Die Leyd-tragenden Cypressen Bey Beerdigung Hn. C. S. LL. S. den 5. Decembr. 167...

By Heinrich Mühlpfort

Jhr Leichen-Schmück ihr dunckelen Cypressen

Jhr Kronen ihr die nasse Wehmuth flicht

Jhr Zeugen ihr daß nicht das Leyd vergessen

Anwalde wenn der Tod sein Urtheil spricht;

Euch forder ich diß Grab noch zu begleiten

Und wie ihr selbst von Trauren seyd erblast

So schont auch nicht die Zweig’ jetzt auszubreiten

Und pflantzt hieher den ausgedorrten Ast.

Wie taumelt ihr ihr schwancken Cyparissen?

Gedenckt ihr noch wer ihr gewesen seyd?

Eh als euch pflag die Rinde zu beschliessen

Hieß Phöbus euch nicht seine Lust und Freud?

Der Hirsch den du O Cypariß geliebet

Und auch zugleich durch deinen Pfeil verwundt

Der hat dich so biß auff den Tod betrübet

Daß drauff dein Leib in Baum verkehret stund.

Diß Sinnen-Bild Leyd-tragende Cypressen

Entwirfft uns auch des Lebens Eitelkeit.

Was uns ergetzt wobey wir offt gesessen

Was uns gebracht die angenehmste Freud

Das wird hernach viel hefftiger verletzen.

Die gröste Lust beschleust ein herbes Weh;

Und was die Welt nur zeigt von ihren Schätzen

Das ist nichts mehr als ein vergänglich Schnee.

Wie oder seyd ihr Gratien gewesen

Voll Lieblichkeit voll Anmuth voller Wonn’

Und wie das Buch der Zeiten gibt zu lesen

In einem Tantz verfallen in den Bronn

Und den versetzt in blasse Sträucher worden?

So stellt ihr doch des Todes Rasen für.

Sein Grimm der fährt durch aller Menschen Orden

Und raubt zu erst der Jugend beste Zier.

Herr Seelmann den wir mit Cypressen decken

Muß meiner Wort ein kläglich Beyspiel seyn.

Wir sehen ihn die Hand des Todes strecken

Sein letztes Hauß ist dieser schwartze Schrein.

Der Jugend Lentz die Geister-reichen Jahre

Sind vor dem Stoß der Parten nicht befreyt.

Man legt so bald die Jungen auff die Baare

Als die gar tieff im Leben gehn beschneyt.

Cypressen seyd ihr nichts als Todes Zeichen

Die Heyden auch dem Pluto nur geweyht

So muß ich bald aus Abscheu von euch weichen

Wie oder lehrt ihr auch die Ewigkeit?

Ach freylich! ja den Stab den Götter tragen

Der war zu erst von eurem Holtz gemacht

Und weil ihr könt die Schlangen gantz verjagen

So hat euch hoch das Alterthum geacht.