Die keusche Lorbeern dem Grabe J. S. g. S. gewidmet den 18. August. 1680.
Jihr keusche Lorbeern ihr die ihr noch nie vermählet
Und immer Jungfern bleibt von unermeßner Zeit
Die seinem Heiligthum Apollo zugezehlet
Mit welchen noch sein Haar und Scheitel wird erfreut;
Umbgebet dieses Grab beschattet itzt die Bahre
Schenckt derer Einsamkeit noch eure grüne Nacht.
Vor stundet ihr ein Schmuck nur in der Götter Haare
Jetzt hat der blasse Tod euch Wermuth gleich gemacht.
Flecht Aest’ in Aeste flecht ihr unverlobten Zweige
Jhr baut ein Schlaffgemach voll Friede voller Ruh
Und daß kein scharffer Nord in eure Blätter steige
So deckt euch Zephyr selbst mit seinen Flügeln zu.
Hier ist nicht Daphne Flucht und Phöbus heisse Flammen
Mit solchen Fabeln ist mein Reimschluß nicht erfüllt
Die so die Eitelkeit der Welt pflag zu verdammen
Ligt in dem Leichen-Tuch gleich vielen eingehüllt.
Hier wünsch ich euren Wald und eure stille Schatten
Und diß verdient die Hand die euch so sehr gehegt.
Kommt derer Einsamkeit auch in der Grufft zu statten
Die nichts im Leben mehr als Einsamkeit gepflegt.
Die Ruh ihr höchstes Gut GOtt ihren Schatz geheissen
Nicht in der Eitelkeit verwickelt ihren Fuß.
Verächtlich angeschaut der Welt ihr falsches Gleissen
So einem Nebel gleich im Anfang schwinden muß.
Die edle
Sie meynt daß sie kein Lentz gleich eurem Zierath schmückt.
Sie will auch nur bey euch ihr Sieges-Bäume wohnen
Weil ihr bey Lebens-Zeit vielfältig sie erquickt.
Jtzt findet sie die Ruh hier war sie nicht zu finden
Wie eingezogen auch ihr gantzes Leben hieß!
Sie wird kein Sorgen-Netz und Kummer-Garn mehr binden
Noch Kranckheit die ihr offt von Kräfften wenig ließ.
Und weil ihr ja der Welt vermummte Heucheleyen
Mehr als zu wol bekandt so stieß ihr himmlisch Sinn
Großmüthig von sich aus was Menschen kan erfreuen
Worumb der meiste Theil offt gibt den Himmel hin.
Und wie ihr Lorbeern wachst auch bey der grösten Hitze
Und mitten in dem Frost in voller Blüthe steht
Wie die Beständigkeit verlacht des Donners Blitze
Wie scharff auf sie der Sturm von allen Wettern geht:
So trug sie auch ihr Creutz was andern eine Bürde
Erleichterte Gedult die Last hieß ihr nur Lust
Weil zu weit höherm Ruhm und unumbschriebner Würde
Ein Christ die Aloe des Leidens nur hier kost.
Jhr Engel-reiner Sinn blieb Engeln zugesellet
Das Lazaret der Welt hat sie nicht angesteckt
Wo auch ein Salomo bey höchster Klugheit fället
Wo täglich neue Lust auch neue Sünden heckt.
Und welch Stand auf der Welt ist diesem zu vergleichen
Der eintzig und allein mit seinem GOtt getraut?
Jhr andern Nymfen müst mit eurer Pracht erbleichen
Nichts ist wol prächtigers als eine Himmels-Braut.
Der Mensch sucht hier nur Lust bey Schalen nicht bey Kernen
Kiest offt Sardoisch Graß für den gesunden Klee
Ein Gott-verpflichter Sinn buhlt eintzig mit den Sternen
Und was ihn angeflammt rührt von der lichten Höh’.
Die edle
Und Berenicens Krantz für schlechtes Kinder-Spiel.
Jhr reiner Glaubens-Grund trägt nunmehr das zu Lohne
Dem sich das güldne Heer der Nacht nicht gleichen will.
Und triumphiret doch ihr Lorbeern in den Gräntzen
Rom hielt vor diesem ja in Freuden euch sehr groß!
Hier diese Freude weiß von keinern Ziel noch Gräntzen
Sie legt euch Lorbeern itzt in ihres Heylands Schos.
Das Mahlwerck der Natur womit die Blumen prangen
Die Flora stelle sich in tausend Farben für;
Sie werden nimmermehr die Hoheit doch erlangen
Und keine Schönheit kan sich gleichen eurer Zier.
Das gantze Morgenland mit seinen edlen Steinen
Und was der Perser uns aus seinen Schätzen schickt
Erreichen nicht den Glantz der aus den dürren Beinen
Wenn sie des HErren Geist beseelet wieder blickt.
Jhr heilgen Lorbeern ihr last nur die Heyden krönen
Jhr thummes Opffer-Vieh hier krönt ihr eine Braut
Die auch ein Opffer-Lamm auff ewig will versöhnen
Mit der in einem Ring sich GOtt hat anvertraut.
Es trug der Käyser Haupt nur Strahlen-reiche Kronen
In die ein Lorbeerzweig sich offt geflochten hat
Und wolte man den Dienst der Obersten belohnen
So zierte man den Brieff mit einem Lorbeer-Blat
Und diß blieb ihrer Treu und Tapfferkeit ein Zeichen.
Nicht minder werdet ihr ihr keuschen Lorbeern seyn
Ein ewig Sieges-Schmuck der abgelebten Leichen
Ein Strahlen-reicher Krantz umb ihren Grabe-Stein.
Wie aber daß ihr so die grünen Blätter spitzet?
Stellt ihr auch noch dadurch der Seelgen Sinnbild für?
Ach ja! die Schmertz und Creutz sehr scharff und offt gereitzet
Sucht eintzig nur das Grab der Freyheit wahre Thür.
Jhr Kampff ist nun vollbracht sie tritt mehr zu den Füssen
Als offt ein gantzes Heer der Römer hat gethan.
Jhr Lorbeer Zweige solt der Welt dolmetschen müssen
Daß man von Fleisch und Blut erlangt die schönste Fahn.
Wie aber daß ihr so stoltzieret edlen Aeste
Gleicht euch kein ander Baum mit seiner Trefflichkeit?
Nein Käyser setzlen euch vordiesem in Paläste
Das güldne Capitol hat eine Pracht geweyht.
Hier aber grünet ihr gar in des Himmels Zimmern
In Gottes Vorhof steht itzt euer Lebens-Baum:
Wie solt ihr Lorbeern nicht in einem Glantze schimmern
Für dem der Menschen Schatz nur ein geringer Schaum?
Smaragdne Lorbeern strahlt in ewig grünen Blitzen;
Gekrönte Lorbeern siegt mit eurer
Sie kan nun ihrem GOtt zu seiner Seite sitzen
Und Frömmigkeit bleibt doch der herrlichste Gewinn.
Ja wie ihr Lorbeern mehr von der Verwesaug sicher
So wird ihr edles Lob bey uns auch nicht vergehn.
Werfft euch Sieg-prangende nur auff die Leichen-Tücher.
Last euren grünen Wald umb dieses Grabmahl stehn.