Die Pergola

By Paul Heyse

Written 1872-01-01 - 1872-01-01

Vier schlanke Pfeiler im Geviert, darüber

Von braunem Holz ein leichtes Sparrenwerk,

Der offne Bau von Mäuerchen umsäumt

Und zierlichen Balustern nach dem See,

So steht an meines Gartens Uferrand

Die Pergola.

Noch klettern lustig nicht

Die Bangsiarosen bis zum Dach empor.

Doch übers Jahr schon wölben ihre Ranken

Ein luftig Schattendach, das mir den Brand

Der Maiensonne dämpft. Und auf der Bank

Darunter sitzend, kann hinüber ich

Zum Greisenhaupt des Monte Baldo schau'n,

Und an die Brustwehr träumend hingelehnt

Dem Plätschern lauschen der kristallnen Flut,

So klar durchsichtig, daß ich spielen seh'

Die Fischlein drunten überm Kieselgrund,

Blitzend wie lautres Silber.

Hier zu ruhn

Nach heißem Tagwerk in der Abendkühle

Wird köstlich sein. Und noch willkommner einst

Die letzte Ruh', die ewige – nicht zu bald,

So hoff' ich! Dann jedoch, statt eingepfercht

In eines Friedhofs Mauerring, mein Haupt

Hier frei zu betten wär' ein tröstlicher

Gedank', und hier, wenn noch ein Abgeschiedner

In seiner Nacht des Lebens inne wird,

Das droben weiterbraust, vernehm' ich wohl

Im Traum, wie Enkel und Urenkel fröhlich

Im Garten spielen. Unter ihnen wandelt

Mit ernstem Lächeln dann die teure Frau,

Die mich vermißt, wenn all den andern schon

Mein Bild verblich. O liebe, liebliche,

Ewig Geliebte, dein Gedächtnis wird,

Solang ein Ton von meiner Leier noch

Die Welt durchzittert, nie vergehn! Und die

Vorüberschiffen auf dem See, sie deuten

Auf dich und sprechen: 's ist des Dichters Frau,

Der hier gewohnt und diesen See geliebt

Und nun den letzten Schlummer schläft im Schatten

Der Pergola.