Die in beständiger Gedult erseufftzete Todtes- Stunde Herrn C. G. des R. den 24....
So hat nun die Gedult Herr Grundmanns über- wunden
In welcher er den Grund des Glaubens hat gelegt:
So brechen nunmehr an die höchst- erwünschte Stun-
Daß man den müden Leib zu seiner Ruhe trägt.
Er wuste daß er nur im Staube war gegründet
Und daß sein leimen Haus nicht ewig könte stehn.
Drumb rieff er von der Glut des Himmels angezündet:
Herr laß doch deinen Knecht aus diesem Kercker gehn!
Je mehr der Schmertzen Qual den siechen Leib umbgeben
Je feuriger sein Geist den Sternen sich genaht
Und da kein Mittel mehr die Kranckheit zuerheben
Floh’ er zu seinem GOtt als Vater Artzt und Rath.
Des muden Alters Last die abgeschwächten Glieder
Die Adern ohne Safft die trockene Gebein’
Und gantz entkräffte Krafft rieß nie den Glauben nieder
Der mitten in der Noth must Uberwinder seyn.
Die edle Palme wird von keiner Bürde sincken
Jhr grüner Gipfel steigt anmutiger empor.
Ein Fels und muß er gleich den Schaum deß Meeres trincken
Weist dennoch unbewegt sein steinern Haupt hervor.
Mit solcher Palmen Art und Felsen-gleichem Muthe
War in dem grimmen Schmertz
Er küste mit Gedult des Höchsten Zucht und Ruthe
Die seiner Lieb und Treu ein kundbar Zeichen ist.
Der vielen Jahre Lauff und Wechselgang der Zeiten
Hatt’ ihn schon längst belehrt was lange leben sey.
Nichts als ein langer Kampff mit Fleisch und Blut zu streiten.
Und seine Herrligkeit ein albre Gauckeley.
Er sah’ auch daß er hier auf nichts sich konte gründen
Der Gliederbau zerfällt der Ehre Licht verglimmt
Die Güter deß Gelücks sind weiter nicht als Binden
Worinn der Geist verwirrt fast zu sich selbst nicht kömmt.
Und wenn wir alles diß zum Uberfluß besitzen
Macht uns die Menge nicht bey solchem Reichthum arm?
Indem wir sind bemüht es offt und viel zu nützen
Verzehrt den meisten Theil Zeit Zufall Furcht und Harm.
Diß hat
Und
Der vor der Menschen Heil die Menschheit angezogen
Und durch sein heilig Blut von Sünden uns gefegt.
Dem gab er sich anheim bey noch gesunden Tagen
Als Beystand in dem Creutz und Helffern in der Noth;
Den hat er jederzeit im Hertz und Mund getragen
Mit seinem Namen ihm verzuckert Schmertz und Tod.
Und ob durch Gottes Huld das Glück ihn angelachet
Und Segen aus der Höh das gantze Haus erfreut;
Sein frommer Wandel ihn deß Rathes werth gemachet
Als der der Tugend nur und Erbarkeit geweyht;
Der Liebsten treue Sorg’ und Wartung ihn vergnüget
So Kind als Kindes Kind der Jahre Schnee erquickt
Mit zarter Lust und Schertz sein Alter eingewie get
Und durch viel Anmuth ihn der Traurigkeit entrückt:
So merckt und spürt’ er doch bey dem beglückten Leben
Und Segen-vollen Eh’ den Hingang auß der Welt;
Hat seinen Willen bloß dem Schöpffer untergeben
Sein Hoffen und Vertraun auf dessen Schluß gestellt.
Er sprach: Mein JEsu komm! du weist ja Zeit und Stunde
Du weist es nur allein wenn es am besten ist:
Ich habe dich erwehlt zu meinem Glaubens-Grunde
Ich habe dich zum Weg und Führer außerkiest.
Ich seh ja das Gebäu der mürben Glieder fallen
Die Seulen zittern schon auff die der Leib gestützt
Und die gelähmte Zung entdecket nichts als lallen
Indem der Augen-Stern von keinen Strahlen blitzt.
Und meiner Tage Zahl ist längst schon aufgeschrieben
Du hast in Mutterleib O
Ich weiß gewiß daß auch den jenen die dich lieben
Der Tod die Thür und Thor zur Ewigkeit aufmacht.
Mein Siechbett ist es gleich voll Dörner voller Hecken
Auß diesem sollen mir die Rosen Knospen blühn.
Nach solcher herben Angst will ich das Manna schmecken
Und für den Sünden-Rock ein weisses Kleid anziehn.
Ich habe satt gelebt GOtt Welt Stadt und den Meinen
Deckt das was Erde war mit Erde wieder zu.
Der Tag da JEsus will zu seinem Creutz erscheinen
Bringt mich O Tag voll Heils! Zu der gewünschten Ruh.
Er sang als wie ein Schwan der an Caysters Rande
Den silber-reinen Leib ins grüne Graß hinstreckt
Und durch sein süsses Lied mitleiden in dem Strande
Und von den Najaden Liebs Thränen noch erweckt.
Betrübtste solten nicht auch eure Thränen rinnen?
Nun
Nun der vor
Und eures Hauses Ruhm und Pfeiler wird zerschellt.
Allein es ist sein Grab mit Zähren nicht zu plagen
Und nasse Wehmuth dient erblasten Leichen nicht;
Wohl! Daß ein jeder weiß diß Lob ihm nachzusagen:
Es blüth bey gantzer Stadt sein ehrliches Gerücht.
Er ist ja Lebens satt und Ehren-voll verschieden
Lebt in der Liebsten Hertz und in den Kindern noch.
Wenn wir mit Furcht und Angst das Leben satt ermüden
Zeucht doch ein gleicher Tod uns in sein eisern Joch.
Ach seelig wer dem Grund der eitlen Welt nicht trauet
Den ein betrüglich Sand und schlipffrig Schlam bedeckt!
Ach seelig wer allein auff diesen Eckstein bauet
Der uns der Ewigkeit begräntztes Ziel außsteckt!
Den wie den
Und der wie Gottes Volck den Segen mit sich trägt:
Ich babe Grundman dich Saffiren eingegründet
Es ist dein Leichen-Stein mit Zierath eingelegt.