Die Lust deß Feldbawes.

By Martin Opitz

Wohl dem vnd mehr als wohl der weit von streit vnd Kriegen

Von Sorgen Angst vnd Müh sein Vattersgut kan pflugen

Lebt sicher vnd in Ruh noch wie die alte Welt

Vnd lieget nur allein mit seinem Veldt zu Veldt

Spannt Roß vnd Ochsen für darff sein Gemüth nicht krencken

Mit Armer schweiß vnd Blut weiß nichts von Wechselbencken

Von Wucher vnd Finantz ist alles Kummers frey

Daß nicht sein Haab vnd Gut im Meer gebliben sey

Darff auff der wüsten See mit seinem Schiff nicht schweben

Von Winden vmbgeführt da zwischen Todt vnd Leben

Ein Daumen dickes Brett: Gibt nicht auffs Bergwerck acht

Da Schach vnd Stoll sich offt verlieren vber Nacht.

Erwacht nicht von dem Schall der starcken Heerposaunen

Erschrickt nicht vor dem Plitz vnd Donner der Carthaunen

Wie zwar der Landsknecht lebt der Tag vnd Nacht das Land

So doch dem Meyer bleibt schützt mit gewehrter Handt

Er denckt nicht wie er komm hoch an das Brett für allen

Vnd könne Königen vnd Fürsten wohlgefallen

Tritt nicht auff schlüpffrig Eyß gibt seine Freyheit nicht

Vmb eine Hand voll Gunst die ch als Glaß zubricht.

Er läst sich auch nicht ein in frembder Leuthe Sachen

Verurtheilt niemand falsch hilfft krumm nicht grade machen

Steht nicht in sorcht vnd Trost helt für der Reichen Thür

Sein Hütlein in der Handt vnd kompt doch selten für.

Das alles darff er nicht. Er hat was er begehret

Sein Gut wirdt jhm von Gott auch wann er schlafft bescheret

Hat mehr als der sein Hertz nur bloß auff Reichthumb stellt

Vnd hat nit was er hat ist arm bey seinem Gelt:

Drumb geht er frölich hin führt jetzt die süsse Reben

An Vlmenbäumen auff daß sie beysammen kleben

Als ehelich vermählt: jetzt weil die Schösse klein

Bricht er was wild ist ab Impfft aute Sprößlin ein.

Nimpt bald die Schauffel her macht Furchen frey zufliessen

Dem Wasser vbers Feldt die Wiesen zu begiessen

So dürr vnd durstig sein spatziert bald durch das Graß

Das von dem Silbertaw des Morgens noch ist naß.

Bald stützt er einen Baum der von der Frucht gebeuget

Vor Last zubrechen will vnd sich zur Erden neyget.

Vnd etwan sicht er gehn dort in dem grünen Thal

Die Schafe Kälber Kühe vnd Ochsen vberal.

Schawt er dann vbersich so sicht er seine Geissen

An einem Felß das Laub von dem Gesteude reissen

Dabey jhr Mann der Bock mit Lust vnd frewden springt

Hört wie sein Hirte schön von seiner Phyllis singt.

Die hinder einen Baum sich hatte nechst verkrochen

Als er jhr schönes Obs vnd Blumen abgebrochen

Hört wie die braune Kuh im nechsten Thale brüllt

Daß jhre rauhe Stimm weit vbers Feld erschillt.

Bißweilen lehrt er auß den Honigmacherinnen

Ihr wächsin Königreich daß sie mit klugen Sinnen

Sehr artig auffgebawt nimpt auch zu rechter Zeit

Den faisten Schafen ab jhr dickes Wollenkleidt

Kompt dann nach dem er hat den Sommernutz empfangen

Der Obs- vnd Traubenmann der reiche Herbst gegangen

Wie frewt er sich so sehr wann er die Bieren ropfft

Vom Baume den er selbst vor dieser Zeit gepfropfft

Liest Aepffel von der Erdt die selber abgefallen

Vnd nimpt jhm nachmahls für die schönsten vnder allen

Beist vngeschelet an. Geht nachmahls zu dem Wein

Bricht reiffe Trauben ab die Purpur ähnlich sein.

Ist er von gehen laß mag er sich niderstrecken

Bald an ein schatticht Orth da jhn die Bäume decken

Bald in das grüne Graß an dem fürüber fleust

Das Wasser vnd durch hin mit stillem rauschen scheust.

Bey dessen grünem Randt die Feldhewschrecken springen

Vnd mit dem langen Lied jhr Winterleyd versingen

Der Vögel leichtes Volck mit lieblichem Gesang

Schreyt vberlaut vnd wünscht den Sommer noch so lang

Die schöne Nachtigall last sonderlich sich hören

Schwingt jhre Stimme hoch dem Meyersmann zu ehren

Die Frösche machen auch sich lustig an dem Bach

Vnd jhr Coax Coax gibt keinem Vogel nach.

Nicht weit von dannen kompt auß einem külen Brunnen

Ein Bächlein durch das Graß gleich dem Christall gerunnen

Drauß schöpfft er mit der Hand eh er sich schlaffen legt

Vom Murmelden gereusch deß Wassers angeregt.

Wann aber mit dem Eyß vnd rauhenscharpffen Winden

Der grawe Winter kompt so kan er doch was finden

Auch mitten in dem Schnee das nutzet vnd ergetzt

Weil er jetzt ein Wildschwein mit seinen Hunden hetzt:

Jetzundt ein flüchtig Reh in dem Gehege fellet

Bald mit dem weiten Garn den schnellen Hasen stellet.

Dann kompt er wann er hat vom Jagen vmbgekert

Lockt das Geflügel an auff seinem Vogelherdt.

Fangt etwan einen Kranch der in den Lüfften jrret

Durch alles Zauberspiel in seinem Flug verwirret

Das thewre Haselhun geht jhm nicht selten ein

Rebhüner auch so sonst die Zier der Tische sein

Verfüget er sich heim da hat er viel zu bawen

Macht Blancken zu dem Zaun schnitzt Flegel stihlt die Hawen

Ergäntzt den Pferde Zeug verwahrt das Taubenhauß

Strickt Netz vnd Jägergarn putzt alles sauber auß.

Schawt dann den Pfawenzu sicht wie die stoltzen Hanen

Die Hüner vbergehn lockt zu sich die Fasanen

Die Tauben haben sich gelägert vmb das Dach

Die Rantze laufft der Magd mit jhren Fercklein nach.

Darumb wie wolt er wol diß freye Leben hassen

Vnd nicht der Stätte Lust für seinen Wälden lassen?

Vornemblich auch wann jhm sein Weib entgegen kümpt

Vnd jhren lieben Mann frisch in die Arme nimbt

Hat keine Larve für ist schwartzbraun von der Sonnen

Ihr Antlitz ist geschminckt mit Wasser auß dem Bronnen

Ihr Hut ist Haberstroh jhr Küttel ist parat

Von Seyden die sie selbst zuvor gesponnen hat.

Sie macht ein Fewer auff ist mühsam vnd geschwinde

Laufft hin vnd milckt die Küh so bald als das Gesinde

Ergreifft den weiten Krug bringt seinen firnen Wein

Der nicht darff allererst mit Zucker süsse sein.

Dann decket sie den Tisch vnd setzt jhm für die Speisen

Darnach man nicht erst darff sehr viel Meil weges reisen

Vnd die das wilde Meer hier an das Land gebracht

Kaufft keinen Stöer der nur die Würtze thewer macht-

Kent nicht was Ostern sein weiß gar nichts von Lampreten

Die erst der weise Koch in Malvasier muß tödten.

Artschocken findet man in seinem Garten nicht

Melonen sein jhm auch nie kommen zu Gesicht.

Er helt bey sich viel mehr auff einen guten Schincken

Vnd eingesaltztes Fleisch das Lust jhm macht zu trincken

Sein bestes Essen ist Milch Eyer Honig Schmaltz

Für Spargen jßt er Kraut an statt der Würtze Saltz

Er lobt ein Lamb daß er dem Wolff erst abgejaget

Ein frischer Kalbskopff jhm für Straussenhirn behaget

Sticht ein jung Fercklein ab würgt einen feisten Han

Der vnwerth ist gemacht vnd nicht mehr Bulen kan

Die Aepffel schmecken jhm viel besser als Citronen

Rapuntzel Kressen Lauch Köhl Rüben Erbsen Bohnen

Saurampffer Peterlin Salat mit frischem Oel

Ist mehr jhm angenehm als Saffran vnd Canel.

Bey dieser seiner Kost er viel gesunder bleibet

Als der zu essen pflegt eh jhn der Hunger treibet

Was mancher thewer kaufft das zeucht er auß der Erdt

Sein Vorrath ist das Feld sein Holtz kompt auff den Herdt

In dem er also jßt hört er der Schafe Schellen

Die von der Weyde nun sich wider heimgesellen

Sicht wie die stoltze Gaiß will für dem Wider gehn

Wie seine feyste Küh mit vollen Eutern stehn

Bald sihet er darauff die Roß von weitem bringen

Den vmbgestürtzten Pflug vnd noch für Geilheit springen

Mit denen vnd zuvor sein muhsames Gesind

Eins nach dem andern sich gemach zu Hause findt.

Darauff sie an den Tisch heißhungrig nidersitzen

Vnd essen daß sie mehr als vor zu Felde schwitzen

Wann nachmahls allzugleich gesättigt sein vollauff

Schmeckt auß der grossen Kandt ein guter Trunck darauff.

Legt sich hernach zu Ruh schlafft frey von Angst vnd Sorgen

Biß jhn vnd sein gantz Hauß der Han weckt wann zu morgen

Aurora sehen läst jhr rosenfarbe Haar

Vnd mit dem klaren Schein verdeckt der Sternen schaar.

Es stehe wer da will hoch an des Glückes spitzen

Ich schätze den für hoch der kan hierunden sitzen

Es lobe wer da will den eusserlichen Schein

Ich lobe den der hier kan seine selber sein

Bleibt von dem bleichen Gifft deß Neydes gantz verschonet

Weiß von der Sünde nicht die in den Stätten wohnet

Vnd in den Winckeln steckt stellt da sem Leben an

Da seiner Vnschuld selbst der Himmel zeugen kan

Vertrawet Gott allein sein Wesen vnd Vermögen

Sicht alles vnder sich laufft seinem Todt entgegen

Vnd schewt sein Stündlein nicht. Der hat ein schweres Endt

Der allen ist bekandt vnd sich nicht selber kennt.