Die mit der himmlischen verwechselte Welt-Music Bey beerdigung Frauen von Rehdi-...
Nachdem des glückes ball der liebe gauckel-spiel
Princeßin Anna ward aus Engelland vertrieben
Weil könig Heinrich nicht ihr wesen konte lieben
Und seiner alten haut ihr marmol mißgefiel;
Riß das betrübte kind den wechsel ihres orden
Der ihr vor sonnenschein nun drachen-blicke gab
Vor grosser hertzens-angst in einer lauten ab
Mit dieser überschrifft: Sie ist zu thränen worden.
Wer heute noch den thon der sterbligkeit erreicht
Wird wie taranteln auch leicht in den adern fühlen
Daß unser gantzes thun nur süssen saiten-spielen
Und unser glücke sich mit schwachen lauten gleicht.
Denn wenn die saiten offt am allerhellsten klingen
So wird das gantze spiel durch einen bruch verrückt;
So wenn den sterblichen der freuden anfang glückt
Muß offt das ende nichts als schwere thränen bringen.
Wir fangen schon die lust in kinder-röcken an
Und wissen weder maaß noch grentzen auszusetzen;
Wenn bald ein apffel uns bald zucker mehr ergetzen
Als Affen honigseim im hunger trösten kan.
Die erste stimmung sind die lustigen geberden
Daß lachen aber ist das wahre saiten-spiel;
Doch wenn die mutter uns das gringste nehmen will
So sieht man spiel und lust zu saltz und thränen werden.
Mit zeit und alter wächst auch die ergetzligkeit
Wie farben mit der frucht und schatten mit den zweigen
Der läst sein hochmuths-lied biß an die wolcken steigen
Ein ander wird durch gold- und silber-klang erfreut;
Doch weil man ohne tact daß beste lied verderben
Mit vielem klange nur das ohre schwächen kan;
Was wunder ist es denn daß aberwitz und wahn
Nach unterbrochner lust auch saure thränen erben?
Die schönste stimmung ist die nach der liebe klingt
Was aber muß auch hier vor lange zeit verschwinden
Eh man den rechten thon der hertzen lernt ergründen
Und alle regungen in reine noten bringt?
Ja wenn auch mann und weib wie der magnet mit norden
In ihrer liebe gleich und beyde stimmig seyn:
So stellt der blasse tod das gantze spielen ein
Und schreibt auff ihre lust: Sie ist zu thränen worden.
Mein Herr sein liebster schatz der auff der bahre liegt
Und stets mit seiner brust ein gleicher thon gewesen
Läst hier die sichre welt am allerbesten lesen
Was lieb und lauten-spiel vor harte brüche kriegt.
Ihr hertze wolte gleich mit neuer stimme fliessen
Und durch ein süsses pfand sein glücke recht erhöhn
So heist der himmel sie im spielen stille stehn
Und ihn sein liebes-lied mit heissen thränen schliessen.
Was flößt betrübter wohl mehr gall und wermuth ein?
Was aber kan uns auch mehr licht und anlaß geben
Wie man auff erden schon zum himmel sich erheben
Und unsre seele soll der engel lust-spiel seyn?
Denn was hier weltlich klingt muß wie die welt verderben;
Wer aber hertz und brust nach GOttes wesen stimmt
Der kan wenn alles gleich in saltze fast zerschwimmt
Bey seinem spielen doch noch ohne thränen sterben.
Und dieses eben hat die selige bedacht;
Wenn sie wie Memnons bild die stimme von der sonnen
Der freuden hellen thon von GOttes licht gewonnen
Und ihm als nachtigall ein täglich opffer bracht:
Wenn sie wie Augustin die augen ihr verbunden
Die geile hinderniß der erden abgeschafft
Und aus der andacht offt mehr honig-reiche krafft
Als ein verliebtes ohr aus harffen-klang empfunden.
Der abgesagte feind der frommen unter-welt
Floh ihren schwan-gesang wie crocodile flöten
Den eyfer wuste sie mit schöner art zu tödten
Der wollust füsser thon hat nie ihr hertz gefällt.
Drum tritt sie voller glantz nun in den himmels-orden
Da sie der engel hand mit neuer lust erfreut
Und auff daß bittre saltz der alten traurigkeit
Die göldnen worte schreibt: Sie ist zu zucker worden.
Ists so betrübtester so weint er ohne recht;
Denn kont’ ihr liebes-klang auff erden ihn ergetzen
Wie kan ihr wechsel ihn denn itzt in trauren setzen
Da GOtt nur seine lust zu ihrem nutzen schwächt?
Ein Christ muß schmertz und leid wie dornen lernen fühlen
Mehr auff der rosen werth als ihre stachel sehn
Und dencken daß kein weh denselben kan geschehn
Die durch die thränen sich hier in den himmel spielen.