Die Psyche opfert dem Jesulein

By Angelus Silesius

Written 1650-01-01 - 1650-01-01

Sei gegrüßet und geküsset,

Allerliebstes Jesulein.

Mit Vertrauen dich zu schauen,

Komm ich in den Stall herein.

Große Wonne, liebste Sonne,

Hat dein Aufgang mir gemacht.

Neues Leben hat mir geben

Dein Erscheinen in der Nacht.

O du schöner Nazarener,

Sei gelobet und gepreist

Für die Güte, die‘s Gemüte

Deiner Gottheit mir beweist.

Dir mein Leben zu ergeben,

Komm ich jetzt nach Schuld und Pflicht.

Edler Knabe, nimm die Gabe

Und verschmäh mein Armut nicht.

Meine Seele mit der Höhle,

Ihrem Leibe, geh ich dir.

Mein Gemüte, mein Geblüte

Soll dir dienen für und für.

Gold der Liebe, die ich übe,

Weihrauch der Andächtigkeit,

Myrrhn der Zähren, die stets währen,

Opfr ich dir mit Innigkeit.

Nimm mein Herze, güldne Kerze,

Und entzünd es heiliglich.

Mach es reine wie das deine

Und zerschmelz es ganz in dich.

Gib mir Gaben, die mich laben,

Die mich stärken in der Zeit,

Daß ich bleibe deinem Leibe

Eingepfropft in Ewigkeit.

Alsdann werd ich hoch erfreulich

Deine Klarheit schauen an.

Für ihr Grünen sie bedienen,

Ehrn und rühmen, wie ich kann.