Die Mäßigkeit.

By Johann Justus Ebeling

Der Mensch braucht Speiß und Trank den Körper zu ernährn,

Die Vorsicht muß dies auch zur

Die Güte schenket uns im weiten

Die Mittel, dadurch wir gesund erhalten werden.

Der Körper ändert sich bei jedem Augenblik,

Es fliegt ein Theilgen weg, als unsers Leibes Stük;

Er dunstet immer aus, und was er hat verlohren,

Wird durch die Speiß, den Trank auch wieder neu-

Was die Natur verliehrt das wünschet sie ersezt,

Darum verlanget sie was unsern Leib ergözt,

Die Speise und den Trank; die diese Triebe

Die pflegen solchen Durst und Hunger zu benennen.

Und wenn der Mensch genug, von Speiß und

So ist das ein Beweis, daß das der Körper hat,

Was er zur Nahrung braucht, und daß er das

Was durch die Ausdünstung vorhero weggegangen.

Wer nun nicht mehr begehrt, als vorher ist ver-

Als das, was die Natur sich zu erhalten braucht,

Der lebet mäßiglich: und wer ein Mensch will heissen,

Muß sich der Mäßigkeit in Speiß und Trank be-

Die Mäßigkeit ernährt, die Uebermaß verdirbt,

Zeugt einen siechen Leib, bis das er gar erstirbt;

Ein Lampe brennet gut so lang er Oel geniesset,

Erstikket und verlischt, wenn er ganz überfliesset.

Soll die Gesundheit blühn; so braucht man Speiß

Geniest man das zu viel; so wird der Körper krank,

Zur Arbeit ungeschikt, wird schläfrich und verdrossen,

Weil er mit Uebermaß die Nahrung hat genossen.

Es ist des Menschen Pflicht sein Leben zu ersparn,

In dem gesunden Stand den Körper zu bewahrn,

Mit der Bedingung hat der Schöpfer uns das

Dem Geist, des Körpersbau zur Wohnung eingege-

Und das geschiehet auch ohn allen Wiederstreit,

Durch rechte Ausübung der wahren Mäßigkeit;

Die eine Panacee wodurch man sich verwahret

Und wer dieselbe braucht, der hat viel Geld ersparet.

Wer wahre Tugend liebt, und auch sein eignes

Wie jeder Mensche muß, und wie ein Christe soll;

Der fasset den Entschlus die Feinde zu verdringen,

Die Neigungen die uns zur Uebermaasse zwingen.

Die Grenzen die uns sind von der Natur gesezt,

Die werden eh mans denkt, bei unsern Thun verlezt.

Wie leicht geschieht es nicht bei Trinken oder Essen,

Wenn wir dieselbigen nach dem Geschmak ausmes-

Des Schöpfers Weisheit hat uns den Geschmak

Daß wir was uns nicht nüzt, zu unserer Nahrung,

Daß wir mit Wollgefalln die Kost, den Trank ge-

Die seine Gütigkeit uns suchet einzuflössen.

Allein wenn der Geschmak soll einzig Richter seyn;

So giessen wir zu viel in unsern Magen ein;

So können wir gar leicht zu unsern eignen Schaden,

Den innerlichen Bell, den Magen überladen.

Wo aber die Vernunfft das Maas dabei bestimmt,

So wird der Mensch gewohnt, daß er nicht weiter

Als das was die Natur muß zur Erhaltung haben,

Die Kräffte zu vermehrn, sich wiederum zu laben.

Wer seiner Nahrung Zwek aus blinden Trieb ver-

Und blos aus Ueppigkeit, was schmekket, trinkt und

Der wünschet wie ein Vieh zu der Begierden Freude,

Die unersätlich sind, die überflüßge Weide.

Ein Mäßiger bedenkt bei fetten Ueberflus,

Wenn ihn die Kehle reizt, auch allmahl den Ver-

Den der empfinden wird, der alles in sich schlinget,

Und seines Körpers Bau, dadurch nur Schaden brin-

Und dies beweget ihn sich klüglich vorzusehn,

Er ißt nicht was ihm schmekt; er sieht die bangen

Die aus der Uebermaaß, als böse Früchte keimen,

Er scheut sich vor der Last, vor Unruh, schweren

Vor Grimmen seines Bauchs, vor Angst und

Vor dem erfolgenden und plözlich schnellen Todt.

Vor alles Ungemach, das daraus dreinst entspringet,

Wenn man der Kehle folgt, und alles in sich schlinget.

Er sieht den Schaden ein, den von dem Ueberflus,

Die edle Seele selbst alsdenn erleiden muß,

Die in des Körpers Dunst, als wie in Pfüzen lieget,

Und einen Vogel gleich der wenn er aufwerts flieget,

Stets wieder nieder sinkt; weil wenn er sich erhebt,

Die klebricht schwere Last an seinen Flügeln klebt.

Da wo die Mäßigkeit den giergen Gaum regieret,

Wird nicht so starker Trieb zur Lasterbahn verspüret.

Wo Bachus Becher fehln, da herrscht die Venus nicht;

Die wie ein Wirbelbraus durch alle Riegel bricht,

Und schäumend überschwemmt was Keuschheit, Zucht

Derselben aufgestellt zu einer Gegenwehre.

Da hat die Lasterbrut die in dem Herzen stekt

Die geile Nahrung nicht, die ihren Keim erwekt;

Da kan der Satan auch durch listiges Bemühen,

Die Seele nicht so leicht in seine Nezze ziehen,

So vielen Vortheil bringt die reine Mäßigkeit,

Die so gepriesene, belobte Nüchternheit;

Sie kan im Christenthum zu einem heilgen Leben,

Bei himmlischen Gedein auch Lust und Nuzzen geben.

Jhr Menschen! jaget nach der Tugend die euch

Entziehet euch der Bahn wo man den Lastern fröhnt;

Wolt ihr den Schöpfer recht, wie sichs gebührt,

So dürffet ihr euch nicht mit Speiß und Trank

Ein nüchternes Gemüt, die mäsige Natur,

Gefällt der Gottheit wohl; der Teuffel liebet nur

Die Seelen die bedekt im Ueberfluße schwemmen,

Und der Begierden Reiz durch kein Gesez umdämmen.

Soll aber euer Trieb nicht auf die Wollust gehn,

So müßt ihr jederzeit auf solche Mittel sehn,

Wodurch der rege Geist der gern derselben fröhnet,

Wird von der Fleischeskost der Sinnen abgewöh-

Die Weisen geben uns auch schöne Regeln an,

Davon die eine heist:

Stat süssen Himmelbrodts, will Fleisch und Knob-

Wo der Verstand regiert, Vernunfft das Scepter

Da ist die Residenz wo ihren Hofstaat hält,

Die keusche Mäsigkeit. Die Seele ist verdorben,

Wenn die Begierden sich das Regiment erworben;

Weil sie mit Ungestüm, mit rauschender Gewalt

Als eine Wirbelfluht, ohn allen Auffenthalt

Den Willen dahin ziehn, wohin ihr Trieb sich neiget

Der als ein Sclave sich ins Joch geduldig beuget.

Drum ist die Regel gut:

Eh er die rege Wuth in unsern Fleisch voll- strekt:

Man zäume ihm recht fest; sonst wird er sich erregen,

Und ehe man es meint den Zügel uns anlegen.

Die Weisen welche sich mit rechten Ernst bemühn,

Das menschliche Geschlecht den Lastern zu entziehn,

Die geben auch den Rath:

D

Weil unsre Seele nie in stiller Müsse ruht,

Sie denket, sie verlangt, und muß auch etwas ha-

Womit sie ihren Trieb, die Sehnsucht könne laben.

Gibt man den Geiste nicht die Nahrung die ihm

So schweiffet leichtlich aus der schon verdorbne Wiz;

So sucht er eine Lust, ein sinnliches Ergözen;

Er pflegt das als ein Gut das herrlich ist, zu schä-

Weil er nichts bessers kennt. Da kan es leicht ge-

Daß die Begierden ihn auf einem Abweg drehn,

Darauf er nichts verlangt, als solche Kost zu schmek-

Die billig einem Geist nur Ekkel muß erwekken.

Man sieht die Warheit gleich bei jedem Kinde ein,

Wenn es sonst nichts zu thun; so muß gegessen seyn;

Es denket stets darauf; weil es sonst nicht zu den-

Wird man ein Puppenwerk zum Zeitvertreib ihm

Ist es so gierig nicht. Warum? weil es was hat,

Daran sein Herze klebt. Man folge diesen Rath,

Beschäfftige die Seel mit Nahrung die sich schikket;

So wird der rege Trieb allmählig unterdrükket,

Der sonst zur Völlerei und Ueppigkeit verführt,

Dadurch der Geist die Krafft zum Guten bald ver-

Denn wer nichts gutes thut, der muß was böses

Wer sich zum Fleis gewöhnt, der wird auch mäßig