Die mit der himmlischen verwechselte Welt-Music Bey beerdigung Frauen von Rehdi-...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Nachdem des glückes ball der liebe gauckel-spiel

Princeßin Anna ward aus Engelland vertrieben

Weil könig Heinrich nicht ihr wesen konte lieben

Und seiner alten haut ihr marmol mißgefiel;

Riß das betrübte kind den wechsel ihres orden

Der ihr vor sonnenschein nun drachen-blicke gab

Vor grosser hertzens-angst in einer lauten ab

Mit dieser überschrifft: Sie ist zu thränen worden.

Wer heute noch den thon der sterbligkeit erreicht

Wird wie taranteln auch leicht in den adern fühlen

Daß unser gantzes thun nur süssen saiten-spielen

Und unser glücke sich mit schwachen lauten gleicht.

Denn wenn die saiten offt am allerhellsten klingen

So wird das gantze spiel durch einen bruch verrückt;

So wenn den sterblichen der freuden anfang glückt

Muß offt das ende nichts als schwere thränen bringen.

Wir fangen schon die lust in kinder-röcken an

Und wissen weder maaß noch grentzen auszusetzen;

Wenn bald ein apffel uns bald zucker mehr ergetzen

Als Affen honigseim im hunger trösten kan.

Die erste stimmung sind die lustigen geberden

Daß lachen aber ist das wahre saiten-spiel;

Doch wenn die mutter uns das gringste nehmen will

So sieht man spiel und lust zu saltz und thränen werden.

Mit zeit und alter wächst auch die ergetzligkeit

Wie farben mit der frucht und schatten mit den zweigen

Der läst sein hochmuths-lied biß an die wolcken steigen

Ein ander wird durch gold- und silber-klang erfreut;

Doch weil man ohne tact daß beste lied verderben

Mit vielem klange nur das ohre schwächen kan;

Was wunder ist es denn daß aberwitz und wahn

Nach unterbrochner lust auch saure thränen erben?

Die schönste stimmung ist die nach der liebe klingt

Was aber muß auch hier vor lange zeit verschwinden

Eh man den rechten thon der hertzen lernt ergründen

Und alle regungen in reine noten bringt?

Ja wenn auch mann und weib wie der magnet mit norden

In ihrer liebe gleich und beyde stimmig seyn:

So stellt der blasse tod das gantze spielen ein

Und schreibt auff ihre lust: Sie ist zu thränen worden.

Mein Herr sein liebster schatz der auff der bahre liegt

Und stets mit seiner brust ein gleicher thon gewesen

Läst hier die sichre welt am allerbesten lesen

Was lieb und lauten-spiel vor harte brüche kriegt.

Ihr hertze wolte gleich mit neuer stimme fliessen

Und durch ein süsses pfand sein glücke recht erhöhn

So heist der himmel sie im spielen stille stehn

Und ihn sein liebes-lied mit heissen thränen schliessen.

Was flößt betrübter wohl mehr gall und wermuth ein?

Was aber kan uns auch mehr licht und anlaß geben

Wie man auff erden schon zum himmel sich erheben

Und unsre seele soll der engel lust-spiel seyn?

Denn was hier weltlich klingt muß wie die welt verderben;

Wer aber hertz und brust nach GOttes wesen stimmt

Der kan wenn alles gleich in saltze fast zerschwimmt

Bey seinem spielen doch noch ohne thränen sterben.

Und dieses eben hat die selige bedacht;

Wenn sie wie Memnons bild die stimme von der sonnen

Der freuden hellen thon von GOttes licht gewonnen

Und ihm als nachtigall ein täglich opffer bracht:

Wenn sie wie Augustin die augen ihr verbunden

Die geile hinderniß der erden abgeschafft

Und aus der andacht offt mehr honig-reiche krafft

Als ein verliebtes ohr aus harffen-klang empfunden.

Der abgesagte feind der frommen unter-welt

Floh ihren schwan-gesang wie crocodile flöten

Den eyfer wuste sie mit schöner art zu tödten

Der wollust füsser thon hat nie ihr hertz gefällt.

Drum tritt sie voller glantz nun in den himmels-orden

Da sie der engel hand mit neuer lust erfreut

Und auff daß bittre saltz der alten traurigkeit

Die göldnen worte schreibt: Sie ist zu zucker worden.

Ists so betrübtester so weint er ohne recht;

Denn kont’ ihr liebes-klang auff erden ihn ergetzen

Wie kan ihr wechsel ihn denn itzt in trauren setzen

Da GOtt nur seine lust zu ihrem nutzen schwächt?

Ein Christ muß schmertz und leid wie dornen lernen fühlen

Mehr auff der rosen werth als ihre stachel sehn

Und dencken daß kein weh denselben kan geschehn

Die durch die thränen sich hier in den himmel spielen.