Die in nerlichen kriege der Jungfern bey der Br. und Fr. Hochzeit. Der Braut Bru...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Bekenn es liebstes kind ist in den Jungfern-hertzen

(die schwester kan es ja dem bruder wohl gestehn )

Nicht lauter krieg und streit von viel verborgnen schmertzen

Wo die gedancken stets erhitzt zu felde gehn?

Von aussen könnt ihr zwar als friedens-engel scheinen

Wie langsam rühret ihr mund auge fuß und hand?

Nicht gerne regt ihr euch nur daß wir sollen meynen

Es sey nichts anders euch als fried und ruh bekannt.

Jhr rühmet nur ein still und Gott-gelaßnes leben

Jhr sucht das paradieß in banger einsamkeit

Und wollt daß wir noch itzt den Römern beyfall geben

Der friede habe sich in Nymphen eingekleidt.

Allein wir kennen auch die Pallas und Bellonen

Die man als weiber einst den kriegen vorgesetzt;

Wir wissen wie vorhin die tapfern Amazonen

So manch geruhig volck mit spieß und schwerdt verletzt.

Euch zwar wird kein solch hertz itzt ferner zugetrauet

Denn wenn ihr offtmahls nur ein rostiges geschoß

Das ungeladen ist in einem zimmer schauet

So laufft ihr noch so weit aus furcht es gehe loß.

Ein schatten weiß euch schon mit tausend furcht zu drücken

Das riesen dünckt euch offt ein feld-geschrey zu seyn.

Jhr sprecht wenn etwas schallt: das war ein schuß aus stücken

Und wenn ein blat sich regt: itzt fällt der himmel ein.

Vor mäusen flieht ihr ja gleich als vor wilden bären

Jhr könnt so wenig blitz als blancke degen sehn.

Soldaten scheuet ihr als wenn es teufel wären

Erblickt ihr menschen-blut so ists umb euch geschehn.

Jedoch so wenig ihr mit händen kriege führet

So häuffig habet ihr im hertzen kampff und streit

Indem euch innerlich die unruh heftig rühret

Ob ihr von aussen schon als Quietisten seyd.

Ein liebes mannsbild darf euch nur vor augen kommen

So klopfft das hertze schon und schläget lärmen an

Die seuffzer blasen sturm die brust wird eingenommen

Und fühlet was der brand entzündter seelen kan.

Hier streitet lieb und haß dort kämpffet furcht und hoffen:

Die lust will einen kuß die scham läst keinen zu

Die zucht verschliest das hertz die liebe macht es offen

Jhr schlaft als wie zur zeit des krieges ohne ruh.

Nun Schwester zeige mir daß ich hier nichts erdichte

Sprich: mir war selber so mit meinem Bräutigam

Als mir sein werther stand und schönheit ins gesichte

Und sein gelehrter witz in die gedancken kam.

Ich ward in einen streit itzt hin itzt her gerissen.

Bald sprach mein blöder mund zu seinem bitten: nein

Bald aber wieder: ja. Ich konte nichts entschlüssen

Und schien wol dazumal nicht Friedrichin zu seyn.

Wohlan! bekenne nur ich lobe deine treue

Die Jungfern gehn ohndem dich künfftig nicht mehr an.

Schreib statt der antwort mir daß dich mein reim erfreue

Weil ich dem Nymphen-volck damit ihr recht gethan.

Indeß geneuß nunmehr die edlen friedens-früchte

Und nimm nach kampf und streit die sieges-eronen hin.

Der tag der heute scheint mit angenehmen lichte

Bringt vor dem hertzens-krieg die ruhe zum gewinn.

Doch wo ihr diese nacht noch miteinander krieget

So sol (geht diesen schluß vor allen dingen ein )

Das überwundne theil das etwan untenlieget

Stets jährlichen tribut dem andern schuldig seyn.