Die keusche Lorbeern dem Grabe J. S. g. S. gewidmet den 18. August. 1680.

By Heinrich Mühlpfort

Jihr keusche Lorbeern ihr die ihr noch nie vermählet

Und immer Jungfern bleibt von unermeßner Zeit

Die seinem Heiligthum Apollo zugezehlet

Mit welchen noch sein Haar und Scheitel wird erfreut;

Umbgebet dieses Grab beschattet itzt die Bahre

Schenckt derer Einsamkeit noch eure grüne Nacht.

Vor stundet ihr ein Schmuck nur in der Götter Haare

Jetzt hat der blasse Tod euch Wermuth gleich gemacht.

Flecht Aest’ in Aeste flecht ihr unverlobten Zweige

Jhr baut ein Schlaffgemach voll Friede voller Ruh

Und daß kein scharffer Nord in eure Blätter steige

So deckt euch Zephyr selbst mit seinen Flügeln zu.

Hier ist nicht Daphne Flucht und Phöbus heisse Flammen

Mit solchen Fabeln ist mein Reimschluß nicht erfüllt

Die so die Eitelkeit der Welt pflag zu verdammen

Ligt in dem Leichen-Tuch gleich vielen eingehüllt.

Hier wünsch ich euren Wald und eure stille Schatten

Und diß verdient die Hand die euch so sehr gehegt.

Kommt derer Einsamkeit auch in der Grufft zu statten

Die nichts im Leben mehr als Einsamkeit gepflegt.

Die Ruh ihr höchstes Gut GOtt ihren Schatz geheissen

Nicht in der Eitelkeit verwickelt ihren Fuß.

Verächtlich angeschaut der Welt ihr falsches Gleissen

So einem Nebel gleich im Anfang schwinden muß.

Die edle

Sie meynt daß sie kein Lentz gleich eurem Zierath schmückt.

Sie will auch nur bey euch ihr Sieges-Bäume wohnen

Weil ihr bey Lebens-Zeit vielfältig sie erquickt.

Jtzt findet sie die Ruh hier war sie nicht zu finden

Wie eingezogen auch ihr gantzes Leben hieß!

Sie wird kein Sorgen-Netz und Kummer-Garn mehr binden

Noch Kranckheit die ihr offt von Kräfften wenig ließ.

Und weil ihr ja der Welt vermummte Heucheleyen

Mehr als zu wol bekandt so stieß ihr himmlisch Sinn

Großmüthig von sich aus was Menschen kan erfreuen

Worumb der meiste Theil offt gibt den Himmel hin.

Und wie ihr Lorbeern wachst auch bey der grösten Hitze

Und mitten in dem Frost in voller Blüthe steht

Wie die Beständigkeit verlacht des Donners Blitze

Wie scharff auf sie der Sturm von allen Wettern geht:

So trug sie auch ihr Creutz was andern eine Bürde

Erleichterte Gedult die Last hieß ihr nur Lust

Weil zu weit höherm Ruhm und unumbschriebner Würde

Ein Christ die Aloe des Leidens nur hier kost.

Jhr Engel-reiner Sinn blieb Engeln zugesellet

Das Lazaret der Welt hat sie nicht angesteckt

Wo auch ein Salomo bey höchster Klugheit fället

Wo täglich neue Lust auch neue Sünden heckt.

Und welch Stand auf der Welt ist diesem zu vergleichen

Der eintzig und allein mit seinem GOtt getraut?

Jhr andern Nymfen müst mit eurer Pracht erbleichen

Nichts ist wol prächtigers als eine Himmels-Braut.

Der Mensch sucht hier nur Lust bey Schalen nicht bey Kernen

Kiest offt Sardoisch Graß für den gesunden Klee

Ein Gott-verpflichter Sinn buhlt eintzig mit den Sternen

Und was ihn angeflammt rührt von der lichten Höh’.

Die edle

Und Berenicens Krantz für schlechtes Kinder-Spiel.

Jhr reiner Glaubens-Grund trägt nunmehr das zu Lohne

Dem sich das güldne Heer der Nacht nicht gleichen will.

Und triumphiret doch ihr Lorbeern in den Gräntzen

Rom hielt vor diesem ja in Freuden euch sehr groß!

Hier diese Freude weiß von keinern Ziel noch Gräntzen

Sie legt euch Lorbeern itzt in ihres Heylands Schos.

Das Mahlwerck der Natur womit die Blumen prangen

Die Flora stelle sich in tausend Farben für;

Sie werden nimmermehr die Hoheit doch erlangen

Und keine Schönheit kan sich gleichen eurer Zier.

Das gantze Morgenland mit seinen edlen Steinen

Und was der Perser uns aus seinen Schätzen schickt

Erreichen nicht den Glantz der aus den dürren Beinen

Wenn sie des HErren Geist beseelet wieder blickt.

Jhr heilgen Lorbeern ihr last nur die Heyden krönen

Jhr thummes Opffer-Vieh hier krönt ihr eine Braut

Die auch ein Opffer-Lamm auff ewig will versöhnen

Mit der in einem Ring sich GOtt hat anvertraut.

Es trug der Käyser Haupt nur Strahlen-reiche Kronen

In die ein Lorbeerzweig sich offt geflochten hat

Und wolte man den Dienst der Obersten belohnen

So zierte man den Brieff mit einem Lorbeer-Blat

Und diß blieb ihrer Treu und Tapfferkeit ein Zeichen.

Nicht minder werdet ihr ihr keuschen Lorbeern seyn

Ein ewig Sieges-Schmuck der abgelebten Leichen

Ein Strahlen-reicher Krantz umb ihren Grabe-Stein.

Wie aber daß ihr so die grünen Blätter spitzet?

Stellt ihr auch noch dadurch der Seelgen Sinnbild für?

Ach ja! die Schmertz und Creutz sehr scharff und offt gereitzet

Sucht eintzig nur das Grab der Freyheit wahre Thür.

Jhr Kampff ist nun vollbracht sie tritt mehr zu den Füssen

Als offt ein gantzes Heer der Römer hat gethan.

Jhr Lorbeer Zweige solt der Welt dolmetschen müssen

Daß man von Fleisch und Blut erlangt die schönste Fahn.

Wie aber daß ihr so stoltzieret edlen Aeste

Gleicht euch kein ander Baum mit seiner Trefflichkeit?

Nein Käyser setzlen euch vordiesem in Paläste

Das güldne Capitol hat eine Pracht geweyht.

Hier aber grünet ihr gar in des Himmels Zimmern

In Gottes Vorhof steht itzt euer Lebens-Baum:

Wie solt ihr Lorbeern nicht in einem Glantze schimmern

Für dem der Menschen Schatz nur ein geringer Schaum?

Smaragdne Lorbeern strahlt in ewig grünen Blitzen;

Gekrönte Lorbeern siegt mit eurer

Sie kan nun ihrem GOtt zu seiner Seite sitzen

Und Frömmigkeit bleibt doch der herrlichste Gewinn.

Ja wie ihr Lorbeern mehr von der Verwesaug sicher

So wird ihr edles Lob bey uns auch nicht vergehn.

Werfft euch Sieg-prangende nur auff die Leichen-Tücher.

Last euren grünen Wald umb dieses Grabmahl stehn.