Die lehrenden Bienen.

By Johann Justus Ebeling

Ein sumsend Heer beflißner Bienen,

Sah mein gerührtes Aug im Grünen,

Das hin und her auf Blumen flog,

Und daraus seinen Honig sog;

Jhr muntrer Fleiß nahm aus der Blüthe,

Den süssen Saft und trug ihn fort

Zum Korb, zu dem Verwahrungs-Ort:

Der Anblik ging mir zu Gemüthe.

Ich dachte, O mein

Zum Menschen, hat so starke Triebe

Dem Bienen Volke eingeprägt:

Denn wenn man ihren Fleis erwegt,

Den sie beim Honigbau beweisen,

Wie sie so bald die Lüfte warm,

Mit hellen Hauffen, grosser Schwarm

Durch Felder und durch Wiesen reisen:

So muß man warlich eingestehen,

Daß

Der solche Kreatur gemacht,

Uns zum Vergnügen ausgedacht,

Damit sie uns die Süßigkeiten,

Aus Blumen, Blüth und Früchten ziehn,

Und durch ein uns geheim Bemühn,

Den klaren Honig zubereiten.

Mir deuchte, da ich meine Augen

Recht schärfte, ihr beschäftigt Saugen,

Noch einmahl wieder zu besehn,

Daß mir ein sumsendes Gethön,

Mit leisen Murmeln dieses lehrte:

O! wäre in der Frühlings-Zeit

Des Lebens, jeder Mensch bereit

Zu sammlen, wie es sich gehörte:

So würden in den Winter-Tagen

Des Alters, sich nicht so viel plagen

Mit Armuth und mit Ungemach,

Wer seinen rechten Erndte-Tag,

Der in der Jugend ist, versäumet,

Und alles, bis ins Alter schiebt,

Der ist ein Mensch der Faulheit liebt,

Der nur stets leere Wünsche träumet.

Wer immer bei der Arbeit sizzet,

Nur sich nicht andern dadurch nüzzet,

Der seh uns rege Bienen an,

Davon ein Mensche lernen kann

Daß seine Pflicht auch das einschliesse,

Der Welt zugleich mit Nuz zu sein,

Damit das Gute allgemein,

Auch mit von uns, aufs andre fliesse.