Die jungfern-noth bey dem Frantz- und Hallmannischen Hochzeit-Feste erwogen von ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Das unglückseeligste geschlechte dieser welt

Der auszug aller noth der sammel-platz der schmertzen

Wo kummer und verdruß die stete hof-stadt hält

Seyd ihr wie mich bedünckt ihr guten jungfern-hertzen.

Der jammer der euch drückt ist nicht zu übersehn

Euch armen kindern muß sonst nichts als alles fehlen

Und wil ich wo es nur vor wehmuth kan geschehn

Hier nur das wenigste von eurer noth erzehlen.

Wie quälet euch der tag! wie martert euch die nacht!

Wie macht die einsamkeit euch doch so unvergnüget

Und wer ein wenig giebt auff eure seuffzer acht

Merckt daß die kranckheit euch in allen gliedern lieget.

Die augen dürffet ihr nicht wie ihr wollet drehn

Und keinen freyen blick nach manns-personen wagen

Gleich fängt die mutter an: Solt du nach kerlen sehn

Du geiles raben-aß dich soll der kuckuck plagen.

Jhr müsset kopff und hals den roß und mäulern gleich

Jm zaum und im gebiß ja im gewichte tragen

Die ohren sind wie taub und ihr erröthet euch

So offt man einen schertz und lustig wort wil sagen.

Fast jede sylbe kehrt bey euch auf schrauben ein.

Die lippen müsset ihr in enge falten fassen

Und daß kein bissen ja zu wichtig möge seyn

Muß offt ein mandel-kern sich viermahl theilen lassen.

Was aber fängt indeß der arme magen an?

Der muß vor erbarkeit so durst als hunger leiden

Es wird kein guter trunck und rechter biß gethan

Wenn ihr nicht erst dabey könnt die gesellschafft meiden.

Das starcke schnüren prest euch lung und leber ein

Und das beklemmte hertz das so viel seuffzer nagen

Als federn offtermahls in eurem bette seyn

Darff einen kaum davon der liebsten schwester klagen.

Die hände füllt man euch mit zwirn und nadeln an

In die ihr lieber euch wünscht einen freund zu schliessen

Und lencket euer fuß sich auss die liebes-bahn

So führt die mutter euch alsbald zum kleppel-küssen.

So ist auch sonst an euch kein glied von schmertzen frey

Und so verbringet ihr gleich siechen eure tage

Und müsset zugestehn die jungfern-plage sey

Noch viel beschwerlicher als wohl die mutter-plage.

Hochwerther bräutigam die schrifft die seine hand

Einst von dem krancken-weh der jungfern hat geschrieben

Hat uns so wohl gelehrt derselben übel-stand

Als mittel angezeigt wodurch er wird vertrieben.

Jtzt schenckt der himmel ihm ein angenehmes kind

Das bald die sieche schaar der Nymphen wird vermissen

Und das sich gegen ihn vor liebe kranck befindt

So wird er es denn auch beglückt zu heilen wissen.

Ich weiß die liebe wird hiebey mit eigner hand

Von viel vergnügungen und tausend lieblichkeiten

Ein labsal welches ihr noch beyde nicht erkannt

Zu eurer stärckung euch verlobten zubereiten.

Wohl ihr beglückte braut daß ihr befreyter fuß

Kan aus dem lazareth der jungfern-schaar entweichen

Und daß ietzt täglich ihr des liebsten süsser kuß

Vor alle böse lufft wird heilungs-mittel reichen.

Mein wunsch den ihr hiebey in wenig zeilen schant

Ist dieser daß euch nichts als schertz und lust vergnüge

Lebt beyde stets gesund doch also daß die braut

Sechs wochen manchmal kranck doch ohne schmertzen liege.