Die Psyche betrachtet den blutigen Schweiß Christi im Garten

By Angelus Silesius

Written 1650-01-01 - 1650-01-01

O du allerliebster Gott,

Was wird mit dir werden?

Daß du liegst voll Angst und Not

Bebend auf der Erden,

Daß dein rosenfarbnes Blut

Durch dein Antlitz dringet

Und ein Engel Trost und Mut

Dir, dem Tröster, bringet?

Ach, du siehst die große Pein

Und das bittre Leiden,

Welches dir wird Mark und Bein,

Leib und Seel durchschneiden.

Siehst, daß aller Menschen Schuld

Und, was ich verbrochen,

Ernstlich und ohn einge Huld

Wird an dir gerochen.

Ach, wie sollte nicht dein Herz

Zittern, beben, zagen,

Weil es schon des Todes Schmerz

Fühlt und all die Plagen!

Weil auf dich alleine fällt

Alle Last der Sünden,

Mußt du freilich, Heil der Welt,

Große Pein empfinden!

Ach mein Heiland, könnt ich doch

Mindern solches Leiden

Und von diesem schweren Joch

Eine Bürd abschneiden!

Könnt ich doch, o Gotteslamm,

Dir was helfen tragen

Und für dich, mein Bräutigam,

Zittern, stehn und zagen.

Denn du bist in diesen Tod

Meinetwegen kommen,

Hast aus Liebe meine Not

Ganz auf dich genommen.

Du ergibst dich willig drein,

Gottes Vaterwillen

Auch in unerhörter Pein

Gänzlich zu erfüllen.

Ei, so hilf denn, ewger Freund,

Meiner armen Seele,

Wenn sie vor dem Tod und Feind

Bebt samt ihrer Höhle.

Laß mir deinen teuren Schweiß

Wohl zustatten kommen,

Wenn ich von dem Erdenkreis

Werde weggenommen.