Die Hölle.
Ich wage mich auch an die Schwellen,
Des finstern Marterreichs der Höllen,
Und werde einen Pful gewahr
Worin gleichsam ein Schweffel stin-
O! weh dem, der dahin versinket
Zur unglüklich verdammten Schaar.
Mein Geist erschrikt schon an der Pforte,
Vor diesem tief verdekten Orte,
Wo weder Licht noch Sonne scheint,
Ein grauser Nebel schwarzer Schatten,
Wobei sich Furcht und Elend gatten,
Ist hier mit Finsterniß vereint.
Ein Abgrund wo die Bosheit zittert,
Und die Verzweiflung rast und wittert,
In fürchterlicher Dunkelheit,
Läst mir zuerst die Teufel sehen,
Die hier empfinden alle Wehen,
Der Grenzenlosen Ewigkeit.
Was vor ein Dampf und geistisch Bla- sen?
Entsteht aus greulich bangen Rasen
Der Geister, die von
O! weh! was vor ein knirschend Zagen,
Mir deucht, das sind die Höllen Plagen,
Worinn das Heer der Teufel brennt.
Was schwärmet dort in trüben Win- kel?
Betriegt mich nicht ein falscher Dünkel;
So ist es der verdammten Zahl,
Die nach der Art der finstren Eulen,
Erbärmlich winseln, klagen, heulen,
Ob der empfundnen Seelen Qual.
Hie ist ein wütend grauser Lermen,
Und wer erregt dies bange Schwermen?
Mir deucht, ich hör es aus den Thon,
Es sind die Spötter, die da schmählen,
Und sich, wie sie verlacht, erzählen
Was kommt dort vor ein wilder Haufen,
Verwirrt und winselnd hergelauffen?
Der gleich den wilden Thieren schäumt?
Ich seh, es sind die falschen Christen,
Die bei der Herrschaft eitler Lüsten,
Stets voller Hofnung nur geträumt.
Da ist die Rotte die verdammet,
Weil sie in wilden Feur geflammet,
Die Kreuzzigung der Lust gehaßt;
Die Geilheit die vor Wildheit lodert,
Hat die die nasse Tropfen fordert,
Die Trunkenheit noch angefaßt.
Sie fluchen den genoßnen Freuden,
Und wünschen sich dennoch zu weiden,
In dem verdammten Sündenwust;
Ein sonst vergnügtes Angedenken,
Muß sie mit bittren Nachschmak kränken.
Wie gallicht schmekt nun ihre Lust?
Hie kommt der Stolz vom Schmerz ge- bükket,
Die Hochmut, die die Erd beglükket,
Und schreien Zeter, Ach und Weh
Verzweifflung, Drohen, Poltern, Klagen,
Ein innrer Harm zeugt von den Plagen,
Der Schweffelvollen Marter-See.
Wer sind die, welche dorten brum- men,
Als wenn hie die Goldkäfer summen;
Es sind die Geizzigen der Welt,
Die
Nach güldnen Gözzen nur getrachtet,
Sie schreien stets: Verfluchtes Geld.
Was vor ein Hauffe der dort girret,
Und sich in Unruh ganz verwirret,
In Feuer liegt und nicht zerschmelzt?
Es sind die, welche auf der Erden,
Noth, Elend, Kummer und Beschwerden,
Nicht von dem Nächsten abgewelzt.
Die Unbarmherzigkeit und Rache,
Hält gleichsam um dieselben Wache;
Das straffende Vergeltungs-Recht,
Das zükt das Schwerd und läst das Fle-
Der Armen über sie ergehen,
Die sie gedrükt, noch mehr geschwächt.
Hilf Himmel! welche Schrekkensstim- men,
Von Zungen, die wie Feuer glimmen,
Erschallen noch in dieser Kluft.
Mir deucht das hier der Meineid fluchet,
Der noch vergeblich Ausflucht suchet,
In dieser Martervollen Gruft.
Sie hat bei sich die mit der Zungen,
Als wie mit einem Schwerd gerungen,
Verläumder, Lästrer und das Heer
Der Neider, Lügner die mit Schlangen,
Als wilde Furien behangen:
Die alle sind im Schweffel-Meer.
Sie schreien schröklich allzusammen,
Wir leiden Pein in diesen Flammen,
Die
O! laßt euch doch von euren Sünden
Noch in der Gnadenzeit entbinden,
Denn dorten ist es viel zu spat.