Die Hirsch-Jagd.

By Barthold Heinrich Brockes

Wir sahen Gärten in der Luft wohl eh' in alten Zeiten

prangen;

Allein, wer sah wohl eine Jagd, wie hier, in freyen Lüften

hangen?

Es stürzt der Hirsch, zusammt den Hunden, und dennoch

stürzt er nicht herab,

Er scheint in seinem Sprung zu stutzen, und alle schreckt

ihr nahes Grab.

Die Hunde hangen an den Zähnen, sie suchen ihren Tod

zu fliehn,

Und ihrem Fall, der unvermeidlich, durch reges Dreh’n,

sich zu entzieh'n,

Die Wut ist hier in Furcht verwandelt. Nein, beyde

Leidenschaften scheinen,

Wie wenig sie auch sonst vereinbar, in ihrem Blick, sich

zu vereinen.

Wir können eigentlich bemerken, wie sich zugleich der

Hunde Geist,

In ihren aufgerißnen Augen, sich wütig und auch furcht-

sam weist.

Wie schwehr ist sonst ein Hund, der fällt, recht nach dem

Leben vorzustellen!

Hier sieht man hundert Wendungen in so viel unterschiednen

Fällen.

Es läßt uns diese fremde Wahl von Stellungen, die alle

schön,

Daß

schöpflich, seh'n.