Die Mumia Bey Beedigung Hn. J. S. den 13. Julii 1678.

By Heinrich Mühlpfort

Herr Schöps dem offt der Tod das Feld hat räumen müs- sen

Nun räum er wiederumb ihm Leib und Glieder ein.

Der Uberwinder herrschst er liegt zu seinen Füssen

Und was verwesen kan beschleust der schwartze Schrein.

Wie hoch er die Natur durch Kunst ihm sonst verbunden

Wie fleissig er ihr Gut und Schätze hat gesucht

So wird hinfortkein Rath noch Hülffe mehr gefunden

Tinctur Essentz und Oel ist ohne Geist und Frucht.

Alkermes kan nicht mehr noch Rob noch Lohoch stärcken

Die Seele von dem Gold beseelt den Cörper nicht.

Machaon geht leer ab mit seinen besten Wercken

Nun eine größre Hand das Stunden-Glaß zerbricht.

Alleine werther Freund wir wolten ihn gern halten

Diß gibt der Tochter Hertz des Eydams Mund an Tag.

Wie salben wir ihn ein? Sind Gummen und Asphalten

Genung daß man vor Fäul und Wurm ihn schützen mag.

Kan Socrotiner Safft die Glieder frisch bewahren?

Hält auch die Macis noch was die Verwesung anff?

Wir wollen keinen Geist von Elementen sparen

Wo sich verlängern kan Herr Schöpsens Lebens-Lauff.

Umbsonst und schickt uns gleich Canopus seine Mittel

Was Memphis heilig hält und was der Nil hoch schätzt.

Herr Schöps der lieget schon in seinem Sterbe-Kittel

Und wird selbst eine Leich’ jetzt Leichen beygesetzt.

Doch sol er uns auch tod zu unserm Nutzen dienen

Und eine Mumia der besten Artzney seyn.

Das Wort bleibt ewig wahr: Der Todten Beine grünen

Dieweil des HErren Geist und Odem bläst darein.

Es mag Egyptenland mit seinen Cörpern prangen

Durch Kunst und Specerey die Fäulnüß hinterziehn.

Es hat das blinde Volck sich nur zu weit vergangen

Und mühte sich umbsonst dem Tode zu entfliehn.

Wie fleissig es auch wusch das innerst’ Eingeweide

Und drein der Cedern Safft Nard und Amomen goß

Ja gantzer dreissig Tag in gleicher Klag und Leide

Dein Leib zu balsamirn aus Andacht sich entschloß;

So war es weiter nichts als nur ein Dienst der Götzen.

Wie die geheime Schrifft noch giebet zuverstehn.

Wenn auff der Leiche Brust sie Fisch und Vogel setzen

Und ihrer Deutung nach die Jsis vor muß gehn.

Sie meinten wenn sie nun den Todten so beschicket

Und mehr als zwantzig mahl in Leinwand eingehüllt

Figuren angemahlt und Bilder drauff gedrücket

Daß es zur Wiederkunfft der Seelen etwas gilt.

Denn legten sie den Leib in tieff-gewölbte Gänge

Wo die Pyramiden die Vorwelt auffgeführt.

Wo solche Mumien in grosser Zahl und Menge

Ein kluger Pilgersmann noch diese Stunde spürt.

Wie hat uns nicht der Geitz und Vorwitz drauff gehetzet?

Was schrieb ihr nicht der Artztfür eine Würckung zu?

Ward sie der Panace nicht eben gleich geschätzet?

Daß bey Gebrechen sie offt grosse Wunder thu.

Es sey nun daß die Krafft in Safft und Balsam stecke

Womit dem mürben Fleisch sich wesentlich vereint:

Es sey auch daß die Gluth der Sonne was erwecke

Wodurch man der Natur zu Hülff zu kommen meynt:

So ists ein Schattenwerck für jenen Ewigkeiten

In welchen unser Leib dereinsten leuchten sol.

Hier muß ihn Tod und Wurm filtriren und bereiten

Damit er balsamirt auch reucht für GOtte wol.

Ein andre Mumien kan uns Herr Schöps jetzt zeigen

Der manche Mumien mit seiner Hand zerstückt.

Dein Leichnam lehret uns wird gleich die Lippe schweigen

Daß all’ ohn Unterscheid der Tod ins Netze rückt.

Er war nicht unbekandt in dem gevierdten Reicht

Worinnen die Natur sich Majestätisch weist.

Jetzt sehen wir nicht mehr als diese kalte Leiche;

Die Erde hat den Leib der Himmel seinen Geist.

Wiewol er Lebens Zeit gleich Mumien genützet

Sein ehrliches Gerücht ist noch ein gut Geruch.

Ein Balsam der für Gifft und Fäulnüß ihn beschützet

Und seinen Namen nicht lescht aus des Lebens Buch.

Er ließ den schwartzen Mohr der Jsis Bildnüß tragen

Jhm war auff seiner Brust sein JEsus eingeprägt.

Es mag der Copter nach Osiris Zeichen fragen

Er hat in seine Seit und Wunden sich gelegt

Mit bittrem Thränen-Saltz offt seine Schuld gewaschen;

Dieweil ihm wol bewust daß Thränen Engel-Wein

Daß wir ein schwach Gefäß voll Erde Staub und Aschen

Mit unsern Wercken nichts für GOttes Antlitz seyn.

So eine Mumia hieß des Herr Schöpsens Leben

Das Tugend durch und durch auffs beste balsamirt.

Diß Ehren-Zeugnüß wird der Neid ihm selber gebene

Daß er hat seinen Lauff mit höchstem Ruhm vollführt.

Sie pflegten Mumien in Leinwand einzuhüllen

Herr Schöps der hüllte sich in reine Tugend ein.

War seinem GOtte treu dem Nechsten gern zu Willen

Erschien mit Rath und That und haßte Schmuck uñ Schein.

So viel Gebrechen kan die Mumie nicht heilen

Als er Artzneyen hat für Sterbende bereit;

So lieblichen Geruch auch nimmermehr ertheilen

Als seines Namens Ruhm jetzt nach dem Tod ausstreut.

Und ziert die Mumie der Apothecker Schrancken

So sol Herr Schöps gewiß vor eine Zierath stehn.

Es wird noch lange Zeit sein Hauß ihm ewig dancken

Und seiner Tugend Lob biß an die Stern’ erhöhn.

Auch dieses Fleisch und Blut das jetzt der Tod durchbeitzet

Und gleich wie Pech und Hartz durch Marck uñ Beine zeucht

Wird zur Verneuerung und auffzustehn gereitzet

Damit es mit der Zeit als wie die Sonne leucht.

Man laß Egypten nun die Mumien erheben

Daß sie viel hundert Jahr für Fäul und Wurm befreyt.

Es kan die kurtze Schrifft uns mehr Vergnügung geben:

Herr Schöpsens Mumie führt Geist und Ewigkeit.