Die Himmel-blaue Jris Bey Beerdigung Hn. W. G. hinterlassenen Töchterleins J. R....
Betrübtste Frau wo ihren Thränen
Ein eintzig Anstand ist vergunt
Und ihr mit Angst erfülltes Sehnen
Das Hertze nicht durchaus verwundt;
So blicke sie doch diese Zeilen
Aus ihrem tieffsten Trauren an
Sie sollen trösten wo nicht heilen
Und selbst mit Leid seyn angethan.
Ich geb es zu daß ihrer Schmertzen
Nicht leicht was zuvergleichen ist.
Weil erst die Helffte von dem Hertzen
Sie ihren Ehschatz früh vermist.
Und denn nach zwey verfloßnen Jahren
Jhr eintzig Ebenbild und Pfand
Sieht gleichfals zu den Todten fahren
Und eingescharret in den Sand.
Gedoppelt ist das Ungewitter
So über ihrem Haupt erkracht.
Dtr Creutz-Kelch nur zu voll und bitter
Der ihr anjetzt wird beygebracht.
Bricht doch die unerschrocknen Palmen
Gantz überhäuffte Last entzwey.
Und Ertz und Felsen muß zermalmen
Der wiederholten Stösse Reih.
Jedoch sie kan des Himmels-Schlüssen
Und Satzungen sich nicht entziehn.
Gott wil sie wol bewehret wissen
Jhr Glaubens-Gold sol also glühn.
Zudem sind ihr die Wechsel-Gänge
Der Sterbligkeit gar wol bekand;
Wie alles Fleisches Gütt und Menge
Sey unterthan des Todes Hand.
Jhr Kind trat in der Wäysen Orden
Eh es das Licht der Welt erblickt.
Ist wieder was es vor war worden
Und zu der Mutter Schoß geschickt.
Der Mutter Leib die Schoß der Erde
Gab sie nechst her die nimmt sie an
Und lehret daß dergleichen werde
Mit jedem Sterblichen gethan.