Die Reise der Königin aus Reich Arabien nach dem himmlischen Jerusalem/ die Weiß...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Wenn in der Finsterniß gebohrner Niedrigkeit
Die Weißheit schon ein Licht das auch die Nacht erhellet;
Was Wunders daß ihr Glantz der sich zum Purpur stellet
Und über Cronen strahlt diß gantze Rund bestreut.
Ein jedes Auge sieht das Auge dieser Welt;
Da nun der Weißheit Licht der Sonnen vorzuziehen;
Und auch der Sternen Gold vor ihrem Strahl muß fliehen;
Was Wunders daß ihr Glantz in frembde Länder fällt?
Daß sich zu ihrem Thron die mächtge Königin
Die reich Arabia anbetet und verehret
Von Ihrem Thron begiebt und da die Weißheit höret
Wo bey der Pracht der Welt ein Himmel gleicher Sinn?
Wer ist der nicht den Geist auf dich Hochseelge lenckt
Die aus berühmten Stamm mit Blute sich gegattet
Das stets der Himmels Fürst mit Gnaden über schattet
Und dem ein Käyser selbst die hohen Ahnen schenckt?
Die Ihrem Adel hat den Adel beygesetzt
Der aus der Weißheit kommt den Gott selbst herrlich nennet.
Die sich aus Demuth nicht vor Hochgebohrn gekennet
Und die die Tugend mehr als Cronen wehrt geschätzt?
Du Hochgebohrne Frau hast jene Königin
Die Salomonis Ruhm nach Salem hat gezogen
An Hoheit des Gemüths bey weiten überwogen
Und gehst zum Salomon viel ungemeiner hin.
In reich Arabien war jener Thron gebaut
Das arm an Gottes Wort und himmlischen Ergetzen.
Da man in deinem Land' an solchen selgen Schätzen
Durch dein Bemühen mit ein reiches Salem schaut.
Die Weißheit Salomons war jener ein Gerücht.
Doch Gottes Weißheit war dir ein bekanntes Wesen;
Ein Buch in dem ein Bild von seiner Krafft zu lesen.
Ein Glantz vom ewigen und ungemeinen Licht;
Ein Hauchen von der Krafftdie man allmächtig heißt;
Zum Brief der Seeligkeit das allerreinste Siegel;
Zur Kenntniß unsers Heyls ein unbefleckter Spiegel;
Ein Strahl der Herrlichkeit die man unendlich preist.
Wenn aus Neugierigkeit sich jene nur bemüht
Und zu der Weißheit reißt; So thust du es aus Liebe
Aus Lieb' als dem Magnet der Gottes milde Triebe
Und seines Geistes Krafft wie Eisen an sich zieht.
Aus Liebe warest du der Weißheit ihre Braut;
Und ihre Schöne hat dein Hertze lieb gewonnen.
Durch sie hat deine Seel ein köstlich Kleid gesponnen
Und mehr als Königlich die Nesidentz gebaut.
Schift jene über Meer zum weisen Salomon
So daurt es kurtze Zeit. Doch in so vielen Jahren
Ist dein Erlauchter Geist der Wahrheit nachgefahren
Und lud auch allezeit viel Güter auf davon
Dein Bleymaß des Verstands hat dieses Meer der Welt
An Syrten Felsen Sand so wissen zu ergründen
Daß du glückselig warst die enge Bahn zu finden
Worauf in Canaan man sichre Schiffart hält.
War jener ihr Gefolg in Ißrael sehr groß:
Was war es deinem gleich wenn du zum Himmel giengest?
Wenn du den Perlen-Thau von Gottes Weißheit fiengest
Und dieser Salomon dir sein Gemach ausschloß
So lag die Priesterschafft mit Beten und mit Flehn
Vor dir als Schutz-Göttin gebückt zu deinen Füssen
Und bat es möchte die des Himmels Gnade küssen
Von deren Gnade sie ihr Wohlseyn könten sehn.
Ja selbst dein gantzes Land vermehrte deinen Staat
Den Staat den Gottes-Furcht Leutselig seyn und Milde
Klug- und Gerechtigkeit nach Gottes Ebenbilde
In allen Hertzen dir bey Gott erworben hat.
Wenn jene Salomon mit Räthseln hat versucht:
So batest du vor ihm um Weißheit aus der Höhe;
Damit sie bey dir sey und denn dein Auge sehe
Was Gott von uns beliebt und was er auch verflucht.
Und so ward auch dein Geist mit Weißheit ausgerüst.
Was Schrifftgelahrten sich für ein Geheimniß achten.
Kont' ein Erlauchter Sinn in dir mit Lust betrachten
Du warst als Herrschafft auch in Wissenschafft begrüßt.
War eine Schurmannin ein Wunder ihrer Zeit;
Erhöht Elisabeth den Purpur Engelandes
Durch Sprachen Tugenden und Hoheit des Verstandes:
So ehrt die Welt von dir auch gleiche Trefflichkeit.
Wenn reich Arabia durch die Beherrscherin
Dem Salomon Gewürtz und Centner-Goldes schencket:
So ist dein höchster Ruhm was Salomon selbst dencket:
Auch über Cronen geht ein Weißheits-voller Sinn.
Es kommen ihrem Werth nicht Fürsten-Thürmer bey
Und Königreiche sind so hoch nicht anzusetzen
Für sie ist Reichthum nichts: Gold ist für Sand zu schätzen
Und gegen sie ist Koth und Silber einerley.
Diß alles überwog dein Tugend-schwer Gewicht.
Was du dem Himmel giebst sind lauter Weißheits-Früchte
Dadurch wird jener Schatz der irrdisch ist zu nichte;
Und deinem ewigen hält er die Wage nicht.
Allein was präg ich hier Hochselge Gräfin ein
Was deinen Abschied uns unendlich herber machet?
Wenn deine Tugend gleich in uns unsterblich lachet
So weint doch unser Hertz daß du must sterblich seyn.
Es weinet dein Gemahl der Hochgebohrne Graf.
Was Rom vordem gehabt von hohen edlen Frauen
Ja alles konnt' er selbst in deiner Liebe schauen
So daß auch dein Verlust Sein alles schmertzlich traf.
Der Hochgebohrne Herr dein und des Himmels Bild
Den Gott dir eintzig gab weil zu des Landes Seegen
Und Weißheit Tugend Geist der Eltern darzulegen
Ein Salomon allein dem David sattsam gilt
Der seuffzet und mit ihm das gantze hohe Hauß
Das vor der Sterblichkeit unsterblich schon zu achten
Das wir in Ehr-Furcht zwar doch nie genug betrachten
Und lässet billig hier die Schmertzens Regung aus.
Es weint der gantze Hoff; die Hoffnung fallet hin.
Es weint die Priesterschafft; die Hohen Schulen müssen
Ja selbst das gantze Land itzt lauter Thränen küssen:
Denn dieser Mutter stirbt und jener Schutz-Göttin.
Ich wein' ich armer Knecht! jedoch an Gnaden reich
Die mir dein Milde seyn unwürdig zugemessen
Bey allgemeinem Leid ist meines nicht vergessen
Und wird allein gemehrt daß es dem grösten gleich.
So weinet jederman! doch Salomon nur lacht
Der mit der Frommen Tod es wohl und seelig meynet
Daß itzt vor seinem Thron der Herrlichkeit erscheinet
Die seine Weißheit hat so ungemein geacht
Daß solcher ewiglich gewürdiget zu seyn
Sie eine Reise thut nach dem gelobten Lande.
Nun Hochgebohrne Frau in deinem selgen Stande
Trifft was die Schrifft dort sagt gewünscht und völlig ein:
Und König Salomo gab dieser Königin
Von Reich Arabia was sie begehrt und bate:
So giebt er dir vorerst die Seeligkeit der Gnade
Und wirfft des Nestors Jahr auf unsre Herrschafft hin.