Die jungfern-noth bey dem Frantz- und Hallmannischen Hochzeit-Feste erwogen von ...
Das unglückseeligste geschlechte dieser welt
Der auszug aller noth der sammel-platz der schmertzen
Wo kummer und verdruß die stete hof-stadt hält
Seyd ihr wie mich bedünckt ihr guten jungfern-hertzen.
Der jammer der euch drückt ist nicht zu übersehn
Euch armen kindern muß sonst nichts als alles fehlen
Und wil ich wo es nur vor wehmuth kan geschehn
Hier nur das wenigste von eurer noth erzehlen.
Wie quälet euch der tag! wie martert euch die nacht!
Wie macht die einsamkeit euch doch so unvergnüget
Und wer ein wenig giebt auff eure seuffzer acht
Merckt daß die kranckheit euch in allen gliedern lieget.
Die augen dürffet ihr nicht wie ihr wollet drehn
Und keinen freyen blick nach manns-personen wagen
Gleich fängt die mutter an: Solt du nach kerlen sehn
Du geiles raben-aß dich soll der kuckuck plagen.
Jhr müsset kopff und hals den roß und mäulern gleich
Jm zaum und im gebiß ja im gewichte tragen
Die ohren sind wie taub und ihr erröthet euch
So offt man einen schertz und lustig wort wil sagen.
Fast jede sylbe kehrt bey euch auf schrauben ein.
Die lippen müsset ihr in enge falten fassen
Und daß kein bissen ja zu wichtig möge seyn
Muß offt ein mandel-kern sich viermahl theilen lassen.
Was aber fängt indeß der arme magen an?
Der muß vor erbarkeit so durst als hunger leiden
Es wird kein guter trunck und rechter biß gethan
Wenn ihr nicht erst dabey könnt die gesellschafft meiden.
Das starcke schnüren prest euch lung und leber ein
Und das beklemmte hertz das so viel seuffzer nagen
Als federn offtermahls in eurem bette seyn
Darff einen kaum davon der liebsten schwester klagen.
Die hände füllt man euch mit zwirn und nadeln an
In die ihr lieber euch wünscht einen freund zu schliessen
Und lencket euer fuß sich auss die liebes-bahn
So führt die mutter euch alsbald zum kleppel-küssen.
So ist auch sonst an euch kein glied von schmertzen frey
Und so verbringet ihr gleich siechen eure tage
Und müsset zugestehn die jungfern-plage sey
Noch viel beschwerlicher als wohl die mutter-plage.
Hochwerther bräutigam die schrifft die seine hand
Einst von dem krancken-weh der jungfern hat geschrieben
Hat uns so wohl gelehrt derselben übel-stand
Als mittel angezeigt wodurch er wird vertrieben.
Jtzt schenckt der himmel ihm ein angenehmes kind
Das bald die sieche schaar der Nymphen wird vermissen
Und das sich gegen ihn vor liebe kranck befindt
So wird er es denn auch beglückt zu heilen wissen.
Ich weiß die liebe wird hiebey mit eigner hand
Von viel vergnügungen und tausend lieblichkeiten
Ein labsal welches ihr noch beyde nicht erkannt
Zu eurer stärckung euch verlobten zubereiten.
Wohl ihr beglückte braut daß ihr befreyter fuß
Kan aus dem lazareth der jungfern-schaar entweichen
Und daß ietzt täglich ihr des liebsten süsser kuß
Vor alle böse lufft wird heilungs-mittel reichen.
Mein wunsch den ihr hiebey in wenig zeilen schant
Ist dieser daß euch nichts als schertz und lust vergnüge
Lebt beyde stets gesund doch also daß die braut
Sechs wochen manchmal kranck doch ohne schmertzen liege.