Die mannigfaltige Weisheit GOttes an den mannigfaltigen Geschöpfen im Reiche der...

By Johann Justus Ebeling

Die Mannigfaltigkeit der Dinge dieser

Welt,

Die uns des Höchsten Macht so sicht-

bar vorgestellt,

Zeigt uns dadurch zugleich der Weis-

heit klare Spuren,

Die alles klüglich wählt im Reich der Kreaturen.

Man sehe nur den Ball der dichten Erde an,

Wie viel und mancherlei drauf jeder schauen kann;

Man bringe jedes Ding zu den bestimmten Classen,

Wer wird die grosse Meng in alle Zahlen fassen?

Welch ein erstaunend Heer, wird man sogleich ge-

wahr,

Und ein jedwedes Ding, das Kleineste so gar

Zeigt seinen Meister an, der wenn man es erweget,

Darin ein Probestück der Weisheit abgeleget

Die unbegreiflich ist. Wie manche Art von Kraut

Wird im Gewächse-Reich nicht hie und da geschaut,

Das wir von anderen vor unterschieden halten,

So wegen seines Zweks; als wegen der Gestalten?

Die Forscher der Natur, die nur auf Kräuter sehn,

Die in den Gegenden, allwo sie wohnen stehn,

Vermögen nicht einmahl dieselbigen zu zählen,

Vielweniger wenn sie das ganze Reich erwählen

Zu ihren Augenmerk; da ein jedwedes Land,

Besondre Kräuter hegt, die andern unbekant:

Wer dieses überdenkt, wird sich nicht unterwinden,

Die mannigfaltge Art der Kräuter zu ergründen.

O! was vor ein Verstand der diese all erdacht,

Und eine jede Art in seine Form gebracht!

Als sie auf Erden stehn! O Weisheit sonder gleichen,

Die durch ein jegliches muß ihren Zwek erreichen.

Geht immer weiter fort, beschaut die größre Frucht,

Die

Bedenkt wie mancherlei ist die erschafne Menge,

An Formen und Gestalt, Geruch, Geschmak und

Länge

An ihrer Farben Zier, an äuserlichen Puz,

Wie sonderbar sie noch nach ihren Zwek und Nuz?

Und könnten wir das Reich der Pflanzen übersehen,

Die in den Thälern sind, die auf den Bergen stehen,

Die Ost, Süd, Nord und West in seinen Angeln

hegt,

O! welches Mannigfalt würd uns denn vorgelegt,

Darin die Weisheit sich den Menschen so gezeiget,

Daß sie schon den Verstand derselben übersteiget.

Der Thoren Tadelsucht nnd hämischer Verdrus,

Denkt woll der Früchten Meng sei nur ein Ueberflus,

Der spielenden Natur; sie sei also vorhanden,

Und aus der Fruchtbarkeit der feuchten Erd enstanden.

O! blinder Unverstand! woher in Feld und Wald

Die unterschiedne Art, woher das Mannigfalt,

Daß sich an allen zeigt? macht denn die schwangre

Erde,

Die ihre Früchte zeigt, daß auch die Bildung werde,

Die nur im Saamen stekt? entsteht das ohne Rath,

Das eine Blume roth und viele Blätter hat,

Die andre neben ihr der Blätter sanfte Seide,

Die in das weisse fällt, als wäre sie mit Kreide

Gefärbt und überschmiert? O! Wahnwiz, Unbedacht,

Dies zeugt das dieses so, von weisen

Jhr wollet dies gestehn, der Schöpfer der regieret,

Der alle Ding erhält, der würd daran gespüret:

Die Weisheit seht ihr nicht, an diesen Mancherlei,

Jhr glaubt daß so viel nicht, den Menschen nöthig sei;

Vielweniger dem Thier: Was solln in einen Garten,

Von Früchten, Blumen, Kraut so unterschiedne

Arten?

Jhr Tadler der Natur, ihr meistert

Darauf ihr spöttisch dreht, eur schielend Augenmerk;

Jhr seid den Kinde gleich, das keinen Vater liebet,

Darüber sündlich murrt, weil er zu viel ihm giebet.

Der Schöpfer lies so viel aus unsrer Erde gehn,

Das wir an jeder Frucht die Allmacht solten sehn;

Er schuf so mancherlei, daß wir daraus erkennen,

Daß er ein weiser

Kein Kraut spriest aus der Erd, und wenn es noch

so klein,

Es muß nach seinen Rath, auch wozu nüzlich sein.

Die Weisen irren zwar, die aus der Bildung

schliessen,

Wozu es nach dem Zwek des Schöpfers dienen müssen.

Die Schrift verstehn wir nicht, die auf den Blättern

steht,

Und wie der Adern Zug recht durch einander geht:

Mir deucht es ist daraus vielmehr der Spruch zu

lesen:

Das uns also gemacht, das ist ein weises

Wesen.

Die Weisheit zeigt sich auch, an der belebten Welt,

Darin das Mannigfalt ihr gleichfals woll gefält:

Man seh nur was im Reich der Thiere ist zu finden,

Wer wird sich das zu zähln von Menschen unter-

winden?

O! welch ein grosses Heer das in den Lüften fleugt,

O! welche Wundermeng! die in der Erde kreucht,

O! welche grosse Zahl! die zahm in Wiesen springet,

Den Menschen Woll und Milch zum Kleid und Nah-

rung bringet:

O! welche Art und Zahl von denen wilden Thieren,

Ist nicht in Feld und Wald, auf Bergen auszu-

spüren,

Die zu der Menschen Nuz, zum Zeugnis weiser

Macht,

In der beseelten Welt von

Die Weisheit spiegelt sich an Grossen und an Klei-

nen,

Die uns nach ihren Zwek zusammen künstlich schei-

nen.

Das zarteste Gewürm, das unser Fus zerknikt,

Zeigt uns, wenn wirs besehn, das darin abge-

drükt,

Des Meisters weise Kunst, die es so schön formiret,

Das es sich schlingelnd dreht; die es so schön ge-

zieret

Mit mannigfaltger Pracht, so wunderbahr bemahlt,

Als wenn auf seiner Haut ein Schild von Golde

strahlt.

Wie herrlich glänzet nicht, zu unsrer Augenweide

Der Ungeziefer Heer in ihren Sommerkleide?

Wenn sie beflügelt sich in warmen Lüften drehn;

Welch eine güldne Pracht kann man an denen sehn

Die um den zarten Leib mit Ringelein umgeben,

Und welch ein fladdernd Gold wenn sie die Flügel

weben,

Die durch den Sonnenschein, bald roth, bald blau

geschmükt,

Bald grün bald gelb wenn man sie in der Fern er-

blikt.

O! welche Liberei! ein Salamo im Kleide,

Von Scharlach hell gefärbt, von allerfeinster Seide

Ist nie also geschmükt, mit solchen Glanz und Zier,

Als ein so klein Geschöpf ein solches Wunderthier!

Was hat die Weisheit woll zu solcher Kunst bewo-

gen,

Womit sie solch ein Thier so herrlich angezogen?

Vermuthlich daß der Mensch der Schauer seiner

Pracht,

Daran mit Lust erseh, wer die Geschöpf gemacht;

Daß

Kleinen,

Die wenn sie ohne Glanz, uns sonst verächtlich

scheinen.

Und welch ein grosses Heer das in den Lüften

schwärmmt,

Wenn ein recht heitrer Tag im Sommer sie er-

wärmmt!

Da wimmeln ohne Zahl der Mükken grosse Schaa-

ren,

Da sumßt ein Wespenheer, die sich mit Bienen

paaren,

Hie braußt ein Käfer-Schwarm, da brummt ein

Fliegen-Heer,

Und eine jede Art trägt auch ihr Schuzgewehr;

Da wir theils Hörner sehn, theils Stachel oder

Klauen,

Kann man an diesen nicht der Weisheit Wunder

schauen?

Last uns von dieser Schaar zum Reich der Vogel gehn,

Die Mannigfaltigkeit nach ihrer Art besehn,

Derselben schlanken Leib, der Flügel Bau bemer-

ken!

So werden wir gerührt, den wahren Saz bestärken

Daß ihres Schöpfers Macht, sie weislich ausge-

schmükt,

Durch zarter Nerven Band die Glieder so verstrikt,

Daß sie ein Wunderwerk voll von verborgner Künste,

Ein knöchrichtes Geweb, ein fleischichtes Gespinste;

Wie gros und mancherlei ist der Geflügel Art;

Die unsers Schöpfers Wink recht wunderbar ver-

paart?

Man seh den Adler an, den König der Geflügel

Der seine Nester baut auf jene Berg und Hügel

Die bis zum Wolken gehn: Man stelle sich die

Schaar

Die in den Lüften fliegt, nach ihren Arten dar!

O! welche Wundermeng! die auch die Luft belebet,

In zwitschernden Gesang der Weisheit Ruhm er-

hebet,

O! welch ein Mannigfalt! an Grösse und Natur,

An Stimmen, Federn, Glanz, und was zur Kre-

tur

Der Vögel sonst gehört; Und wollen wir nur nen-

nen,

Die wir in unsern Strich des grossen Weltraums

kennen,

Welch Arten! welche Zahl! sind uns nicht hier be-

kannt,

Die unterschieden sind? Was hat das Morgenland

Vor andre Arten noch? Und was vor ein Gewim-

mel,

Von Vögeln fremder Art schwebt untern Westen-Him-

mel?

Und andre wiederum sind untern Süderpol,

So gar das Wasserreich ist auch von Vögeln voll,

Die unterschiedlich sind, wie die mit Lust erwogen,

Die auf der glatten Fluth, die fremde Welt um-

zogen.

Der GOttheit Finger strahlt, aus jeglichen her-

vor,

Die Weisheit läst sich hörn in diesen Sänger-Chor,

Wenn die erregte Luft, durch hellen Schall gerüh-

ret,

Die süsse Harmonie durch Ohr zum Herzen führet.

Die helle Nachtigal, die holde Busch-Siren

Die Sänger-Meisterin im zwitschernden Gethön

Regiert gleichsam das Chor durch ihr bezaubernd

Singen,

Die Lerche folget nach; welch mannigfaltig Klin-

gen

Erwekket das Gehör! die Grasemükke schnarrt,

Ein andrer pfeift, der gluchzt, wenn dieser ängst-

lich knarrt.

Die Turteltaube girrt, die lacht, die schreit, und

jene

Mischt einen andern Klang in das verwirrt Gethöne.

Der Gugguk rufet nach, die Wachtel lokt und schlägt

Der Sperling schwirrt darein, die Drostel wird be-

wegt,

Und stimmet auch mit an, bis endlich noch die En-

le,

Die stille Nacht erwekt, durch fürchterlich Geheule.

So viele Thöne gehn, und ist ins Chor vorbei;

So hört man wiederum, ein anderes Geschrei:

Wer den Gesang versteht, der wird aus allen Chö-

ren:

In süsser Harmonie, aus jeder Kehle hören:

Wir singen mancherlei, der unterschiedne

Klang

Stimmt dennoch überein; es ist ein Lobge- sang,

Den wir dem ewgen GOtt und seiner Weis- heit weihen,

Der durch den Unterschied gestimmter Me- lodeien

Dem Menschen angezeigt; daß die Verän- derung

In unsern Lustgethön, ihn zur Bewunde- rung

Der Weisheit und der Macht, durch steten Zuruf leite;

Daß er nach seiner Art der GOttheit Ruhm ausbreite.

Was ihre Stimme lehrt, das legt des Körpers

Bau,

Dem forschenden Gemüt zum wunderbahren Schau:

Man sieht mit einen Blik, an diesen Kunst-Ge-

bände,

Des Schöpfers weisen Zwek, die Allmacht seiner

Hände.

Der Kopf ist zugespizt, zum Fliegen eingericht,

Indem das Vogel Heer damit die Luft durchbricht,

Daß wenn sie in der Höh die freie Bahn durchren-

nen,

Sie mit denselbigen die leichte theilen können.

Ein neues Wunderwerk wird an der Brust erkant,

Man wird daran gewahr ein starkes Knochen Band

Das dienet sie zum Schuz, wenn etwa auf dem

Wegen,

Ein harter Wiederstand im Fluge käm entgegen;

Wie weislich siehet man die Beine eingebeugt,

Das wenn ein Vogel fliegt, und solche an sich neigt

Die Zehen vorwerts kehrn, damit sie sich gleich hal-

ten,

Wenn sie um einen Zweig die krummen Klauen

falten.

Sie klammern sich damit, da wo sie sizzen an,

Das auch kein Vogel nicht vom Baume fallen kann,

Wenn er im hängen schläft; weil die gezognen

Krallen,

Sich um ein zartes Reis gleichsam zusammen schnal-

len.

Der ganze Leib der ist mit Federn überdekt,

Die zartesten die sind um Hals und Brust gestekt,

Die härtesten die sind, in Flügel eingeschränket,

Weil dadurch wird ihr Leib getragen und geschwen-

ket

In einer freien Luft. Der zarten Flügel Paar,

Die Fäserchen die schön an diesen Flügeln hangen,

Die machen Seegel aus, die gleichsam wie an Stan-

gen,

Gesteift und ausgespannt, und wenn sie stark be-

wegt,

So hebt der Vogel sich, der sich dadurch fortträgt.

Wie weislich sind sie nicht der Lage nachgesezzet

Damit das Gleichgewicht des Körpers nicht verlez-

zet:

Wie sind die Federchen der Flügel aufgepaßt,

Da in Zusammenzug die ein ans andre faßt?

Wer dieses überdenkt; der muß gerührt bekennen,

Dies sei ein Meisterstük der weisen Macht zu nen-

nen.

Die feuchte Wasserwelt zeigt manche Kreatur,

Die in den Meeren, Seen des Reiches der

Natur

In Flus und Teichen sind, ja in den Pfüzzen

stekken,

Und jeden der es sucht, der Weisheit Kunst ent-

dekken,

O! welch ein Mannigfalt, lebt nicht im Element

Des Wassers, welches man, noch nicht der Art

nach kennt,

Weil dieses schwimmend Heer ja grosse Meeren

füllet

Wo Wasser untern Eis, und harten Schollen

schwillet

Die nie recht untersucht. Welch Wunder sieht man

nicht

Jm kalten Nordmeers Schlund, wenn man das

Eis durchbricht?

Die in den kalten Flus, als wie in warmen Wellen,

Als scherzend im Gespiel ohn kaltes Schaudern

schwellen.

Und gleichsam springend sich in ihren Wirbeln drehn?

Die wie ein schneller Pfeil, bald rück-bald vorwerts

gehn,

Und sich in reger Lust in feuchten Wüsteneien,

Wo sie bei Schaaren gehn, in steter Kurtzweil

freuen.

Mein

Wunder schaut,

Die Du nach weiser Kunst bald so, bald so erbaut;

Wenn man mit Andacht sieht, wie tausend Mil-

lionen

Von Fischen fremder Art, in feuchten Tieffen

wohnen.

Der Wallfisch, den dein Arm zum Ungeheur ge-

macht,

Kommt uns hier billig erst vor andern in Betracht,

Die fürchterliche Größ, die Deine Größ abspiegelt,

Ist wunderbahr erdacht, mit Festigkeit verriegelt.

Er rudert da einher; so thürmen sich die Wogen

Und sprizzen in die Höh bis an die Wolken-Bogen.

Er schnaubt und schluket gleich auf einmahl Wellen

ein,

Der Schiffmann wird erschreckt ob seinen grausen

Spein.

Er athmet: alsobald fängt auf sein starkes Blasen,

Das Meer mit Ungestüm, recht grausam anzurasen.

Das Seepferd folgt ihm nach, das ungeheure schön,

Doch wer kann dieses all mit Achtsamkeit besehn,

Was ein entferntes Meer in seinen Busen heget,

Da jeder Wasserflus, ganz neue Wunder träget?

Wir merken nur dabei zum Schöpfers Preise an,

Daß sich die weise Macht in allen kund gethan.

In Grossen ist sie groß, nicht minder in den Kleinen,

Die mehr als tausendfach in ihrer Art erscheinen.

So volkreich, so bepflanzt sind Flüsse, Seen und

Meer,

Es wimmelt recht darin das Zahlreich Schuppen

Heer,

Das sich bald in der Höh, bald in der Tieffe zei-

get,

Wenn es in schneller Flucht, bald auf, bald abwerts

steiget.

Die Weisheit hat den Bau der Fische so bestimmt,

Wie ein Geschöpf sein muß, das in dem Wasser

schwimmt,

Der Leib ist dicht und fest mit Schuppen überschnü-

ret,

Mit Panzern angethan, mit Harnisch ausgezieret

Die zarten Federchen, die man Flosfedern nennt,

Die nüzzen einen Fisch, wenn er die Flut durch-

rennt.

Zu seinem Gleichgewicht, sonst würd er taumelnd

wanken.

O! wie gar tief sind nicht des Weisesten Gedanken,

Der diese Kreatur mit einen Schwanz verfehn,

Der lang und schmeidig ist, sich dadurch fort zu

drehn,

Der Fische innrer Bau ist künstlich ausgefunden,

Die Theilgen sind daran recht weislich auch verbun-

den.

Die Lunge fehlet hier, damit man Othem schnappt,

Die Weisheit hat dem Fisch mit solcher nicht be-

gabt,

Weil er im Wasserreich, bei dem geschwinden Ren-

nen,

Nicht würde in der Flut, die Lufft einziehen kön-

nen,

Als wie ein Erden-Thier, das in den Lüfften lebt,

Als wie ein Lufftgeschöpf, das in der Höhe schwebt.

Dagegen haben sie die so genannten Ohren,

Die weislich ausgedacht, die klüglich auserkohren,

So künstlich angelegt, mit Oeffnungen versehn,

Wodurch die Wasser gleich die eingeschlukt, fort

gehn.

Der Fische Unterleib der seine Blasen träget,

Ist von der weisen Macht recht weislich angeleget.

Die Blasen voller Lufft, die nach dem Augenschein,

Bei einen jeden Fisch, gedoppelt, zwiefach sein,

Die dienen ihm zum Fall, und und auch zu seinen

Steigen;

Wenn er sich in die Höh in seinen Schwimmen

sehnt,

So wird der Körper breit, die Blase ausgedehnt;

Will er zum tieffen Grund der schnellen Wasser-

wogen

So wird die Blase nur durch Muskeln angezogen;

So wird der Körper schmahl; so wird der Blasen

Röhr,

Die von der Lufft gefüllt, von ihren Dünsten leer.

Die erste Blase ist am Hinterkopf verschränket,

Und wie im Schlos verwahrt, dadurch die Lufft sich

senket

Bis zu der hintersten, die solche weiter dringt,

Durch eine schmahlen Röhr zu den Gedärmen

bringt

Bis sie den Ausgang sucht: Dies alles dient zum

Schwimmen.

So muß der Fische Leib gar schön zusammen stim-

men

Mit ihren Element. Der göttliche Verstand,

Der alles woll erdacht, wird daraus gnug erkannt;

Last uns nun weiter gehn, die Erdenthier erwegen,

Die uns auch ebenfals klar vor die Augen legen,

Wie mannigfaltiglich mit Zahmen und mit Wild,

Die Weisheit Berg und Thal und Feld und Wald

erfüllt.

Wer zählt der wilden Art im Wald und im Ge-

büschen,

Die grausam heulen, brülln, die brummen, giftig

zischen

Mit Hörner, Krallen, Klaun, mit Tatzen, schar-

fen Zahn,

Als starken Schuzgewehr, versehn und angethan.

Das Mannigfalt erscheint in denen Thiere-Garten,

Wo Löwen, Tieger, Bär, Hirsch, Schwein und

andre Arten

Wie manche finden sich, die ihren Auffenthalt

In Rußlands Wüstenei, in Polens dichten Wald,

Die uns hier unbekand; wie manche sind verborgen,

In fremden Gegenden gen Mittag, Abend, Mor-

gen?

Die wir nicht ohne Furcht, ohn innerliches Grauen,

In einen Bildersaal, als todt gemahlt, beschauen.

Dergleichen Ungeheur, die können uns doch lehren,

Wie

ehren,

Die wild sind von Natur. Ein achtsam Augen-

merk,

Eutdekkt mit Lust daran manch reizend Wunder-

werk:

Indem er jegliches mit Gliedern ausgerüstet,

Mit starker Macht versehn, mit Knochen ausgebrü-

stet

Die weislich nach den Zweck, den er dabei erdacht,

Zu seines Nahmens Ruhm, recht künstlich sind ge-

macht.

Und dies erhellet auch an denen zahmen Thieren,

Die er also gewust, recht wunderbahr zu zieren,

Daß wir stets andre sehn, von einer andern Art,

Die er mit Knochen, Haut von aussen so verwahrt,

Wie es den Thieren nüzt, wie es der Zweck befiehlet,

Den seine Vorsehung dadurch hat abgezielet.

Der innerliche Bau, der Eingeweide Schaz,

Gedärme, Adern, Herz, die haben ihren Plaz

Und die Verbindung so, in ihren Kunstgeweben,

Wie es die Nahrung heischt, dadurch dieselben leben.

Die Röhren sind also im Körper angehängt,

Der Nerven festes Band ist so gewirkt, gelenkt,

Daß sie dem ganzen Leib als einer Kunstmaschinen

Zu der Empfindungskrafft und Sinnligkeiten dienen.

Die Weisheit wirket nie, ohn einen sichren Grund,

Der Saz der wird auch hie zu

kund

Bei einen jeden Thier, daran gar leicht erhellet,

War um ein jedes Stük, nicht anders sei gestellet,

Als man es würklich sieht? Und daraus folgt der

Schlus:

Es zeige uns daran,

Den Reichthum seiner Macht, und ein unendlich

Wissen,

Das mancherlei ersehn und auch erschaffen müssen.

Der Mensch das Hauptgeschöpf in der sichtbahren

Welt,

Der wird, wenn mans erwegt, uns auch so vor-

stellt,

Daß wir mit Lust daran ein Zeugnis sehen können,

Wie mannigfaltiglich, die Weisheit sei zu nennen

Die dieses Meisterstük vor andern herrlich schmükt,

Darinnen sie ihr Bild recht sichtbahr abgedrükt.

Sie sind zwar wenn man sie zu ihrer Gattung brächte,

Nur von dem mänlichen und weiblichen Geschlechte.

Allein der Mensch lehrt doch des Höchsten Weisheit sei,

Bei dieser einzgen Art sehr gros und mancherlei

Was für ein Unterscheid sieht man im Bildungs-

Zügen

Vornemlich des Gesichts und dessen Theilen liegen?

Der Schauplatz dieser Welt von Menschen angefüllt,

Zeigt uns so manchen Mensch; so manch besonders

Bild

Da keines Angesicht dem andern völlig gleichet:

Und dadurch ist der Zwek der Weisheit auch erreichet

Die die Verändrung liebt; und bei der Aehnligkeit,

Ist, wenn mans gnau ansieht, noch stets ein Unter-

scheid.

Der Menschen sind zwar viel, die auf der Erde woh-

nen,

Es faßt sie keine Zahl, von vielen Millionen:

Und dennoch findet sich von allen keiner nicht,

Der einen andern gleich an Linien im Gesicht:

Was man etwan erzählt, ist schwerlich zu beweisen,

Von denen die ganz gleich, nach den Gesichtes-Kreisen.

Hieraus erkennen wir den weisesten Verstand,

Der alles ändern kann; und eine Allmachtshand

Die unbegreiflich weiß, durch wunderbahr Verbinden

Des Schatten und des Lichts, den Unterscheid zu finden.

Die Mischung des Geblüts, der Neigung Temprament,

Was man Gemüthsart sonst, und Leidenschaften nennt,

Sind ebenfals zertheilt, die sich wie Erd und Sternen,

In ihren Unterscheid, aufs weiteste entfernen.

Der ist hie zu geneigt, der andre will das nicht,

Der saget hiezu Ja, wenn der verneinend spricht:

Was diesen woll gefällt, das will dem nicht mehr

schmekken,

Und pflegt ihm oftermahls woll Ekkel zu erwekken,

Der dritte wünschet was, das doch der vierte flieht,

Der eine ist hier nach, der andere dort bemüht.

Welch! Mannigfaltigkeit der Stände die verbunden

Hat

So mannigfaltiglich der Menschen Eigenschaft

Verstand und Wille ist, und Seel und Leibeskraft:

Geschäfft und Lebensstand; so vielfach die Naturen

So unterschiedentlich die vielen Kreaturen:

So vielmahl sehen wir, daß unser Zebaoth,

Sich in der Welt uns zeigt, als ein allweisser GOtt;

Der in der ganzen Welt, an Früchten Baum und Hügel

An Menschen und am Vieh zeigt lauter Weisheits

Spiegel

Wenn wir mit kühnen Blik uns von der Erd erhöhn,

Und die Beschaffenheit der Geister-Welt besehn:

So dünkt uns daß wir dort in jenen ewgen Auen,

Auch ein solch Mannigfalt an Engeln selbst beschauen.

Die Offenbahrung zeigt der Engel

Woraus man dies gewis vernünfftig schliessen kann:

Sie lehrt daß

phinen,

Herschafften, Fürstenthum und Kräffte, Che-

rubinen

Und die

In freudigen Genus der ewgen Seligkeit:

So wird das Mannigfalt in jenen ewgen Welten,

Zur Weisheit höchsten Ruhm, vermuthlich ferner

gelten.

So unterschiedentlich nun dieses alles ist,

Was man mit Augen sieht, und was man hört und

liest:

So muß es darin doch zusammen sich vereinen,

Es soll o! grosser

scheinen.

O! Weisheit deren Glanz so weit der Himmel geht,

Wie hat sich dein Verstand für aller Welt erhöht!

Ach! schärffe unsern Geist, daß wir dies stets er-

wegen,

Wie mannigfaltiglich die Ströme deiner Seegen,

Wie gros die Wunder sein, die du dadurch gethan,

Daß man so vielerlei auf Erden sehen kann.

Ist jedes Ding schon werth, daß mans bewundern

müsse,

Daß man die weise Macht, die drin verborgen wisse:

Was vor ein grosses Buch ist denn die ganze Welt,

Die ein unzählbahr Heer von Wundern in sich hält:

Mein Sinn erstaunt darob, von Millionen Zungen,

Wird deiner Weisheit Ruhm nie gnug gelobt, be-

sungen.

Jemehr man sieht und hört, jemehr entdekken wir,

Es kommt uns alles doch, als unbegreiflich für:

So gros ist deine Größ, daß wir daran bemerken

Sie sei unendlich schon in den erschaffnen Werken.

Der Glanz der Unterwelt zeigt deine Herrlichkeit,

Es ist ein Schattenbild von der Vollkommenheit

Die sich in dir verbirgt, wer will sich träumen lassen,

Unendlich weises All! dich in ein Lied zu fassen?

Dich rühmet alle Welt, die Du mit Pracht geziert,

Das ist der Menschen Pflicht; weil dir doch Lob

gebührt:

Ach! so verschmähe nicht ein unvollkomnes Dichten,

Daß dir die Pflichten will der Menschlichkeit ent-

richten.

Gib daß ich in der Zeit, im Reiche deiner Macht,

Nehm diese Schuldigkeit, als meinen Dienst in

acht.

Laß mich in künfftigen von meinen Lebens Jahren,

Darinnen ungesäumt mit froher Lust fortfahren.

Ist diese Zeit vorbei, geh ich zum Ewgen fort;

So führe mich von hier zu jenen Freuden-Ort,

Wo deine Weisheit sich noch heller uns verkläret,

Und wo die selge Schaar dich vollenkomner ehret.

Da will ich dich noch mehr in Ewigkeit erhöhn,

Wenn ich das werde dort, was hier verborgen sehn;

Da soll mein Lied dich stets als den alleine Weisen,

In jenen Engel Chor, nach Art der Engel preisen.