Die höchste Klugheit die selige Todes-Betrachtung Erwogen bey Absterben Hn. G. R...
Der Mensch das klügste Thier und Meister aller Sachē
So das gevierdt Rund der weiten Welt umschleust
Kan sich zum Wunderwerck durch Witz und Tugend
Und was nur Athem hat beherrscht sein kluger Geist.
Er hat nicht nur allein den Schauplatz dieser Erden
In Gräntzen abgesteckt die Felder angebaut
Es haben ihm die Thier’ auch müssen dienstbar werden
Und sein Verstand erlernt’ jedweder Blum und Kraut.
Jhm blieb der Sternen Reyh und Namen unverborgen
Er nahm des Meeres Fluth der Flüsse Quell gewahr
Und endlich must’ er auch für die Verfassung sorgen
Daß er und sein Geschlecht sey sicher in Gefahr.
Den Zwang die Nothdurfft aus Gehorsam und Gesetze
Zwey Seulen drauffberuht gemeine Policey.
Ja er wieß sattsam aus durch seiner Klugheit Schätze
Daß er des Landes Herr der Erden Herrscher sey.
Nun musten mit Vernunfft die ungezähmten Sinnen
Der wüsten Sterbligkeit noch werden ausgeziert
Damit ihr gantzes Thun ihr Leben und Beginnen
Würd’ auff den rechten Zweck des Regiments geführt.
Denn als die Königreich und Völcker sich gebreitet
Der Menschen Mänge wuchs in überhäuffter Zahl
Hat sein erfahrner Witz die Rechte so geleitet
Daß Cron und Scepter stund bey jedes Volckes Wahl.
Wem nun die Würdigkeit des Reiches auffgetragen
Der ging an Treffligkeit und Tugend andern für;
Des Volckes Richter seyn Entschied und Urtheil sagen
Und schlichten was verwirrt dis hieß die höchste Zier.
Und solche Klugheit hat sich weiter ausgestrecket
Biß sie die Monarchie zu vollem Wachstum bracht
Denn ward mit ihr zugleich die Staatssucht ausgehecket
Die ihrer Eitelkeit Abgötter hat gemacht.
Es blieb der alte Spruch: Daß weißlich zu regieren
Die gröste Klugheit sey und wenigen geschenckt.
Alleine wie man ließ sich die Begierden führen
Hat an die Stats-Kunst sich der Laster Schaar gehenckt.
So daß man jetzt nicht weiß ob Thorheit und Gelucke
Für Weißheit und Verstand zu unterscheiden seyn.
Wenn diß nun so bestallt der Klugheit meistes Stücke
So geht die Klugheit auch in Wissenschafften ein.
Das Auge sicht nicht satt das Ohr kan nicht satt hören
Der Mund redt niemals aus des schreibens ist kein Ziel
Sehn wir ins Alterthum und dessen kluge Lehren
Was heissen sie bey uns? Der Sinnen Gauckel-Spiel.
Wo sind des Griechenlands berühmte Schulen blieben?
Die Stoa liegt verwüst und Epictet verstummt
Der Garten ist nur Grauß wo Cicero geschrieben
In ewig schweigen hat Pithagor sich vermummt.
Selbst Plato weiß nicht viel wenn er wil alles wissen
Und was man heute lobt wird morgen offt verlacht.
Was sollen wir denn nun von unsrer Klugheit schliessen
Die uns für GOttes Thron zu nichts als Thoren macht?
Mit recht rufft Salomo: Es ist nur eitel Jammer
So weit das lichte Rad der göldnen Sonnen geht
Angst Grämen Leid und Qual nagt unsers Hertzens Kammer
Daß es zu Tag als Nacht in keiner Ruhe steht.
Auch den so hochberühmt muß man zum Todten zehlen
Den klug- und thörichten scharrt man in einen Sand.
Wir werden wol gewiß des rechten Weges fehlen
Wo wir auf Lust und Pracht nur baun der Wolfahrt Stand.
Aus einem andern Geist und Andacht angetrieben
Schreyt ein recht gläubig Hertz das gleich der Taube girrt.
Was dort des Höchsten Hand im Psalm uns vorgeschrieben:
Herr damit ja mein Fuß in dieser Welt nicht irrt
So lehr uns daß wirs wol ohn unterlaß bedencken
Daß Zeit und Stunde da und daß man sterben muß.
Diß Dencken wird uns auch die rechte Klugheit schencken
Und zu der Seeligkeit den wolgegründten Schluß.
Denn was ist doch der Mensch vom Weib ans Licht gebohren?
Der Funcken unsrer Red ach wie bald lischt er aus!
Wie bald ists schnauben nicht als wie ein Rauch verlohren!
Wie flattert nicht der Geist aus unsers Leibes Haus!
Welch Aberwitz wil nun was ewiges hier hoffen
Wenn er wie Graß verwelckt wie Blumen schrumpffet ein?
Wenn der geplagte Leib steht tausend Martern offen
Des Lebens Tage nur gleich einer Handbreit seyn?
Kein Pfeilder eilet so kein Strom kan so verschiessen
Kein Schatten so vergehn als unsre Flüchtigkeit:
Müh ist das köstlichste so wir allhier geniessen
Und über achzig Jahr steigt keines Menschen Zeit.
So weit war auch
Die Staffeln hatte nun sein müder Fuß berührt
Als ihm das Lebens-Licht gemachsam ist verglommen
Und ihn des Todes Hand zu den verblichnen führt.
Doch wie des HErren Furcht bald bey den ersten Jahren
Sein Anfang ist gewest zur Weißheit und Verstand
So hat er derer Frucht im Alter auch erfahren
Und GOtt sein gantzes Hertz in Demuth zugewand
Desselben Vaterhuld mit tieffstem Danck gepriesen
Der ihn gesättiget mit Leben und Gedeyn
Der auch zu dessen Ehr sich wieder mild erwiesen
Durch Gutthat stets gedacht den Armen zuerfreun
Und diese Klugheit nur die seeligste geschätzet
So uns die Sterbligkeit im Hertz und Sinnen prägt.
Hat in dem grösten Schmertz von GOtt niemals gesetzet
Als der auch wieder heilt die Wunden so er schlägt.
Was wil
Da jetzt ihr Eh-Schatz gleich wie Simeon fährt hin?
Sie muß nur mit Gedult und solchem Trost sich fassen
Daß frommer Christen Tod ein herrlicher Gewinn.
Wir können nicht mehr Ruhm auff dieser Welt erwerben
Mit grösser Wissenschafft und Klugheit seyn geziert
Als wenn wir stündlich nur im HErren lernen sterben;
Diß ist die beste Kunst so uns in Himmel führt.