Die herrliche Schau-Bühne.
Es senckte sich der Erden Theil, worauf Hammonia ge- gründet,
Des Abends von der Sonnen abwärts; wodurch denn, was
In noch verschönertem, vermehrten, und buntern Glantz
Indem man durch verlängte Schatten die Cörper doppelt
Es war, durch erst gefallnen Regen, Lufft, Erde, Laub
Und, in den noch verhandnen Tropffen, sah man der Sonnen
Daher denn alles gläntzt’ und glühte. Die schönste Schau-
Ward meinen halb entzückten Augen, im hellen Schimmer,
Aufs wenigst hat kein einzigs mahl
Ein menschlich Aug’ ein herrlicher Portal
Von einem Schau-Platz, ie gesehn, und kann auch nimmer-
Was grössers und was prächtigers, als dieser Bau, gefun-
Noch auf der Welt gesehen seyn. Denn kurtz: Es war
Den selbst des Schöpfers grosses Wort gefärbt, am Firma-
Er strahlt’ in voller Pracht und Gluht, es schien von allen
Der Farben Pracht und Schönheit sich in diesem Kreise zu
Unglaublich war der bunte Schimmer, unglaublich der ge-
Man sah ihn, wie man selten siehet, in seiner halben Rün-
Durch dieses prächtige Portal nun war nicht minder
In der bestrahlt-und feuchten Landschaft, ein heller Schau-
Das niedre Licht, die langen Schatten, vereinten sich, zu
In solchem angenehmen Glantz, in solcher sanften Har-
Daß, wo nicht selbst vom Paradiese das Urbild, minstens
Sich dem Gesicht zu zeigen schien. Der Himmel und die
In ihrem Schmuck uns gleichsam an. Ein Aug’ und Hertz
Das, durch der Sonnen Strahlen, gelblich, ja gleichsam
War, da es recht als wie ein Licht, durchs Aug’ uns in die
Nicht nur den fast entzückten Blicken; der Seelen ein so lieb-
Daß sich ihr gantzes Wesen fast, durch ein ununterbrochnes
In einer reinen Lust verlohr. Sie wünschte, gantz von
In aller Schönheit Quell und Ursprung, im Danck sich herr-
Lob, Ehr-Furcht, Andacht, Lieb’ und Danck, und Ehr
Sey Dir allein, o grosser Schöpfer! rieff ich, mit Thränen
Worin ein Freuden-Feuer brannt’. Ach mögte mein ge-
Ob dem, was mir so wol gefällt, Dir, HERR, durch Den
Und was ich sehe, bin und seh’, aus Lieb’ auch zu gefallen
Ach mögt’ ich Dich in Deinen Wercken doch stets, Dir wol-
Der angenehm bebüschten Wiesen hell-grün-bestrahlte
Ward durch die an dem Horizont noch überbliebne Dun-
Von einer halben Regen-Wolcke, die südlich noch im Osten
Und einen Strich daselbst noch schwärtzte, recht als durch
Noch so viel schöner vorgestellt, noch desto kräfftiger erhoben.
Man sah zugleich die helle Fluth der klaren Alster,
Ju einem fast Saphirnen Glantz, vom Himmel so gefärbet,
Und öffters sanft auf fette Wiesen, und Gras und Bluhmen
Da Binsen, Rohr und Kraut, und Bluhmen sich denn in ihr
So lieblich, angenehm und bunt, so deutlich, rein und
Daß von der wahr-und falschen Bildung kaum kaum der
Des klaren Wassers Himmel-Blau, des Feldes überir-
Betrachtet’ ich mit frohem Wechsel. Doch muste sich an
Mein Blick auf ein im grünen Busch belegnes prächtiges
Durch die bestrahlten Fenster-Scheiben, die, gleich dem flam-
Die Gluth der Sonnen rückwärts trteben, und ihren Blitz
Indem er gar zu feurig flammte. Der rothe Glantz, der
Die er bald hier, bald dort, durchstrahlte, sich gleichsam
Und offt ein feuriges Gebüsch aus ihnen zu formiren schien,
Worin sich Pracht und Anmuth mischte, durchstrahlte mein
Und führte meinen frohen Geist erst auf das helle Sonnen-
Und von der Sonnen auf den Schöpfer, versenckt in Dessen
Draus Millionen Sonnen quillen, von Lust und Andacht
Und fing, nachdem ich Lufft und Landschaft, wie sie so schön,
Mit abermahl erstaunten Blicken, noch einmahl fleißig an-
So viel ich mich erinnern kann,
Dem Schöpfer dieses Lob-Lied an:
Hätt’ ich himmlische Gedancken,
Stat der Menschen-, Engel-Zungen,
Würde dieser irdsche Schein
Doch kaum würdig gnug besungen,
Herrlich gnug beschrieben seyn.
HeRR, was müssen, in den Gründen
Deiner Gottheit, Deiner Macht,
Schatten, Finsterniß und Nacht,)
Doch vor Uberschwenglichkeiten
Seeliger Vollkommenheiten,
Majestät, Pracht, Glantz und Licht,
Die der Seeligen Gesicht,
Mit verhimmelndem Ergetzen,
Ewig in Vergnügen setzen,
Sonder Zahlen, Mass’ und Greutzen,
Wunder-Wunder- würdig gläntzen!
HeRR, ich habe das Vertrauen,
Deiner Gottheit Licht und Strahl,
Wie Du Deinen Thron geschmückt,
Durch ein mehr als tausend mahl
Schön-und herrlicher Portal,
Als das, so ich hier erblickt,
Ewig seelig und entzückt,
Dir zu Ehren, anzuschauen.