[Die Nacht tritt nunmehr ein/ die mich ans Licht gebracht]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Die Nacht tritt nunmehr ein die mich ans Licht gebracht

Ein Jahr von meiner Zeit ist wiederum verschwunden

Wie bald verflügen sich des Lebens kurtze Stunden

Die uns doch manche Noth so lang und bitter macht!

Ich habe manchen Tag und manche Nacht gewacht

Betrübniß Kummer Sorg' und Mühe gnug empfunden:

Die mich ohn Unterlaß zum Trauren angebunden

Und dennoch zehl ich nun des Jahres lezte Nacht.

Des Höchsten Gunst hat mir verkürtzet solche Zeit

Die auffgelegte Last auch selber helffen tragen

Durch Zeichen seiner Huld versüsset alle Plagen

Was aber hab ich ihm erzeigt vor Danckbarkeit?

Der enge Lebens-Rest ist viel zu kurtz darzu

Was ich bißher versäumt gebührlich einzubringen.

Herr hilff mir bald dahin wo tausend Engel singen

Damit ich meiner Pflicht ein volles Gnügen thu.

Indessen weil ich hier noch Stunden zählen soll

So laß mich solche Zeit zu deinem Dienst anwenden;

Die Seele forder dann zu deinen sichern Händen

Und laß den müden Leib im Grabe ruhen wohl.