Die Nacht der Liebe.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Tief Mitternacht

Ist rings im Walde. Der Sturm erwacht.

Aus grauser Wolke der Donner rollt.

Aus dunkler Ferne das Weltmeer grollt.

Das Weltmeer grollt

Aus dunkler Ferne. Der Donner rollt.

Des Hirschen Brüllen den Forst durchschallt.

Des Sturmwinds Rauschen durchbraust den Wald.

Dumpf braust der Wald.

Des Hirschen Brüllen den Forst durchschallt.

Der Hagel rasselt. Der Regen schwirrt.

Die Sparren ächzen. Das Fenster klirrt.

Das Fenster klirrt.

Der Hagel rasselt. Der Regen schwirrt.

Die Nacht ist schaurig. Doch lieb und warm

Liegt mir die Holde im trauten Arm.

Im trauten Arm

Liegt, ach, die Holde mir lieb und warm,

Mich fest umflechtend. Die Zauberluft

Durchwürzt ihr Athem mit Veilchenduft.

Mit Veilchenduft

Durchwürzt ihr Athem die Zauberluft.

Von süssem Ahnen die Brust erschwillt.

Ambrosisches Labsal der Lipp' entquillt.

Der Lipp' entquillt

Ambrosisches Labsal. Ihr Busen schwillt

Von süssem Ahnen. Ihr schlagend Herz

Durchströmen Schauder von Lust und Schmerz.

Ach, Lust und Schmerz

Durchströmen schaudernd ihr schlagend Herz.

Ihr süsses Girren, ihr Nektarkuss

Verschönt zum Olymp den Erebus.

Den Erebus

Verschönt zum Olymp ihr Nektarkuss — —

— — O weh, es dämmert. Der Tag erwacht.

Ach säume, säume, zu süsse Nacht.

Zu süsse Nacht!

Ach säume, säume, der Tag erwacht.

Die Feuerblume der Früh' entglimmt.

In wallenden Gluthen der Osten flimmt.

Der Osten flimmt,

Die Feuerblume der Früh' entglimmt.

Erwach, Geliebte, erwach! erwach!

Der Liebe Freuden verräth der Tag.

Erwach! erwach!

Der Liebe Freuden verräth der Tag.

O Tag, wo des Lauschers Auge wacht,

Weich' eilend der süssen verschwiegnen Nacht.