Die in beständiger Gedult erseufftzete Todtes- Stunde Herrn C. G. des R. den 24....

By Heinrich Mühlpfort

So hat nun die Gedult Herr Grundmanns über- wunden

In welcher er den Grund des Glaubens hat gelegt:

So brechen nunmehr an die höchst- erwünschte Stun-

Daß man den müden Leib zu seiner Ruhe trägt.

Er wuste daß er nur im Staube war gegründet

Und daß sein leimen Haus nicht ewig könte stehn.

Drumb rieff er von der Glut des Himmels angezündet:

Herr laß doch deinen Knecht aus diesem Kercker gehn!

Je mehr der Schmertzen Qual den siechen Leib umbgeben

Je feuriger sein Geist den Sternen sich genaht

Und da kein Mittel mehr die Kranckheit zuerheben

Floh’ er zu seinem GOtt als Vater Artzt und Rath.

Des muden Alters Last die abgeschwächten Glieder

Die Adern ohne Safft die trockene Gebein’

Und gantz entkräffte Krafft rieß nie den Glauben nieder

Der mitten in der Noth must Uberwinder seyn.

Die edle Palme wird von keiner Bürde sincken

Jhr grüner Gipfel steigt anmutiger empor.

Ein Fels und muß er gleich den Schaum deß Meeres trincken

Weist dennoch unbewegt sein steinern Haupt hervor.

Mit solcher Palmen Art und Felsen-gleichem Muthe

War in dem grimmen Schmertz

Er küste mit Gedult des Höchsten Zucht und Ruthe

Die seiner Lieb und Treu ein kundbar Zeichen ist.

Der vielen Jahre Lauff und Wechselgang der Zeiten

Hatt’ ihn schon längst belehrt was lange leben sey.

Nichts als ein langer Kampff mit Fleisch und Blut zu streiten.

Und seine Herrligkeit ein albre Gauckeley.

Er sah’ auch daß er hier auf nichts sich konte gründen

Der Gliederbau zerfällt der Ehre Licht verglimmt

Die Güter deß Gelücks sind weiter nicht als Binden

Worinn der Geist verwirrt fast zu sich selbst nicht kömmt.

Und wenn wir alles diß zum Uberfluß besitzen

Macht uns die Menge nicht bey solchem Reichthum arm?

Indem wir sind bemüht es offt und viel zu nützen

Verzehrt den meisten Theil Zeit Zufall Furcht und Harm.

Diß hat

Und

Der vor der Menschen Heil die Menschheit angezogen

Und durch sein heilig Blut von Sünden uns gefegt.

Dem gab er sich anheim bey noch gesunden Tagen

Als Beystand in dem Creutz und Helffern in der Noth;

Den hat er jederzeit im Hertz und Mund getragen

Mit seinem Namen ihm verzuckert Schmertz und Tod.

Und ob durch Gottes Huld das Glück ihn angelachet

Und Segen aus der Höh das gantze Haus erfreut;

Sein frommer Wandel ihn deß Rathes werth gemachet

Als der der Tugend nur und Erbarkeit geweyht;

Der Liebsten treue Sorg’ und Wartung ihn vergnüget

So Kind als Kindes Kind der Jahre Schnee erquickt

Mit zarter Lust und Schertz sein Alter eingewie get

Und durch viel Anmuth ihn der Traurigkeit entrückt:

So merckt und spürt’ er doch bey dem beglückten Leben

Und Segen-vollen Eh’ den Hingang auß der Welt;

Hat seinen Willen bloß dem Schöpffer untergeben

Sein Hoffen und Vertraun auf dessen Schluß gestellt.

Er sprach: Mein JEsu komm! du weist ja Zeit und Stunde

Du weist es nur allein wenn es am besten ist:

Ich habe dich erwehlt zu meinem Glaubens-Grunde

Ich habe dich zum Weg und Führer außerkiest.

Ich seh ja das Gebäu der mürben Glieder fallen

Die Seulen zittern schon auff die der Leib gestützt

Und die gelähmte Zung entdecket nichts als lallen

Indem der Augen-Stern von keinen Strahlen blitzt.

Und meiner Tage Zahl ist längst schon aufgeschrieben

Du hast in Mutterleib O

Ich weiß gewiß daß auch den jenen die dich lieben

Der Tod die Thür und Thor zur Ewigkeit aufmacht.

Mein Siechbett ist es gleich voll Dörner voller Hecken

Auß diesem sollen mir die Rosen Knospen blühn.

Nach solcher herben Angst will ich das Manna schmecken

Und für den Sünden-Rock ein weisses Kleid anziehn.

Ich habe satt gelebt GOtt Welt Stadt und den Meinen

Deckt das was Erde war mit Erde wieder zu.

Der Tag da JEsus will zu seinem Creutz erscheinen

Bringt mich O Tag voll Heils! Zu der gewünschten Ruh.

Er sang als wie ein Schwan der an Caysters Rande

Den silber-reinen Leib ins grüne Graß hinstreckt

Und durch sein süsses Lied mitleiden in dem Strande

Und von den Najaden Liebs Thränen noch erweckt.

Betrübtste solten nicht auch eure Thränen rinnen?

Nun

Nun der vor

Und eures Hauses Ruhm und Pfeiler wird zerschellt.

Allein es ist sein Grab mit Zähren nicht zu plagen

Und nasse Wehmuth dient erblasten Leichen nicht;

Wohl! Daß ein jeder weiß diß Lob ihm nachzusagen:

Es blüth bey gantzer Stadt sein ehrliches Gerücht.

Er ist ja Lebens satt und Ehren-voll verschieden

Lebt in der Liebsten Hertz und in den Kindern noch.

Wenn wir mit Furcht und Angst das Leben satt ermüden

Zeucht doch ein gleicher Tod uns in sein eisern Joch.

Ach seelig wer dem Grund der eitlen Welt nicht trauet

Den ein betrüglich Sand und schlipffrig Schlam bedeckt!

Ach seelig wer allein auff diesen Eckstein bauet

Der uns der Ewigkeit begräntztes Ziel außsteckt!

Den wie den

Und der wie Gottes Volck den Segen mit sich trägt:

Ich babe Grundman dich Saffiren eingegründet

Es ist dein Leichen-Stein mit Zierath eingelegt.