Die, in göttlichen Werken, in GOTT vergnügte Seele.
Durchs Auge sieht mein Geist die Welt, und freut sich ihrer
Pracht und Zier;
Allein der Geist sieht weiter noch: Er siehet Dich, mein GOtt,
in ihr.
Es zeigt auf Erden und am Himmel der Sonnen Glanz sich
nicht so klar;
Die Ordnung macht dein göttlich Daseyn viel deutlicher
noch offenbar.
Er faßt, daß nichts sich selber bilden, und sich in Ordnung
setzen kann.
Zeigt denn die Bildung aller Dinge nicht Einen, Der sie
bildet, an?
Was je der menschliche Verstand ersonnen und hervorge-
bracht,
Ist nichts, bringt man es in Vergleichung mit dem, was die
Natur gemacht.
Ein jeder Baum, ein’ jede Bluhme kann allem Witz der
Menschen zeigen,
Wie sehr die Werke der Natur die Kunst der Menschen
übersteigen.
Was klüger nun, als dein Verstand, von dem kann dein
Verstand nicht denken,
Daß es von ohngefehr, ohn’ Absicht, sich in so richt’ge
Ordnung lenken,
Und, ohne Weisheit, bilden soll; wo je ein Widerspruch kann
seyn,
So schlöß ein solcher falscher Satz ihn, folglich was unmög-
lichs, ein.
Hiewider ist nichts einzuwenden, als daß dein Aug’ Jhn nicht
erblickt.
Allein ist denn dein Auge Richter? Ist seine Kraft doch nicht
geschickt,
Die Luft, die ganz unleugbar da, und die ein Cörper ist, zu
sehen.
Wie kann, im cörperlichen Spiegel, man sich mit Recht
wohl unterstehen,
Das Wesen eines Geist’s zu schauen? Wann nun ein Geist
nicht sichtbar ist,
Wie daß dein cörperliches Wesen, o Mensch! sich denn so sehr
vergißt!
Du willt die Gottheit anders seh’n, als in den dir gezeigten
Werken,
Worinn doch Weisheit, Liebe, Macht, die GOttes Wesen,
klar zu merken.
Die Sonne zeiget ihre Strahlen, und ihr die Welt verschö-
nernd Licht
Des Cörpers Augen überall so sichtbar und so deutlich nicht,
Als GOttes wunderbare Werk’ Sein unleugbares Wesen
weisen.
Wer wollte denn, in ihrer Schönheit, sich Sein nicht freuen,
Jhn nicht preisen?
Komm, laß uns denn, in froher Andacht, Jhn nach Vermö-
gen zu erhöh'n,
Aufs neu’, aus seinen schönen Werken, Sein’ Allmacht, Lieb
und Weisheit, seh'n!