Die Natur

By Maler Müller

Written 1787-01-01 - 1787-01-01

Wie eine liebe Mutter mit dem jungen,

Geliebten Sohne lächelnd spielt –

Auf Blumen wälzt sie sich, umschlungen

Hält sie den Liebling froh, er wühlt

Sich über ihre Brust voll süßen Wahns, als hielt

Er schon mit Riesenkraft die Stärkere bezwungen,

Es freut die Mutter sich und fühlt

In ihres Sohnes Lust sich doppelt süß durchdrungen –:

So stand vor dir einst, große Here,

In sel'gen Anblick tief entzückt,

Die himmlisch lächelnd Cythere,

Da sie mit ihrem Zaubergürtel dich geschmückt

Zum Wunderbild für Erd' und Meere,

Zur Schönsten, die Olympus je erblickt!

Sie hängt an dich das Wonnesiegel

All' ihrer Reize, allen Glanz,

Und sieht in deine Schönheit wie im Spiegel

Nur eigner Schönheit Dasein ganz.

Es reicht Natur, o Künstler, willig dir

All' ihren Zauber, ihre seltne Zier

Gleich Waffen dar, sie selber zu besiegen.

Du ringst mit ihr; mit wonnevollen Zügen

Haucht sie im Kampf dir Mut und zahlt dafür

In deinem Jubel sich mit doppeltem Vergnügen.