Die Himmel-blaue Jris Bey Beerdigung Hn. W. G. hinterlassenen Töchterleins J. R....

By Heinrich Mühlpfort

Betrübtste Frau wo ihren Thränen

Ein eintzig Anstand ist vergunt

Und ihr mit Angst erfülltes Sehnen

Das Hertze nicht durchaus verwundt;

So blicke sie doch diese Zeilen

Aus ihrem tieffsten Trauren an

Sie sollen trösten wo nicht heilen

Und selbst mit Leid seyn angethan.

Ich geb es zu daß ihrer Schmertzen

Nicht leicht was zuvergleichen ist.

Weil erst die Helffte von dem Hertzen

Sie ihren Ehschatz früh vermist.

Und denn nach zwey verfloßnen Jahren

Jhr eintzig Ebenbild und Pfand

Sieht gleichfals zu den Todten fahren

Und eingescharret in den Sand.

Gedoppelt ist das Ungewitter

So über ihrem Haupt erkracht.

Dtr Creutz-Kelch nur zu voll und bitter

Der ihr anjetzt wird beygebracht.

Bricht doch die unerschrocknen Palmen

Gantz überhäuffte Last entzwey.

Und Ertz und Felsen muß zermalmen

Der wiederholten Stösse Reih.

Jedoch sie kan des Himmels-Schlüssen

Und Satzungen sich nicht entziehn.

Gott wil sie wol bewehret wissen

Jhr Glaubens-Gold sol also glühn.

Zudem sind ihr die Wechsel-Gänge

Der Sterbligkeit gar wol bekand;

Wie alles Fleisches Gütt und Menge

Sey unterthan des Todes Hand.

Jhr Kind trat in der Wäysen Orden

Eh es das Licht der Welt erblickt.

Ist wieder was es vor war worden

Und zu der Mutter Schoß geschickt.

Der Mutter Leib die Schoß der Erde

Gab sie nechst her die nimmt sie an

Und lehret daß dergleichen werde

Mit jedem Sterblichen gethan.