Die Landlust

By Friedrich von Hagedorn

Written 1731-01-01 - 1731-01-01

Geschäfte, Zwang und Grillen,

Entweiht nicht diese Trift:

Ich finde hier im Stillen

Des Unmuths Gegengift.

Ihr Schwätzer, die ich meide,

Vergeßt mir nachzuziehn:

Verfehlt den Sitz der Freude,

Verfehlt der Felder Grün.

Es webet, wallt und spielet

Das Laub um jeden Strauch,

Und jede Staude fühlet

Des lauen Zephyrs Hauch.

Was mir vor Augen schwebet,

Gefällt und hüpft und singt;

Und alles, alles lebet

Und alles scheint verjüngt.

Ihr Thäler und ihr Höhen,

Die Lust und Sommer schmückt!

Euch, ungestört, zu sehen

Ist, was mein Herz erquickt.

Die Reizung freier Felder

Beschämt der Gärten Pracht,

Und in die offnen Wälder

Wird ohne Zwang gelacht.

Die Saat ist aufgeschossen

Und reizt der Schnitter Hand.

Die blättervollen Sprossen

Beschatten Berg und Land.

Die Vögel, die wir hören,

Genießen ihrer Zeit:

Nichts tönt in ihren Chören,

Als Scherz und Zärtlichkeit.

Wie thront auf Moos und Rasen

Der Hirt in stolzer Ruh'!

Er sieht die Heerde grasen

Und spielt ein Lied dazu.

Sein muntres Lied ergötzet

Und scheut die Kenner nicht;

Natur und Lust ersetzet

Was ihm an Kunst gebricht.

Aus Dorf und Büschen dringet

Der Jugend Kern hervor

Und tanzt und stimmt und singet

Nach seinem Haberrohr.

Den Reihentanz vollenden

Die Hirten auf der Hut,

Mit treu-vereinten Händen,

Mit Sprüngen voller Muth.

Wie manche frische Dirne

Schminkt sich aus jenem Bach;

Und gibt an Brust und Stirne

Doch nicht den Schönsten nach.

Gesundheit und Vergnügen

Belebt ihr Aug' und Herz,

Und reizt in ihren Zügen

Und lacht in ihrem Scherz.

In jährlich neuen Schätzen

Zeigt sich des Landmanns Glück,

Und Freiheit und Ergötzen

Erheitern seinen Blick.

Verleumdung, Stolz und Sorgen,

Was Städte sklavisch macht,

Das schwärzt nicht seinen Morgen,

Das drückt nicht seine Nacht.

Nichts darf den Weisen binden,

Der alle Sinnen übt,

Die Anmuth zu empfinden,

Die Land und Feld umgibt.

Ihm prangt die fette Weide

Und die bethaute Flur:

Ihm grünet Lust und Freude,

Ihm malet die Natur.