Die Qwitzen.
Wie? sieht man hier auf hohen Stangen
Rubinen in den Lüfften hangen?
So rieff ich, fast halb ausser mir,
Als ich gantz unverhofft die rothe Zier
Der gleichsam brennenden Blut-rothen Qwitzen-Beeren,
Auf ihren Gipfeln, funckeln sah.
Ich wuste kaum, wie mir geschah:
Denn, ihre Glut noch zu vermehren,
Fiel eben dazumahl
Der hellen Sonnen Mittags-Strahl
Auf ihr fast blendend Roth, das durch der Blätter Grün,
Zumahl, wann selbiges beschattet,
Als durch vertiefften Grund, noch mehr erhaben schien.
Ich danckte, durch der Augen Lust
Zum Schöpfer aller Ding’ empor geführet,
Und durch das schöne Roth der schönen Frucht gerühret,
Mit einer angeflammten Brust,
Dem, Der nicht nur der Beeren holde Pracht,
Und alle Ding’ aus nichts gemacht;
Der auch zugleich durch mein geschenckt Gesicht,
Und durch das wunderbare Licht,
Mich dafür sinnlich macht; ja gar mir Seelen-Augen,
Die, daß er alles schafft, zu sehen taugen,
Aus Gnad’ und Huld verliehn.
Ich brach
Demnach
Um mich noch ferner zu bemühn,
Der Qwitzen Schönheit zu betrachten,
Und in derselben Pracht auf Sein Geschöpf zu achten,
Ein Zweiglein voller Frucht und Blätter ab;
Das mir, zu folgender Betrachtung, Anlaß gab:
Wie reich erzeiget sich des Schöpfers Herrlichkeit
Allein in der Geschöpfe Unterscheid!
Wie seh ich hier in rother Glut
Solch eine Menge Beeren blitzen
Und all’ an einem Stengel sitzen,
In andrer Ordnung noch, als wie das Trauben-Blut!
Die Beeren an sich selbst sind aus dermassen zierlich
Geründet und geformt. Die Bildung ist natürlich
Den nettsten Aepfeln gleich, die roth durchaus gefärbt.
Besiehet man sie recht, wird auf der glatten Haut
Ein kleines Sonnen-Bild geschaut,
Das lieblich wiederstrahlt, zumahl bey heiterm Wetter.
Wie länglich rund, und zierlich eingekerbt
Sind dieses Baumes nette Blätter!
Man kann derselben lieblich Grün,
Bey ihrer Frucht ergetzenden Rubin,
Nicht sonder Anmuth sehn.
Ob wir nun gleich bey uns der Qwitzen Frucht nicht
So muß man doch des Nutzens nicht vergessen,
Da sie uns wunderbar,
Wenn, mit fast ungezehlter Schaar,
Der Krammets-Vögel Heer durch unsre Läuder streicht,
Dieselben uns zu Lecker-Bissen reicht:
Die, wenn sie nicht die Qwitzen-Beeren
So gierig nascheten, gar nicht zu fangen wären.
Ach mögten wir sie nie ohn Lust und Danck verzehren
Ach mögte doch der Qwitzen rother Schimmer,
Und ihre Glut- und Blut-Farb immer
Auch eine Glut in unserm Blut’ erregen,
Und uns, in unsrer Lust, zu GOTTES Ruhm bewegen!