[Die Hoffnung/ welche sich kan nimmer ruhig wissen]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Die Hoffnung welche sich kan nimmer ruhig wissen

Die ists die unser Hertz in tausend Stücke theilt.

Die Wunden welche sonst Gedult und Zeit verheilt

Hat eitles Hoffen mehr als erstlich auffgerissen.

Im fall nicht Tantalus im Wasser müste stehen

Im fall die Aepffel ihm nicht reichten an den Mund

Da ihm doch Speiß und Tranck zu brauchen nicht vergunt

So würde seiner Qual ein grosser Theil entgehen.

Ihr die ihr Ruhe sucht in schwerer Angst und Leyden

Wie sehr euch auch beschwert die aufferlegte Pein

Im fall ihr mit der Zeit derselben loß wolt seyn

So müsset ihr die Last der eitlen Hoffnung meiden.

Die Hoffnung fremdes Gutt und Ehre zu erlangen

Schickt ein verwegnes Hertz auffs fichtne Wasser-Hauß

Füllt die erzürnte See mit todten Leichen auß.

Die Hoffnung macht das Garn mit reichem Raube prangen.

Der Hoffnung pfleget sich Bellona zu bedienen

Wenn sie das blancke Feld mit Menschen-Blutte nezt:

Im fall die Hoffnung ihr ein langes Ziel gesezt

Soll unbeweget stehn der Bau der Himmel-Bühnen.

Soll Wind und Wetter sich zu ihren Willen schicken

Da das Gesetze doch der Noth ein Eisen bricht.

Drum hoffe wahren Trost nur von der Hoffnung nicht:

Je mehr du diese nährst ie mehr die Last wird drücken.