Die herrliche Verbindung der Güte und Gerechtigkeit in dem Werke der Erlösung.

By Johann Justus Ebeling

Gott ist das höchste Gut, das ist gewis- lich wahr,

Jm Buche der Natur und Offenbah-

Wir sehen, was wir sehn, es drükt

Ja allenthalben ab, in ein gerührt Gemüte.

Er hat ja alles woll, zu unsern Glük bedacht,

Und herrlich uns zur Lust, in dieser Welt gemacht,

Und in dem Gnadenreich bemerken wir die Triebe,

Daß unser Schöpfer sey die wesentliche Liebe.

Die Menschen sehen dies, wie die Barmherzigkeit,

Aus reiner Lieb gerührt, uns ihre Huld anbeut,

Sich nur darum bemüht uns aus den Elends-

Worin die Sünd uns schliest, uns wieder zu er-

Der Sünder denkt daran, und macht daher den

Weil

Misbraucht die Gütigkeit, die ihn der Schöpfer

Und meint die Liebe sey, auch dem was Böß ge-

Das ist ein falscher Schlus, der seiner Sicherheit,

Nur falsche Hofnung giebt, und sanfte Polster

Worauf er ganz getrost, ohn sein Bemühn und

Wird blos durch eigne Schuld, die Seeligkeit ver-

Der Jrthum fliest daher, dieweil er fälschlich meint,

Daß

Ohnmöglich ihn noch könn, zum ewgen Feuers-

Da er die Liebe sey, ob er gleich Böß, verdammen.

Er denkt der Heiland sei, ja für die ganze Welt,

Als ein Erlöser auch für ihm mit dargestellt;

Und darum sey er frei von seiner Schuld der Sün-

Weil in desselben Blut Bezahlung gnug zu finden.

Doch diese Meinung fällt, so bald man nur erwegt,

Was

So bald man nur bedenkt, daß die Vollkommen-

Gleich herrlich und also nicht mit einander streiten.

Barmherzig ist er stets, doch auch dabei gerecht,

Er liebt den Menschen woll, doch keinen Sünden-

Der seine Güt misbraucht. Die Liebe ist bemühet,

Wie sie die böse Welt, aus dem Verderben ziehet:

Doch die Gerechtigkeit zeigt sich auch bei der Huld,

Und fordert allemahl das Opfer vor die Schuld.

Die Liebe ist bereit, die Sünden zu vergeben,

Doch kan sie dadurch nicht der Rache widerstre-

Die auf das Böse zürnt; bei

Steht die Gerechtigkeit und Lieb im Gleichgewicht.

Der ewge Gnadenbund kan uns dies klärlich wei-

Darin wir seine Güt, die überschwenglich preisen:

Es leuchtet aber auch, wenn uns die Huld erfreut,

Dabei der strenge Bliz von der Gerechtigkeit.

Die Liebe sahe an, mit gnädigen Erbarmen,

Die Sünder und schloß sie in ihrer Güte Armen;

Jedoch mit dem Beding, daß vor die ganze Welt,

Des Höchsten eigner Sohn, der

Sich selbst verbürgete, der hat als Mittler müssen,

An aller Sünder statt, für uns die Straffe büssen.

Hieraus erhellet klar, daß

Der seinen Sohn gestraft, damit wir würden frei,

Doch auch dabei gerecht, weil er ein Opfer fodert,

Da die Gerechtigkeit in Eiferflammen lodert,

Die nicht zu tilgen sind, als durchs vergoßne

Des Mittlers, der dem Zorn vollkommen Gnüge

Wie weislich hat sich hier, da die Erlösung funden,

Lieb und Gerechtigkeit vereiniget, verbunden!

Der Heiland hat erfüllt den ganzen Gnadenrath,

Er stillt des Höchsten Zorn, und daß an unsrer

Er leidet was wir sonst auf ewig solten leiden,

Und sezzet uns dadurch in einen Stand der Freu-

Er hält auch das Gesez, was die Gerechtigkeit,

Von uns mit Recht verlangt, als eine Pflicht ge-

Drum muß ein Sünder hier auf

Doch auch sein Augenmerk beständig dabei drehen

Auf die Gerechtigkeit, die

Die man als unzertrennt, bey seiner Güt erblikt.

Die schöne Harmonie der Vollenkommenheiten,

Ist im Erlösungswerk auch daraus herzuleiten,

Wenn wir noch ferner sehn, was

Der als ein Sündenknecht, mit seiner Freiheit

Er fodert, daß die Welt, wie seine Boten schreiben,

Soll an des Heilands Lehr und sein Verdienst recht

Die Ordnung unsers Heils zeigt uns recht deutlich

Daß man ohn Glauben nicht Vergebung finden

Daß wer die Gnade will, zu seinen Schuzze neh-

Der müsse sich zur Buß nach Christi Lehr beque-

Wer die Vergebung sucht vor seine Sündenschuld,

In Christo nur allein hoft

Der kan beim höchsten Gut dieselbige erlangen,

Als ein gerechter Mensch, mit Christi Blute pran-

Allein der Glaube ist hier nicht ein blosser Schein,

Er muß auch würkend nun im neuen Wandel seyn,

Sonst macht er nicht gerecht. Ein blosses HErre

Macht keinen Sünder frei von den Gewissenspla-

Jhr Sünder denkt daran, die ihr vom Glauben

Daß ihr durch Christum habt, die Sündenschuld

Habt ihr den Heiland recht im Glauben angenom-

So seid ihr auch durch ihn zum neuen Leben kom-

Jhr wünscht gerecht zu seyn, ihr ziehet Christum

Und habt das Sündenkleid doch noch nicht abge-

Jhr denket zwar ganz recht, da er für euch gestor-

So habe er euch auch das ewge Heil erworben.

Allein ihr schliesset falsch, indem ihrs nicht annehmt,

Euch nicht in Christi Joch das sanft und leicht, be-

Daß ihr des Mittlers Gunst und die erworbnen

Die ihr doch nur verwerft, könt im Genusse ha-

Die Güte ist niemahls ohn die Gerechtigkeit,

Und weil ihr das nicht nehmt, was euch die Liebe

Muß die Gerechtigkeit euch nach dem Thun und Tich-

Nach dem Gesezzes Spruch, wie ihrs verdienet,

Und so seid ihr verdammt, wenn ihr gleich stets ge-

Daß

Drum lernet daß

So werdet ihr euch leicht von dieser Meinung

Die euch so sicher macht. Nehmt seine Gnade an,

So wie sie euch von

So könnet ihr sie auch dereinsten dort geniessen,

Denkt daß der Lebenslauf, die Gnadenzeit verfliessen.