Die höchste Klugheit die selige Todes-Betrachtung Erwogen bey Absterben Hn. G. R...

By Heinrich Mühlpfort

Der Mensch das klügste Thier und Meister aller Sachē

So das gevierdt Rund der weiten Welt umschleust

Kan sich zum Wunderwerck durch Witz und Tugend

Und was nur Athem hat beherrscht sein kluger Geist.

Er hat nicht nur allein den Schauplatz dieser Erden

In Gräntzen abgesteckt die Felder angebaut

Es haben ihm die Thier’ auch müssen dienstbar werden

Und sein Verstand erlernt’ jedweder Blum und Kraut.

Jhm blieb der Sternen Reyh und Namen unverborgen

Er nahm des Meeres Fluth der Flüsse Quell gewahr

Und endlich must’ er auch für die Verfassung sorgen

Daß er und sein Geschlecht sey sicher in Gefahr.

Den Zwang die Nothdurfft aus Gehorsam und Gesetze

Zwey Seulen drauffberuht gemeine Policey.

Ja er wieß sattsam aus durch seiner Klugheit Schätze

Daß er des Landes Herr der Erden Herrscher sey.

Nun musten mit Vernunfft die ungezähmten Sinnen

Der wüsten Sterbligkeit noch werden ausgeziert

Damit ihr gantzes Thun ihr Leben und Beginnen

Würd’ auff den rechten Zweck des Regiments geführt.

Denn als die Königreich und Völcker sich gebreitet

Der Menschen Mänge wuchs in überhäuffter Zahl

Hat sein erfahrner Witz die Rechte so geleitet

Daß Cron und Scepter stund bey jedes Volckes Wahl.

Wem nun die Würdigkeit des Reiches auffgetragen

Der ging an Treffligkeit und Tugend andern für;

Des Volckes Richter seyn Entschied und Urtheil sagen

Und schlichten was verwirrt dis hieß die höchste Zier.

Und solche Klugheit hat sich weiter ausgestrecket

Biß sie die Monarchie zu vollem Wachstum bracht

Denn ward mit ihr zugleich die Staatssucht ausgehecket

Die ihrer Eitelkeit Abgötter hat gemacht.

Es blieb der alte Spruch: Daß weißlich zu regieren

Die gröste Klugheit sey und wenigen geschenckt.

Alleine wie man ließ sich die Begierden führen

Hat an die Stats-Kunst sich der Laster Schaar gehenckt.

So daß man jetzt nicht weiß ob Thorheit und Gelucke

Für Weißheit und Verstand zu unterscheiden seyn.

Wenn diß nun so bestallt der Klugheit meistes Stücke

So geht die Klugheit auch in Wissenschafften ein.

Das Auge sicht nicht satt das Ohr kan nicht satt hören

Der Mund redt niemals aus des schreibens ist kein Ziel

Sehn wir ins Alterthum und dessen kluge Lehren

Was heissen sie bey uns? Der Sinnen Gauckel-Spiel.

Wo sind des Griechenlands berühmte Schulen blieben?

Die Stoa liegt verwüst und Epictet verstummt

Der Garten ist nur Grauß wo Cicero geschrieben

In ewig schweigen hat Pithagor sich vermummt.

Selbst Plato weiß nicht viel wenn er wil alles wissen

Und was man heute lobt wird morgen offt verlacht.

Was sollen wir denn nun von unsrer Klugheit schliessen

Die uns für GOttes Thron zu nichts als Thoren macht?

Mit recht rufft Salomo: Es ist nur eitel Jammer

So weit das lichte Rad der göldnen Sonnen geht

Angst Grämen Leid und Qual nagt unsers Hertzens Kammer

Daß es zu Tag als Nacht in keiner Ruhe steht.

Auch den so hochberühmt muß man zum Todten zehlen

Den klug- und thörichten scharrt man in einen Sand.

Wir werden wol gewiß des rechten Weges fehlen

Wo wir auf Lust und Pracht nur baun der Wolfahrt Stand.

Aus einem andern Geist und Andacht angetrieben

Schreyt ein recht gläubig Hertz das gleich der Taube girrt.

Was dort des Höchsten Hand im Psalm uns vorgeschrieben:

Herr damit ja mein Fuß in dieser Welt nicht irrt

So lehr uns daß wirs wol ohn unterlaß bedencken

Daß Zeit und Stunde da und daß man sterben muß.

Diß Dencken wird uns auch die rechte Klugheit schencken

Und zu der Seeligkeit den wolgegründten Schluß.

Denn was ist doch der Mensch vom Weib ans Licht gebohren?

Der Funcken unsrer Red ach wie bald lischt er aus!

Wie bald ists schnauben nicht als wie ein Rauch verlohren!

Wie flattert nicht der Geist aus unsers Leibes Haus!

Welch Aberwitz wil nun was ewiges hier hoffen

Wenn er wie Graß verwelckt wie Blumen schrumpffet ein?

Wenn der geplagte Leib steht tausend Martern offen

Des Lebens Tage nur gleich einer Handbreit seyn?

Kein Pfeilder eilet so kein Strom kan so verschiessen

Kein Schatten so vergehn als unsre Flüchtigkeit:

Müh ist das köstlichste so wir allhier geniessen

Und über achzig Jahr steigt keines Menschen Zeit.

So weit war auch

Die Staffeln hatte nun sein müder Fuß berührt

Als ihm das Lebens-Licht gemachsam ist verglommen

Und ihn des Todes Hand zu den verblichnen führt.

Doch wie des HErren Furcht bald bey den ersten Jahren

Sein Anfang ist gewest zur Weißheit und Verstand

So hat er derer Frucht im Alter auch erfahren

Und GOtt sein gantzes Hertz in Demuth zugewand

Desselben Vaterhuld mit tieffstem Danck gepriesen

Der ihn gesättiget mit Leben und Gedeyn

Der auch zu dessen Ehr sich wieder mild erwiesen

Durch Gutthat stets gedacht den Armen zuerfreun

Und diese Klugheit nur die seeligste geschätzet

So uns die Sterbligkeit im Hertz und Sinnen prägt.

Hat in dem grösten Schmertz von GOtt niemals gesetzet

Als der auch wieder heilt die Wunden so er schlägt.

Was wil

Da jetzt ihr Eh-Schatz gleich wie Simeon fährt hin?

Sie muß nur mit Gedult und solchem Trost sich fassen

Daß frommer Christen Tod ein herrlicher Gewinn.

Wir können nicht mehr Ruhm auff dieser Welt erwerben

Mit grösser Wissenschafft und Klugheit seyn geziert

Als wenn wir stündlich nur im HErren lernen sterben;

Diß ist die beste Kunst so uns in Himmel führt.