so kleinen Saamen,
So viele Blätter eingefaßt,
Und sie als wie in glatte Rahmen,
In zarte Zwiebeln eingepaßt:
So werden sie euch sämmtlich weisen,
Den
Fragt: wer sie in gepreßten Falten
Der Häutgens, ordentlich gelegt;
Wer sie zur Winters-Zeit erhalten
Wenn sie die kalte Erde hegt:
Wer sie, wenn Schnee und Eis verlohren,
Der Frühling alles fruchtbar macht:
Und sie der Erden Schoos gebohren,
Geschmükt mit solcher bunten Pracht:
Sie werden euch in Glanz und Strahlen,
Den Schöpfer für die Augen mahlen.
Jhr Thoren! die ihr albern klügelt,
Fast alles, doch den
Der sich in allen abgespiegelt,
Wohin ihr eure Augen dreht:
O! möchtet ihr die Blümchens fragen,
Die könten eure Lehrer seyn;
Die würden euch zur Schande sagen:
Wir stimmen darin überein,
Auf unsern Blättern ist zu lesen:
Ein Werk das zeugt von seinen Meister,
Die Zeichnung, Bildung und Figur,
An einen Kunstwerk kluger Geister
Entdekt uns ihres Wizzes Spur.
Die wie Apelles, künstlich mahlen,
Der Farben Mischung recht verstehn,
Die lassen ihres Wizzes Strahlen,
In jeden Bild und Zügen sehn;
Die Werke die sie nur gebildet,
Die haben sie auch abgeschildet.
Der Meister dessen weiser Finger,
Die Bilder der Natur gemahlt,
Ist in der Kunst auch nicht geringer
Woraus sein Bild recht deutlich strahlt:
Er zeigt uns an den Kostbarkeiten,
Die jeder an der Blum erblikt
Das Urbild der Vollkommenheiten,
Das sein unendlich Wesen schmükt;
In ihrer Bildung, Form und Zügen,
Sehn wir des Schöpfers Grösse liegen.
O! welch ein wunderbahr Gespinste,
Ist nicht ein zartes Blumen Blat,
Das so viel wollgewirkte Künste,
Als dünne Fädgens an sich hat.
Man nehme nur die feinsten Stoffen,
Die eine kluge Hand gestrikt;
Wie weit sind solche übertroffen
Wenn man auf eine Blume blikt?
Man kan dieselben unterscheiden,
Als grobes Tuch und zarte Seiden.
O! welche schöne Schildereien,
Damit die Blumen ausgeziert,
Dagegen alle Mahlereien
Mit groben Pinseln nur geschmiert.
Die Farben sind so sanft vermenget,
Woraus die Schönheit selbsten blüht:
So wunderbarlich durchgesprenget
Als wenn ein flüßig Gold drauf glüht;
Als wenn von allen Edelsteinen,
Die Strahlen sich darin vereinen.
Jhr schönen Kinder, unsre Freude,
Die ihr in Gold und Silber blizt,
In Scharlach, Purpur, gelber Seide,
Wie auf smaragdnen Thronen sizt;
Die ihr in weissen Attlas prahlet
In Violet, in Himmelblau
Mit tausend andere Farben strahlet,
Wer hat euch euren Wunderbau
Mit solchen Farben ausgefchmükket,
Wer hat eur Kleid so ausgestikket?
Sie lehren all mit einem Munde,
Daß sie der
Sie weisen uns zum schwarzen Grunde,
Als ihrer Mutter Schoos zurük,
Und fragen: Ob wir glauben können,
Da so viel himmlisches sie ziert
Daß man sie müsse Kinder nennen
Die von sich selbst die Erd gebiehrt:
Und ob der Saft den sie gesogen,
Mit solcher Pracht sie angezogen?
Wie vielerlei braucht eine Pflanze,
Eh sie zu ihrer Form gelangt;
Eh sie mit ihrer Blüthen Kranze
Nach ihrer Art und Bildung prangt:
Es muß des Schöpfers reicher Seegen,
Die Erde dazu erst formirn,
Von aussen Wärme, Luft und Regen,
Durch sie in zarte Keimen führn,
Und durch ein Allmachts-volles Walten,
Die Ordnung ihrer Art erhalten.
Der Schöpfer hat im ersten Tagen,
Der Schöpfung alles ausgedacht:
Und da die Erde Frucht getragen,
Sah er das alles gut gemacht:
Die Blumen heben aus der Erde
Jhr eingehülltes Haupt hervor
Und auf ein einzig Wort: Es werde
Stund da das grosse Blumen Chor,
Die in den Schmuk und bunten Kränzen,
Als Zeugen seiner Allmacht glänzen.
Die Weisheit die die Welt regieret,
Legt sich in zarter Blumen Bau,
Der unsre Sinnen, Herze rühret
Durch ihre Einrichtung zum Schau.
Ein unbegreiflich grosses Wissen,
Zeigt sich an ihren Mannigfalt,
An ihren wollgeorndten Rissen,
An netter Bildung und Gestalt,
An ihren steten Aenderungen,
An ihren Farben, Pracht, Mischungen.
Welch eine ungezählte Menge,
Welch mannigfaltge Blumen Art,
Hat GOtt zum schimmernden Gepränge,
In unsern Lustrevier verpaart,
Wie viele sind auf Feldern, Auen,
Wie viele sind in grünen Wald,
Als Wunder der Natur zu schauen;
Wie viele die den Aufenthalt,
Auf den erhabnen Bergen finden,
Wie viele in den tieffen Gründen?
Wie viele sind in Morgenlande
Wie viele in der Mittags-Welt,
Da sich aus dem erhizten Sande
Ein feurig Blumen Heer darstellt;
Wie viele die in fremder Erden,
Die unser Auge nie gesehn,
Zur Seltenheit gebohren werden,
Und ihres Schöpfers Ruhm erhöhn,
Die auch den unbekehrten Wilden,
Des Höchsten weise Macht abbilden.
Die ihr der Weisen Macht Verehrer,
Aus Andacht
Fragt nur die holden Gärten-Lehrer,
Als eurer Schaubühn eigne Frucht:
Die zeigen euch in ihren Bildern,
So viele Mannigfaltigkeit:
Daß der sie also können schildern,
Ein HErr von Vollenkommenheit;
Die geben uns sein weises Wesen,
In einen Abdruk klar zu lesen.
O! welche Kunst! ist hier verbunden,
Die alles schön zusammen fügt;
Wie weislich ist das ausgefunden,
Daß alles nach der Ordnung liegt,
Als wenn nach den bestimmten Grössen,
Nach Zirkel, Maasstab, nach der Schnur,
Ein jedes Theilgen abgemessen,
An diesen Bildern der Natur.
Wer kan die Einrichtung ansehen,
Ohn
Wie wunderbahr sind die Figuren,
Die man nicht ohn Erstaunen sieht,
So vielfach, als die Kreaturen,
Daran die Weisheit sich bemüht.
Wer kan dieselben überzehlen,
Die eine ewge weise Macht,
Durch alles würkendes Befehlen,
Auf einem Beet herfürgebracht,
Die all aus einen Boden spriessen,
Nach ihrer Art doch wachsen müssen.
Wir sehen hier in schönster Ründe,
Der einen förmliche Gestalt,
Als wenn darum ein Zirkel stünde,
Wornach die wachsende Gewalt,
In dem Entwikkeln sich gerichtet.
Da spriessen lauter Herzen aus
Hie sind die Blätter glatt geschichtet;
Da Zungenförmig, rollend, kraus;
Dort hängen weisse Silberglokken,
Hie seh ich, deucht mir, gelbe Lokken.
Da sehe ich gemahlte Köcher,
Dort die gespizten Pfriemen gleich;
Hie sind gewachsne Silber-Becher
Die innerlich an Golde reich:
Da hängen Diamantne Ringe
Hie Kronen, Kerzen, und was mehr
Vor wollgestalte Wunder-Dinge,
Der Schöpfer sich zu seiner Ehr,
Als Bilder der Natur geschnizzet,
Woraus der Weisheits-Schimmer blizzet.
Wie geht das zu, erfahrne Weise!
Sagt mir, des Saamens Einrichtung,
Beschreibt das künstliche Gehäuse,
Und die verborgne Wikkelung
Des Keimgens, der aus Zwiebeln gehet,
Und seinen Nahrungssaft geniest,
Sich regend in die Höhe drehet,
Und solche Wunder-Formen spriest?
Jhr schweigt und last die Blumen lehren:
Was unerforschlich doch zu ehren.
Wir sehen in den warmen Lenzen,
Und in der schwülen Somerzeit,
So viele bunte Tokken glänzen,
In angebohrner Herrlichkeit;
So bald sie nur in grünen Wiegen,
Die auf der Mutter Schooße stehn,
Als neugebohrne Kinder liegen,
Kan man sie schon in Schmukke sehn,
In solchen Schmuk der schön zu nennen,
Von den die Kunst und Farben kennen.
Jhr prangt mit unschäzbaren Schäzzen,
Als keine Fürsten Tochter kan,
Und wer sich will in Lust ergözzen,
Der seh nur euren Hofstat an,
Jhr Blumen! die kein Sammt noch Seide,
Nein, ein viel schöners Kunstwerk ziert,
Weil jedes Stük an euren Kleide,
Zugleich das Aug und Herze rührt,
Und immer, wenn wir es betrachten,
Zugleich bewegt euch hoch zu achten.
Jhr Weber rühmet eure Künste,
Rühmt den der sie mit Wiz erdacht;
Beseht der Blumen Kunstgespinste,
Das hat die Weisheit selbst gemacht.
Jhr Schildrer! die ihr recht verstehet,
Wie man die Farben mischen muß,
Den Schatten mahlt, das Licht erhöhet,
Die Farben trennt in ihren Fluß
Und wiederum vereint, verbindet,
Seht, was ihr hier vor Farben findet.
Hier sehet ihr ein Gold das blühet,
Und das dabei im Schimmer strahlt;
Da Silber-Farbe welche glühet,
Von Sonnen-Firnis übermahlt:
Dort blizzen funkelnde Cristallen,
Darzwischen wie in Glut und Brand,
So wundersame Strahlen fallen
Wie aus geschlifnen Diamant,
Daß man von ferne solte meinen,
Die Blumen wärn von Edelsteinen.
Hier prangt ein Purpur dunkler Röthe,
Mit grünen Strichen durchgeflammt;
Da eine blaue Kunsttapete,
Die wie ein durchgewirkter Sammt.
Dort deucht mir seh ich weisse Seide
Mit Himmel-blauen Glanz gemischt;
Da merk ich an den Liljen-Kleide,
Ein Gold das nur daran gewischt;
Hie findet sich von andern Sorten,
Ein Heer mit schön gestikten Borten.
Und diese Wunderschöne Floren,
So mannigfaltig durchgesprengt;
Die werden aus der Erd gebohren,
Welch Wunder! wenn man dies bedenkt.
Ein schwarzer Grund giest seine Säfte,
In die entsprosnen Stengel ein;
Und der Natur verborgne Kräfte,
Gebähren einen solchen Schein:
So kan aus schwarzen Feuchtigkeiten,
Der Schöpfer allen Schmuk bereiten.
O! ewge Weisheit, deine Strahlen,
Die werden badurch offenbahr:
Dein Finger muß die Blumen mahlen
Das ist aus allen Zügen klar.
Die Farben zeigen ihren Meister,
Die Schönheit dich als Künstler an,
Die auch der Pinsel kluger Geister,
Zwar schildern, nimmer treffen kan:
Und darum blüht zu deinen Ruhme,
In ihren Schmukke jede Blume.
Jhr angenehmen Schildereien,
Gemahlte Bilder der Natur,
Jhr wachset um uns zu erfreuen,
O! zeiget uns der
Die euch mit solcher Pracht geschmükket
Woraus die holde Anmut lacht;
Jhr lehrt schon wenn man euch erblikket
Daß euch die Liebe blos gemacht,
Uns Menschen durch euch bunte Tokken,
Zur Gegenliebe anzulokken.
Die Vater-Güte schenkt uns Rosen,
Und Liljen, Nelken mancher Art;
Die Augen dadurch liebzukosen,
Weil sie hie Glanz und Schmuk verpaart.
Sie giebt so mannigfaltge Menge,
Nach jeder Art gewebt, geziert.
Hat sie nicht darum dies Gepränge,
So reizend uns zur Lust formirt,
Das wir daran erkennen sollen
Wie er uns hat vergnügen wollen?
O! ja der Schöpfer der uns liebet,
Zeigt seine ewge Vater-Güt,
Da er uns holde Blumen giebet;
Wenn ein betrachtendes Gemüt
Die süß empfundne Lust erweget,
Die sich bei Anmuhts-vollen Schau
In seinen Herzen freudig reget:
So merkt es daß der Blumen Bau,
Durchs Auge selbst den Geist behage,
Der Liebe Zeichen an sich trage.
Wie lieblich ist der Dunst den Nasen,
Der durchs Gehirn den Geist vergnügt,
Wenn durch ein geistig Düften, Blasen,
Ein Balsam aus den Blumen fliegt!
Wer riecht hier nicht, daß
Und seinen Menschen-Kindern hold,
Wenn er uns zum erquikten Triebe,
So manches frisches Labsal zollt?
Kan man nicht das empfundne Rauchen,
Zum Zeugnis seiner Güte brauchen?
Jhr Blumen scheint mir wie Altäre,
Worauf bei stiller Abenszeit,
Der Schöpfer sich zu seiner Ehre,
Vornemlich Ambra ausgestreut.
Wenn wir am Tag uns satt gesehen,
An eurer wollgeschmükten Pracht;
So müssen eure Düfte wehen,
Und uns vergnügen bei der Nacht;
Wenn wir uns in der Hizze kühlen,
Und eur gewürztes Hauchen fühlen.
Jhr Menschen die ihr von den Morgen,
Bis zu dem Abend euch stets plagt;
Und durch ein schwarzes Heer von Sorgen,
In Zweifelung, Furcht das Herze nagt;
Kommt her und lernt der
An dieser Blumen bunte Tracht;
Wie kann der euch nicht auch erhalten
Der diese so gewebt, gemacht?
O! Zweifler seht der
In Blumen aus der Erde steigen.
Bedenkt des ewgen Vaters Milde,
Verzagte die der Gram besiegt
Schaft er euch nicht nach seinen Bilde,
Warum seid ihr denn misvergnügt?
Jhr glaubt, daß
Der sonsten alle Ding ernährt,
Und jedem seines Leibes Essen,
Und Kleid und Nahrung gnug beschert:
Jhr irrt, der Vorsicht würkend Sehen,
Muß über alle Dinge gehen.
Geht nur in einen Blumen-Garten,
Da könnt ihr den Beweisthum sehn,
Jhr findet da so manche Arten,
Von Blumen schön gekleidet stehn.
Wer hat derselben Schmuk gesponnen,
Womit sie prächtig angethan;
Wo ist die Nahrung hergeronnen,
Die sie mit Saft erhalten kan;
Wie seht ihr nicht der Vorsicht Spuren,
In diesen kleinen Kreaturen?
Sie sagen euch mit einen Munde, Wir stammen von der Vorsicht her,
D
Sehr weislich, nicht von Ohngefehr,
Aus unsrer Mutter Schoos gezogen.
D
Aus Liebe gegen euch bewogen,
Uns euch so woll gekleidet dar,
D
Und dadurch euch im Glauben stärket.
Wir sind der Vorsicht Meisterstükke,
D
Wirft er auf uns sein Aug zurükke,
Den doch das edle Leben fehlt;
So könnt ihr daraus richtig schliessen,
Der Vater der euch Odem giebt,
Wird euch auch zu erhalten wissen;
D
D
D
Lernt, wenn ihr dieses Heer betrachtet,
Das
Daß der den Höchsten nur verachtet,
Der denkt: er sey durch sich beglükt.
Wie viele sind die blindlings meinen,
Daß sie vor sich allein bestehn,
Und daß ein jeder auf die Seinen
Ohn
Jhr Tohren! lernet anders denken:
So wenig sich die Blumen kleiden;
So wenig könnt ihr euch ernährn;
Der Höchste muß zu Speis und Freuden,
Euch alles mittelbahr beschern.
Wär das von jeden selbst erzielet,
Was er zum Eigenthum geniest;
Womit er herrlich prangt und spielet;
So würde das, was wächst und spriest,
Auch von sich selbst die Farben haben,
Die doch des Höchsten Gnadengaben.