Die Lehrreiche Weltschule.

By Johann Justus Ebeling

Wir leben in der Welt, die eine Schule ist,

Worin man Bücher hat, darin der

Der

Den wir selbst in der Welt, wo er beschrieben,

Die Welt, die ist ein Buch und jede Kreatur

Ist einem Buchstab gleich, im Reiche der Natur.

Der Himmel ist ein Blat, im A. B. C. der Ster-

Kan man des Höchsten Macht, und Güt und Weis-

Die Erd ist vol

Der sie gebaut, erhält, muß gros und herrlich seyn.

Das Meer ist Taffeln gleich, auf dessen glatten

Wir

Die Berge, Garten, Feld sind gleich den breiten

Baum, Früchte, Laub und Kraut sind die gemahl-

Die wunderbar geschmükt mit Pracht, mit Glanz

Die

Er lokt dadurch uns an, zum fleißigen Studiren,

Wie man die Kinder thut, die lieber Buchstabi-

In einen Buch das schön, mit Bildern durchge-

Von dessen äusren Rand das Gold ins Auge strahlt.

Die Lettern der Natur sind groß und klein geschrie-

Doch alle Weisheits voll. Ach! möchten wir uns

Die Deutung zu verstehn, denn jeglicher Buchstab,

Drükt uns ein ganzes Wort, ja viele Sachen

Die wenn wir sie also nach unsrer Art beschreiben,

Nicht nach dem Hauptinhalt, auf ganzen Bogen

Jm Reiche der Natur ist lauter Bilderschrift,

Davon man aber doch die Deutung leichtlich trift;

Wenn man nur aufmerksam in stiller Lust erweget,

Wer uns dieselbigen zum Lesen vorgeleget.

Alsdenn so sehen wir, wir lesen hie und da,

Denn allerhöchsten

Das zweyte Buch das ist, durch

Von einer heilgen Zahl der Männer aufgeschrieben,

Die uns den Weg gelehrt, wie man aus dieser

Ganz richtig kommen kan, zu jenem Himmels Zelt,

Da wir der Zeit entfliehn, die Pilgrimschaft der

Und in der Ewigkeit vollkomne Bürger werden.

Drum siehe lieber Mensch! was du zu lernen hast;

Und wenn du dieses recht, hier in der Schule

So bist du erst geschikt, in jene Welt zu kommen,

So wirst du in die Schaar der Seelgen, aufge-

Die dort vollkommen sind. Die Welt-Schul le-

Was du zu lernen hast in dreien Stükken für:

Erkenne einen GOtt wie er sich selbst beschrie- ben,

In der Natur und Schrift, ihn zu verehrn, zu lie-

Erkenne dich auch selbst als eine kleine Welt;

Warum der Schöpfer dir, die grosse dargestellt.

Sieh dein Verderben an, das dein Gewissen füh-

Wenn deine Sinnligkeit im Lasterkothe wühlet.

Lern endlich wie du dich aus dem Verder- ben ziehst,

Durch welches Hülfe du, der Eitelkeit entfliehst;

Durch welches Mittel man zu seinen

Der in der Ewigkeit vollkomnen Lichte pranget.

Wenn du dies alles recht in dieser Welt bedacht;

So bist du schon gelehrt in dieser Schul gemacht,

Biß du mehr hören wirst dort vor des Höchsten

Die Welt ist ferner auch die stete

Worin man, was man weis, nach unsers Schöp-

In Worten und der That zur Uebung bringen muß.

Wer etwas lernen will, der wird nach seinen Wis-

Die Probe durch die That, auch öfters machen

Sonst bläht das Wissen auf; wir dünken uns ge-

Weil man die Wissenschaft mit ihren Lehren hört:

Das ist doch nicht genug.

Das heist noch lange nicht das höchste Wesen ken-

Wo das Erkenntnis ist, das den Verstand erhellt,

Da wird der Will bewegt; das Urtheil bald gefällt:

Du must das also thun; und dich darinnen üben,

Gott als das höchste Gut, das du erkennst auch lieben.

Wenn man die Uebungen, die uns hier auferlegt,

Nach ihren Stükken recht, die wir zu thun, er-

So sind sie allgemein, und auch besondre Pflich-

Die jeder

Was wir allhie zu thun, ist theils ins Herz ge-

Und wird noch deutlicher in dem Gesez erblikt,

Das auf den Taffeln steht: und darauf ist geschrie-

Wir sollen GOtt den HErrn, uns und den Nächsten lieben.

Was jeder üben sol nach seinen Amt und Stand,

Wird in der Schul gelehrt, ist aus der Schrift

Wer diese Pflichten treibt, wird in der Schul der

Durch Uebung erst geschikt, vollkommen dort zu

Nun lieber Mensch! sey treu zur Uebung stets bereit,

Denn Uebung bringt allein, die wahre Fertigkeit.

Gott hat uns Trieb genug zum tugendhaften Le- ben,

Worauf die Uebung geht, in seinem Wort gegeben.

So wie in einer Schul, des Lehrers sanfte Güt,

Nicht leichte bessern kan, ein flüchtiges Gemüt;

Er zwing es dann durch Zucht: so muß bey uns

Der Schöpfer seinen Zwek, durch Züchtigung er-

Die Welt ist also noch, wenn wir sie recht ansehn,

Als eine

Der Schöpfer prüfet uns, und läst uns öfters

Auf einer Marterbank in dieser Schule sizzen.

Da lernt man die Gedult, das schwere A. B. C.

Da fühlet Fleisch und Blut manch fürchterliches

Wilst du, mein lieber Mensch! dich von dem Kreuz

So must du fleißig seyn, in Ueben und in Lernen:

Und weil du das nicht bist; so legt der Schöpfer

Die Ruthe seiner Zucht, Noth, Kreuz und Trüb-

Die Ruthe ziehet oft die allerfrömmsten Kinder,

Und Trübsahl kehrt oft um die allerfrechsten Sün-

Ein Schüler wird gelobt, der fleißig, fromm und

Der das mit Sorgfalt thut, so wie sein Lehrer will:

Mein Mensch! beweise dich getreu in dieser Schule,

So wirst du dreinst gerühmt, vor Christi Richter-

Folg hier in Demuth stets dem, der die Welt re-

Der uns zwar wunderbar, doch treu und seelig

Lern was du lernen solt, und sey auch bey dem

Des Glaubens, allemahl, auf richtig Thun beflissen.

Gefällt dem Schöpfer es, daß dir bey Angst und

Die Welt worin du lebst, soll eine Kreuz-Schul

Halt nur geduldig aus;

Indem er auf uns schlägt, nach Vater-Art zu lie-

Wenn er dich gnug geprüft; geläutert und bewährt,

Geübet auf der Welt, in ihrer Schul gelehrt;

So giebt er dir hernach die schöne Ehren-Krone,

Zum Zeichen seiner Huld, zu einem Gnadenlohne;

Alsdenn gelangest du zu Salems grünen Aun,

Wo du nicht lernen solt; Nein! alles klar anschaun:

Da wird die Lust gestillt, in jenen Geister Chören,

Da deine Lernbegier, wird neue Wunder hören,

Die hier auf dieser Welt, kein Auge je gesehn,

Die unaussprechlich sind, und keiner kan verstehn:

Und da die Lehrer sind der unvollkomnen Erden,

In jener Geisterwelt gar gerne Schüler werden.

Gib! Herrscher aller Welt! daß ich hier fleißig sey,

Zum Lernen stets erwekt, in Ausübung getreu;

Geduldig in dem Leid; so werd ich nach den Jah-

Die mir zur Prob bestimmt, was hier verdekt,