Die Liebe.
Des Schöpfers weiser Zwek, da er die Welt gemacht,
War aller Menschen Glük; dar-
Weil seine ewge Güt, dies
Daß man darinnen noch viel
Die Vorsicht gab die Welt ihm zum Besizze ein,
Daß er und sein Geschlecht, bey seinen Gnaden-
In unverrükter Lust, das stets geniessen solte,
Was er als Oberherrr nach seiner Weisheit wolte.
Er drükte in sein Herz sein göttlich Ebenbild,
Da ward der Menschen Geist mit Licht und Glanz
Er flößte in sein Herz, des Himmels reine Triebe,
Worauf das Glük beruht,
Die Liebe ist ein Band, das
Ein Feur das wärmt und nährt, und wo dasselbe
Da strahlt mit heitren Blik in einer güldnen Won-
Den Menschen immer an, des Himmels Gnaden-
Allein seid dem der Gift, der Schlangen uns be-
Der Satan in uns hat die Sünde angestekt;
Da ist der arme Mensch aus seinen Glüksstand
Da hat der bittre Has, das Herze eingenommen.
Gott ist das höchste Gut, das durch die Lieb allein,
Sich uns zu eigen schenkt zu unserm glüklich seyn:
Wer durch den Has verführt, durch scheelen Neid
Der wird von dieser Quell in Jrthum abgewendet;
Der sucht was ihm vergnügt, und trift es doch
Weil man in Pfüzzen nicht, sein Labsal finden kan,
Das in den Quellen fliest. Der Erden eitle Güter,
Sind wenn man sie recht schmekt, nicht süsse, son-
Sie sind ein Wermuth-Salz, mit Zukker untermischt,
Ein bittres Aloe mit Candis überwischt,
Damit labt sich der Mensch; und wird doch nur ge-
Weil ihm die wahre Lieb zum höchsten Gute fehlet.
Wer seinen Schöpfer haßt, das wahre Freuden-
Von falschen Wahn betäubt, der liebt sich selber
Und wenn er Ruhe sucht, wird er in dem Gewissen,
Von Furcht und Angst gejagt, von Furien gebissen.
Die Furcht folgt Sündern nach, scheucht stets den
Der zwischen
Ach! möchte jederman der Liebe Vortheil kennen;
So würde keiner leicht derselben Band zertrennen:
Da
Da ist Zufriedenheit auch in der größten Noth;
Wo wahre Liebe fehlt, kan man auf sanften Küs-
Beim Schlaf der Sicherheit auch keine Ruh ge-
Alsdenn lebt man vergnügt, wenn uns der Schöpfer
Es foltert uns die Angst, wenn er uns zornig
O! Menschen trachtet doch das höchste Gut zu lie-
So kan euch keine Noth und keine Angst betrüben.
Die Ruhe des Gemüths, die Seel und Leib erhält,
Ist warlich unschäzbar, das Beste in der Welt;
Wer dieses Kleinod sucht, wird es nicht ehr erlan-
Er hab erst
Des Höchsten Absicht ist, daß man des andern
Aus Lieb und Lust gerührt, allhie befördern sol;
Drum hat er in das Herz die Liebe ausgegossen,
Das aber leider jezt in Gift und Haß zerflossen.
Es wolte daß der Mensch dem andern hold und treu,
In reiner Lust geneigt, des andern Engel sey:
Allein der Haß regiert, zeugt Feindschaft, Rotten,
Und dadurch ist der Mensch, des andern Teufel
Die Liebe ist der Grund, ohn welcher nichts be-
Weil durch den Has und Neid, der Staat zu trüm-
Den
Es wären in der Welt der Fürsten güldne Thronen,
Mit Schwerdtern nicht besezt; mit Lanzen nicht
Wenn keine Feindschaft da, die zu derselben dringt.
Die Welt wär ohne Furcht, von Sorgen weit ent-
Wenn jeder Mensch als Mensch zu lieben nur ge-
Die Städte sind bewacht, von starken Mauren fest,
Warum? weil uns die Furcht nichts Gutes hoffen
Weil das Gesellschaftsband durch Haß und Neid
So hat man Vestung, Wall und Mauren bauen
So muß ein jedes Haus mit Riegeln seyn versehn,
Und durch die feste Thür der Bosheit wiederstehn
Wo wahre Liebe wohnt und Treue auf den Gassen,
Die sich mit Lieblichkeit in Freundschaftskuß um-
Da wär noch in der Welt, das schöne Paradies:
Der Ort wo Bitterkeit gewürzt von Liebe süß:
Allein wir suchen noch in diesen Eitelkeiten
Die Insel sichrer Ruh und der Zufriedenheiten;
Denn diese ganze Welt, der Nord und Süder Pol,
Der viele Länder hegt, ist stets von Feindschaft voll:
Wo die im Herzen kocht, von Galle überfliesset,
Da ist der Wohnplaz nicht, da man die Ruh ge-
Wenn jederman bedacht, wie er in Lieb allein
Den andern nüzlich wär; so würde Sonn und
Des dauerhaften Glüks die trüben Wolken min-
Die uns an wahrer Ruh der Seel, des Leibes hin-
Wo wahre Liebe wohnt; da ist kein Zank und Streit;
Wo dieses Feuer brennt, da paust kein falscher Neid,
Da suchet man auch nicht den Nächsten zu verläum-
Und ihn in Ruh und Glük, aus Misgunst anzu-
Die Liebe freuet sich bey eines andern Wohl,
Wenns einem übel geht, da ist sie Traurens voll.
Sie trägt des andern Last; bedekt des andern Feh-
Sezt dem der es verdient, des Lobes Ehren Mähler.
Die Liebe treibt uns an zur Uebung der Gedult,
Versagt nie, wo sie kan, dem andern ihre Huld:
Sie schliest die Dürftigkeit in ausgespannte Armen,
Und hilft das Elend auf, mit thränenden Erbar-
Sie lindert Schmerz und Noth, die einen andern
Und stärkt den der nach Trost in heisser Sehnsucht
Sie dienet wo sie kan, und daß ist ihr Vergnügen,
Wenn sie den andern kan ohn Eigennuz besiegen.
Sie brennt in stetem Trieb, und fühlet in der Brust,
Wenn sie dem andern nüzt, drob eine süsse Lust.
O! Tugend möchtest du doch da anjezo thronen,
Wo deine Schüler seyn, das heist wo Christen
Wie glüklich würde denn, wie ruhig unsre Welt,
Die da du bist entfernt, ein elend Krieger-Zelt.
Jhr Christen denket nach! wer will ein Christe
Der muß vor allen sich der Liebe recht befleissen;
Wo keine Liebe ist, da fehlt der Glaube auch,
Da ist stat Licht und Schein, nur Schatten, Ne-
Ein wahrer Christe seyn, und keine Liebe kennen,
Das heisset eine Glut, die ohne Glanz und Bren-