Die in ihrem GOtt höchst-seelig verschie- dene, und von ihrem grossen gemahl höc...
Jhr Musen! die ihr mich, der Preussen held zu singen,
Offt glücklich angefeurt, helfft meine feder zwingen,
Und führt sie von der höh’, nach der ich lüstern bin,
Von Friedrichs sieges-bahn zu seinen thränen hin!
Sein unerschöpffter muth ist weit genung erklungen,
Seit dem ihm noth und recht die waffen abgedrungen.
Dem Frantze schüttert noch die kaum erlauffue haut,
Wenn er auf Schwabens feld betrübt zurücke schaut,
Und an den tag gedenckt, da Ludwigs grosse thaten
Mit schrecken in die macht der finsterniß gerathen,
Und auf einmahl verlescht. Was Preussen da gethan,
Das zeigen, schweig ich gleich, viel andre besser an.
Dißmahl betracht ich nicht, wie unser könig blitzet,
Wann ihn der feinde trotz, der freunde schmach erhitzet;
Nein! sondern, wie er selbst halb todt darnieder liegt;
Und dennoch über tod und auch sich selbsten siegt.
Charlott’, ach! kan ich auch diß grosse wort noch sprechen?
Charlotte ist erblaßt: und unsre augen brechen
Zugleich für kalter angst. Wir sehen nichts, als nacht:
Und gleichwohl sehen wir Europens zierd’ und pracht,
Des grösten helden lust, der damen preiß und erone,
Das mütterliche haupt von einem königs-sohne,
Minervens ebenbild, der keuschen liebe sitz,
Und alles, was jemahls natur, verstand und witz
Nur herrliches gezeugt, nur schönes kan erdencken,
Ins haus, ins schwartze haus der bleichen schaar versencken.
Ach! leider! allzuviel! zuviel auf einen schlag!
Wer ist, ber unsern schmertz nur halb ergründen mag!
Und wer, der recht beschreibt, was unser könig fühlet?
Wie dort, Euridice! dein Orpheus gespielet,
Wenn er des morgens schon mit seiner zitter klang:
Wenn er des abends noch von deiner liebe sang;
So sieht man Friedrichen sich um Charlotten quälen:
So hört man seinen mund ihr reiches lob erzehlen.
Ist, spricht er, in der welt auch was Charlotten gleich?
An ihr allein hätt’ ich ein gantzes königreich.
Jhr auge war geschickt, auch feinden zu gefallen:
Jhr holder mund ein sitz von tausend nachtigallen;
Und dennoch stirbet sie: Und dennoch muß ich thun,
Was ich von ihr gehofft, wenn ich einst würde ruhn.
Ists möglich? Hier verschmacht das wort ihm auf den lippen:
Er ächtzt, er stehnet nur. Wie wenn an harten klippen
Ein starckes schiff anstößt, und zwar nicht gantz zerschellt;
Doch aber mit gewalt ins meer zurücke prellt:
Alsdenn der steuer-mann die müde hand läßt sincken,
Das ende seiner pein, den bitt:rn tod zu trincken:
So scheinet es auch hier. Allein, ich sag: es scheint;
Denn da der grosse fürst für angst zu sterben meint,
So kommt die schnelle post: Turin muß unterliegen,
Wo Friedrichs trouppen ihm nicht gleich zu hülffe fliegen.
Alsbald ermuntert sich sein halb-erloschner geist:
Der held wacht wieder auf. Er hört, er winckt, er weist,
Und endlich bricht er los: Was? Will mein kranckes stehnen,
Da man um ehre kämpfft, mich an den schlaf gewöhnen,
Und Franckreich dienste thun? Nein! nein! des reiches flor
Geht leichen, geht verlust, geht meinem schmertzen vor.
Eilt! helden! die wir längst zu dieser that erwehlet!
Theilt so viel wunden aus, als man hie seufftzer zehlet!
Ich lege meinen schatz und viel mit ihr ins grab,
Wischt durch der feinde schimpff mir meine thränen ab!
Charlotte fordert es. Charlotte, die gelebet,
Jtzt todt ist, aber doch in euren hertzen schwebet.
Gesagt; und auch geschehn. Die trouppen eilen fort,
Ich seh’ von ferne schon den überwindungs-ort.
Jhr tichter! sinnet nur auf neue jubel-lieder!
Savoyen ist erlöst, und Preussen jauchtzet wieder.
Mein könig! dieses ist, was ich schon offt gesagt,
Daß nur ein Titus war, der jedermann behagt,
Und nur ein Friedrich lebt, den alle welt itzt liebet.
Man schau dich, wie man will, froh oder auch betrübet;
So bist du allzeit groß. Ein ander weint ja wohl;
Allein er weiß alsdenn nicht, wie er herrschen soll.
Du weinst und herrschest auch: Und beyderley geschiehet
Von dir mit solcher art, als man von keinem siehet,
Der doch nur eines thut. Der könig strahlt und bricht
Aus allen thaten vor: Und wer ist, der ihn nicht
Bey deiner trauer findt? Charlotte hatte gaben,
Die wenig eintzeln kaum, die meisten gar nicht haben:
Allein du führst sie auch mit solcher pracht dahin,
Herr! als begrübest du der erden königin.
Sie war allein geschickt, dein auge zu ergetzen:
Du bist allein geschickt, sie in die grufft zu setzen.
Jedoch, was sag ich grufft? Du bist allein geschickt
Zu überwinden, held! was andre niederdrückt.
Viel würden, hätten sie nur halb so viel besessen,
Bey solcher änderung pflicht und sich selbst vergessen;
Du bleibst stets, der du bist: Und da dein hertze sich
Kaum für betrübniß kennt, gehst du doch ordentlich
In allem deinen thun, und läßt ein grabmahl bauen,
Bey dessen glantze man dich und zugleich kan schauen,
Wieviel du, herr! begräbst. Eh’ dieses kaum gethan,
So legt dein eyfer schon ein hauß der tugend an:
Und zwar hier in Berlin, wo man nun alles lernet,
Was unsern adel sonst reich nach Pariß entfernet,
Und arm zurücke schickt: Ja, wo an dir allein,
Held! mehr zu lernen ist, als alle künste seyn.
Fürwahr das rechte maas in lieb und leid zu finden,
Jm felde schrecklich seyn, academien gründen,
Sind dinge, die wohl nie auf einen tag geschehn.
Und hier geschehn sie doch. Wir können nicht mehr sehn,
Was nicht auch seltsam ist, und andern, die es hören,
Als eine fabel klingt. Stadt, land und reich vermehren,
Und nachbarn hülffe thun, ist viel; nicht aber hier:
Europa hoffet noch was grösseres von dir.
Und ach! was solte man von deiner hand nicht hoffen,
Da, was kein mensch gehofft, so herrlich eingetroffen?
Wie glücklich sind wir denn, da uns der himmel schlägt,
Daß er die gröste last auf deine schulter legt,
Die mehr vermag, als wir! Daß er den theil genommen,
Der zu verliehren uns zwar schmertzlich angekommen;
Doch dir am schwersten fällt! Er straft uns ja wohl sehr;
Doch stund in seiner hand noch mehr, und zehnmahl
mehr.
Denn hätt’ er deinen printz, hätt’ er ihm dich erkohren,
Hilff GOtt! was hätten wir, was kirch und schul verlohren!
So leidest du mit uns, was wir allein verschuldt:
Du leidest mehr, als wir; doch alles mit geduld.
Ja, wenn ichs sagen soll, du thust es fast mit freuden,
Damit dein land nur nicht was mehrers dürffe leiden.
O ungemeiner held! wer will sich unterstehn,
Mit dir das sitten-feld des trostes durchzugehn?
Quillt die geduld aus GOtt, wie sie wahrhafftig quillet;
So sieht man ja genug, womit dein hertz erfüllet,
Und überschüttet ist. Der jammer, der dich beugt,
Ist nur ein spiegel, herr! der deine grösse zeigt.
Denn wer bewundert nicht das, was du jüngst gesprochen?
Mein cron-printz, war dein wort, entschloß vor wenig wochen,
Nach Engelland zu gehn. Doch seht! er läst es seyn:
Und seine mutter zieht ins land der engel ein.
Genug zu deiner ruh! gnug zu Charlottens ehre!
Dein hertz hat obgesiegt durch diese glaubens-lehre.
Ich selber werd entrückt, und weiß nicht, wo ich bin,
Ich sehe noch einmahl die grosse königin.
Ich seh die majestät, die nie ein kind betrübte:
Ich seh’ den hohen geist, der doch die demuth liebte:
Die süsse freundlichkeit, die alle welt durchdrang;
Mehr aber, held! an dir, als aller welt, bezwang:
Ich seh; allein weit mehr, als ich vor dem erblicket:
Jhr kleid ist um und um mit sternen ausgeschmücket:
Jhr wohl-seyn lauter licht, und ein, ich weiß nicht, was,
Das Paulus zwar gehört, bald aber auch vergaß.
Aus dieser herrlichkeit, zu der man uns muß treiben,
Rufft sie mir gütig zu; Schreib, wenn du ja wilst schreiben:
Hier liegt Charlottens leib, an dem sie nichts ergetzt,
Als daß ihn Friderich der liebe werth geschatzt.
Der geist herrscht allbereit auf einem höhern throne;
Doch, wilst du ihn noch sehn, so such ihn in dem sohne!