Die Klage ohne Trost.
Wo seyd ihr, meine Lieben?
Euch ruft mein Wehgesang.
Euch ruft des Herzens Sehnen
Mit ungestümen Drang.
Wo seyd ihr, meine Trauten?
Wie täuscht ihr mich so sehr?
Die ihr mich feurig liebtet,
Liebt ihr mich itzt nicht mehr?
Ich steh' auf stickelm Felsen,
Und schaue rings umher.
Der Sturmwind schwingt die Flügel,
Und geisselt Luft und Meer.
Ich schwärme durch die Klippen,
Durch struppiges Gesträuch,
Durch dichtverwachsne Schründe,
Und suche rastlos euch!
Der Eichwald heult entblättert;
Erstorben starrt die Au.
Um öde Stoppeln sauset
Der Herbstwind, feucht und rauh.
Warum so traurend, Aue?
Warum so jammernd, Hayn?
Seyd ihr, wie ich, verlassen?
Seyd ihr, wie ich, allein?
Allein bin ich. In fremdem,
In ödem Land' allein.
Die lange Dämmrung lichtet
Kein Stern — kein Mondenschein.
Die heisse Wange fächelt
Kein lispelnd Abendkühl,
Noch schmelzt des Spätroths Blässe
Das Herz in Ruhgefühl.
Wie starrt die öde Wildniss,
Umbrüllt vom düstern Belt.
Es kommt kein freundlicher Wandrer,
Der um den Hals mir fällt.
Ich rufe durch die Forste,
Durch Berg' und Thal — und laut
Ruft mir das Echo Antwort,
Doch keines Menschen Laut.
Es gaukeln Luftgebilde
Um mich im Fackelschein
Gluthrother Meteore,
Und spotten tückisch mein.
Ergrimmter tobt die Windsbraut,
Erzürnter thürmt die Fluth.
Der Feste Pfeiler beben
Des Orkans wilder Wuth.
Mag rasen Sturm; mag prasseln
Die Windsbraut donnerlaut!
Mir klingt ihr wildes Kreischen
Wie Morgengruss der Braut.
Mag mondhoch schwellend wogen
Der alte Ocean!
Mich spricht sein dumpfes Grollen,
Wie Flötenwirbel an.
Was frommt mir Frühlingsmilde
Und laues Westgeweh?
Sie wiegen den Verlassnen
Nur in noch heissres Weh!
Was frommt mir Lerchenwirbel
Und Nachtigallenschlag?
Der öden Brust entächzet
Nur desto lautres Ach.
Fahrt wohl! fahrt wohl, ihr Trauten!
Mir winken Nacht und Ruh.
Bald drückt die müden Wimper
Der letzte Freund mir zu.
Fahrt wohl! Im Ring der Steine
Ergrünt ein Mahl! Hier wird
Mein Schatten euch umschauern,
Wenn ihr das Mahl umirrt!