Die letzte Reise Hn. W. G. den 6. Septembr. 1674.
Jst diß die letzte Fahrt von allen deinen Reisen?
Und schleust du auch zugleich mit der die Augen zu?
So müssen
Den so ein sanffter Tod führt zu der langen Ruh.
Es hat noch nicht viermal das Silber ihrer Wangen
Der Nächte Königin die Cynthia entdecket
Als dein geliebter Sohn den Weg vorangegangen
Und ihn der Parcen Hand hat in den Sarg gestreckt.
Die Musen klagten selbst daß ihres Lentzens Blume
So zeitlich untergieng. Apollo sprach: Mein Sohn
Der mir im Pleiß-Athen gelebt zu sonderm Ruhme
Muß ach zu strenger Schluß des Himmels! nur davon.
Der Abzug
Daß nie kein frölich Tag dich ferner angeblickt.
Der klägliche Verlust die blassen Todes-Kertzen
Die haben neues Leid dir stündlich zugeschickt:
So daß die Wanderschafft des Lebens dir recht bitter
Das grosse Rund der Welt wie eine Wüste schien:
Von oben schwärtzet sie ein schreckliches Gewitter
Und unten sihet man nur Dorn und Disteln blühn.
Noch dennoch müssen wir diß Thränen-Thal durchreisen
Wo bald ein tieffer Schlund uns in den Abgrund stürtzt
Bald auff der Seite laurt ein mörderisches Eisen
Bald die vergiffte Lufft das Leben uns verkürtzt.
Und diß entspringt daher: Wir sind nur frembd’ auff Erden
Das Leben ist geliehn hier ist kein ewig Hauß;
Wir müssen Gästen gleich in einer Herbrig werden
Die heute ziehen ein und morgen wieder aus.
Ach! unsre Jahre sind doch nur ein stetes Wallen
Wir lauffen in der Welt wie einem Labyrinth
Biß daß wir Lebens-satt ermüdet niederfallen
Und der gequälte Leib zuletzt noch Ruhe findt.
Wie früh’ ein Reisemann sich auffden Weg begiebet
Des Tages Hitz erträgt und sehnt sich nach der Nacht:
So seufftzen gleichfalls wir durchs Creutzes Gluth geübet
Daß doch ein seelig Tod den Feyrabend macht.
Nun diese süsse Rast das ungestörte Schlaffen
Hast du
Es schreckt dich weiter nicht noch List noch Feindes Waffen
Und was sonst für Gefahr die Reisenden bestreicht.
Wir irren hin und her in flüchtigen Gedancken
Da dich die Sicherheit mit ihren Flügeln deckt:
Wir müssen uns offt selbst mit unserm Glücke zancken
Den tollen Wünschen ist noch Ziel noch Maß gesteckt.
Unseelige Begier! das Reisen in die ferne
Das Kreutzen durch die See das Fahren auff dem Land
Gewehrt uns neue Lufft und weist uns frembde Sterne
Indessen aber seyn wir uns nicht selbst bekand.
Es such’ ein Geitziger die Gold- und Silber-Kuchen
Und fisch’ umb Goa-Strand die runden Perlen aus
Beym Abschied wird er sich und seine Müh’ verfluchen
Der allenthalben war ist nirgends da zu Hauß.
Es mag noch eine Welt Columbus Witz entdecken:
Es suche Magellan mehr Strassen in der See:
Der Menschen Geld-Durst läßt sich keinen Abgrund schrecken
Daß er durch Gluth und Fluth nicht unerschrocken geh’.
Ein kluger Wanderer wird niemals sich verweilen
Jhn hält kein prächtig Schloß und schöner Garten auf;
Das vorgesetzte Ziel heist ihn begierig eilen
Er weiß daß Ruh und Lust krönt den vollbrachten Lauf.
Ach wären wir so klug und blieben hier nicht kleben!
Die Flügel der Vernunfft hemmt schnöder Wollust Leim
Daß sie zu ihrem GOtt sich selten recht erheben
Die Eitelkeit der Welt bleibt nur ihr Honigseim.
Verkehrte Reiseude! die Laster Tugend heissen
Und vor die Panace erkiesen das Napell.
Wer liebet nicht den Grund vor angestrichnes gleissen?
Ja wer verwechselt doch den Himmel umb die Höll?
Und nach was reisen wir? nach Schätzen die vermodern
Nach Sitten die nur offt verstellen Seel’ und Geist.
Nach Gütern die von uns genaue Rechnung fodern
Und derer Herrligkeit als wie ein Kleid zerschleust.
Nein dieses Reisen heist uns stets zu Felde liegen
Und der Begierden Heer zum Kampff-Platz führen an:
Wer ihm denckt dermaleins die Sieges-Cron zu kriegen
Der mache sich geschickt zur letzten Reise-Bahn.
Die hast du
Du legest Ehren voll itzt deinen Handel ein.
Wie sonst von Reisenden beweglich wird gebeten
Daß ihr Gedächtnüß nicht vergessen möchte seyn:
So soll auch unter uns dein ehrlich Ruhm nicht sterben
Der theils in Kindern lebt theils deine Baare ziert.
Wer eyfrig GOtt gedient und läst der Nachwelt Erben
Versichert daß er ihm ein Ehren-Mahl auffführt.
Den
Und alter Bürger tod’ ist billich klagens werth
Weil Treu und Redligkeit ihr Lebens Ziel umbfasset
Die itzund Wildpret heist und schier von hinnen fährt.
Doch dir ist wol geschehn. Rom hat den Krantz von Eichen
Dem der gemeinem Heil gedienet auffgesetzt:
Dir
Als der gemeinen Nutz sein höchstes Gut geschätzt.
Es hofft ein Reisender die jenen einst zu schauen
Von denen er betrübt den letzten Abschied nimmt:
Auch du wirst wieder sehn Freund Enckel Kinder Frauen
In derer Hertzen noch die Liebes-Flamme gimmt.
Man pflegt abwesender Gutthaten stets zu preisen:
Es rühmt dein gantzes Hauß wie du so treu gewacht.
Dreymal beglückter Greiß! den so ein seelig Reisen
Jtzt in Jerusalem zum Himmels-Bürger macht.
Elende Sterdlichen! wenn ihr die Welt durchzogen
Und das gevierdte Rund vorwitzig angeschaut
So hat euch Eitelkeit und Ruhmsucht doch betrogen
Wo endlich euch noch selbst vor eurer Hinfahrt graut.
Der
Wo auf- und Untergang einander sind verwand:
Wir arme
Biß uns der letzte Zug führt ins