Die kurze Lebens-Zeit.
Das Leben ist sehr kurz, wenn man die Jahre zählt,
Die unsers Schöpfers Schlus,
Wie bald verschwinden nicht, die
Schatten-gleichen Stunden,
Die wenn man sie ermißt nur flüchtige Secunden!
Noch kürzer aber wird die Zeit, wenn man erwegt,
Wie sie in Lebenslauf mit uns zu gehen pflegt:
Der Kindheit Jahre fliehn, da man im Traume
Die Unempfindlichkeit uns stets zum Schlaf ein-
Ein Theil geht also ab, da man nicht einmahl
Warum man Odem schöpft, was unsers
Die Jugend kommt heran, da wir zuerst aufwa-
In etwas uns bemühn ein künfftig Glük zu machen,
Die Zeit wird abgekürzt, durch Müßigkeit und
Durch kindisches Gewäsch, durch nichtiges Ge-
Die Jahre kommen an, wo der Verstand gereiffet,
Da man noch nichts gethan, und sie doch schon ge-
Da reget sich der Fleis, so lange man noch blüht
Doch wenn man abermahl die Schlaffeszeit ab-
So geht die Helffte ab, und was vor Arbeits-
Sind nicht in Müßigkeit, in fauler Ruh ver-
Zieht man die wieder ab; so ist die Lebenszeit,
Schon wiederum verkürzt, die
Des Alters Mattigkeit untauglich zum Gewerben,
Lehrt daß die Alten schon, eh sie noch würklich ster-
Schon wie erstorben sind: Darum ist sonder Streit,
Noch kürzer als man meint, die kurze Lebens-Zeit:
Wenn man dies recht bedenkt, muß man die Zeit
Weil Jahre, Monath, Tag und Stunden bald ver-