Die Reise der Königin aus Reich Arabien nach dem himmlischen Jerusalem/ die Weiß...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wenn in der Finsterniß gebohrner Niedrigkeit

Die Weißheit schon ein Licht das auch die Nacht erhellet;

Was Wunders daß ihr Glantz der sich zum Purpur stellet

Und über Cronen strahlt diß gantze Rund bestreut.

Ein jedes Auge sieht das Auge dieser Welt;

Da nun der Weißheit Licht der Sonnen vorzuziehen;

Und auch der Sternen Gold vor ihrem Strahl muß fliehen;

Was Wunders daß ihr Glantz in frembde Länder fällt?

Daß sich zu ihrem Thron die mächtge Königin

Die reich Arabia anbetet und verehret

Von Ihrem Thron begiebt und da die Weißheit höret

Wo bey der Pracht der Welt ein Himmel gleicher Sinn?

Wer ist der nicht den Geist auf dich Hochseelge lenckt

Die aus berühmten Stamm mit Blute sich gegattet

Das stets der Himmels Fürst mit Gnaden über schattet

Und dem ein Käyser selbst die hohen Ahnen schenckt?

Die Ihrem Adel hat den Adel beygesetzt

Der aus der Weißheit kommt den Gott selbst herrlich nennet.

Die sich aus Demuth nicht vor Hochgebohrn gekennet

Und die die Tugend mehr als Cronen wehrt geschätzt?

Du Hochgebohrne Frau hast jene Königin

Die Salomonis Ruhm nach Salem hat gezogen

An Hoheit des Gemüths bey weiten überwogen

Und gehst zum Salomon viel ungemeiner hin.

In reich Arabien war jener Thron gebaut

Das arm an Gottes Wort und himmlischen Ergetzen.

Da man in deinem Land' an solchen selgen Schätzen

Durch dein Bemühen mit ein reiches Salem schaut.

Die Weißheit Salomons war jener ein Gerücht.

Doch Gottes Weißheit war dir ein bekanntes Wesen;

Ein Buch in dem ein Bild von seiner Krafft zu lesen.

Ein Glantz vom ewigen und ungemeinen Licht;

Ein Hauchen von der Krafftdie man allmächtig heißt;

Zum Brief der Seeligkeit das allerreinste Siegel;

Zur Kenntniß unsers Heyls ein unbefleckter Spiegel;

Ein Strahl der Herrlichkeit die man unendlich preist.

Wenn aus Neugierigkeit sich jene nur bemüht

Und zu der Weißheit reißt; So thust du es aus Liebe

Aus Lieb' als dem Magnet der Gottes milde Triebe

Und seines Geistes Krafft wie Eisen an sich zieht.

Aus Liebe warest du der Weißheit ihre Braut;

Und ihre Schöne hat dein Hertze lieb gewonnen.

Durch sie hat deine Seel ein köstlich Kleid gesponnen

Und mehr als Königlich die Nesidentz gebaut.

Schift jene über Meer zum weisen Salomon

So daurt es kurtze Zeit. Doch in so vielen Jahren

Ist dein Erlauchter Geist der Wahrheit nachgefahren

Und lud auch allezeit viel Güter auf davon

Dein Bleymaß des Verstands hat dieses Meer der Welt

An Syrten Felsen Sand so wissen zu ergründen

Daß du glückselig warst die enge Bahn zu finden

Worauf in Canaan man sichre Schiffart hält.

War jener ihr Gefolg in Ißrael sehr groß:

Was war es deinem gleich wenn du zum Himmel giengest?

Wenn du den Perlen-Thau von Gottes Weißheit fiengest

Und dieser Salomon dir sein Gemach ausschloß

So lag die Priesterschafft mit Beten und mit Flehn

Vor dir als Schutz-Göttin gebückt zu deinen Füssen

Und bat es möchte die des Himmels Gnade küssen

Von deren Gnade sie ihr Wohlseyn könten sehn.

Ja selbst dein gantzes Land vermehrte deinen Staat

Den Staat den Gottes-Furcht Leutselig seyn und Milde

Klug- und Gerechtigkeit nach Gottes Ebenbilde

In allen Hertzen dir bey Gott erworben hat.

Wenn jene Salomon mit Räthseln hat versucht:

So batest du vor ihm um Weißheit aus der Höhe;

Damit sie bey dir sey und denn dein Auge sehe

Was Gott von uns beliebt und was er auch verflucht.

Und so ward auch dein Geist mit Weißheit ausgerüst.

Was Schrifftgelahrten sich für ein Geheimniß achten.

Kont' ein Erlauchter Sinn in dir mit Lust betrachten

Du warst als Herrschafft auch in Wissenschafft begrüßt.

War eine Schurmannin ein Wunder ihrer Zeit;

Erhöht Elisabeth den Purpur Engelandes

Durch Sprachen Tugenden und Hoheit des Verstandes:

So ehrt die Welt von dir auch gleiche Trefflichkeit.

Wenn reich Arabia durch die Beherrscherin

Dem Salomon Gewürtz und Centner-Goldes schencket:

So ist dein höchster Ruhm was Salomon selbst dencket:

Auch über Cronen geht ein Weißheits-voller Sinn.

Es kommen ihrem Werth nicht Fürsten-Thürmer bey

Und Königreiche sind so hoch nicht anzusetzen

Für sie ist Reichthum nichts: Gold ist für Sand zu schätzen

Und gegen sie ist Koth und Silber einerley.

Diß alles überwog dein Tugend-schwer Gewicht.

Was du dem Himmel giebst sind lauter Weißheits-Früchte

Dadurch wird jener Schatz der irrdisch ist zu nichte;

Und deinem ewigen hält er die Wage nicht.

Allein was präg ich hier Hochselge Gräfin ein

Was deinen Abschied uns unendlich herber machet?

Wenn deine Tugend gleich in uns unsterblich lachet

So weint doch unser Hertz daß du must sterblich seyn.

Es weinet dein Gemahl der Hochgebohrne Graf.

Was Rom vordem gehabt von hohen edlen Frauen

Ja alles konnt' er selbst in deiner Liebe schauen

So daß auch dein Verlust Sein alles schmertzlich traf.

Der Hochgebohrne Herr dein und des Himmels Bild

Den Gott dir eintzig gab weil zu des Landes Seegen

Und Weißheit Tugend Geist der Eltern darzulegen

Ein Salomon allein dem David sattsam gilt

Der seuffzet und mit ihm das gantze hohe Hauß

Das vor der Sterblichkeit unsterblich schon zu achten

Das wir in Ehr-Furcht zwar doch nie genug betrachten

Und lässet billig hier die Schmertzens Regung aus.

Es weint der gantze Hoff; die Hoffnung fallet hin.

Es weint die Priesterschafft; die Hohen Schulen müssen

Ja selbst das gantze Land itzt lauter Thränen küssen:

Denn dieser Mutter stirbt und jener Schutz-Göttin.

Ich wein' ich armer Knecht! jedoch an Gnaden reich

Die mir dein Milde seyn unwürdig zugemessen

Bey allgemeinem Leid ist meines nicht vergessen

Und wird allein gemehrt daß es dem grösten gleich.

So weinet jederman! doch Salomon nur lacht

Der mit der Frommen Tod es wohl und seelig meynet

Daß itzt vor seinem Thron der Herrlichkeit erscheinet

Die seine Weißheit hat so ungemein geacht

Daß solcher ewiglich gewürdiget zu seyn

Sie eine Reise thut nach dem gelobten Lande.

Nun Hochgebohrne Frau in deinem selgen Stande

Trifft was die Schrifft dort sagt gewünscht und völlig ein:

Und König Salomo gab dieser Königin

Von Reich Arabia was sie begehrt und bate:

So giebt er dir vorerst die Seeligkeit der Gnade

Und wirfft des Nestors Jahr auf unsre Herrschafft hin.