Die Religion.
Sie siegt dennoch bei allen Bellen,
Sie lacht bei allen Spott und Hohn,
Sie ist verschanzt in festen Wällen,
Und wer denn? die Religion.
Es wird zwar dieser Turteltauben,
Vom Bosheit und vom Aberglauben,
Mit List und Macht sehr nachgesezt;
Allein sie bleibt bei allen Stürmen,
Weil sie der Himmel kan beschirmen,
In ihrer Vestung unverlezt.
Die Geister der verdamten Höllen,
Die ewge Finsternis verhüllt,
Die Spötter ihre Rottgesellen,
Die Menschen die durch Frechheit wild,
Die durch den albern Wiz geblendet,
Und Missethat von Warheit wendet,
Die haben sich zugleich verschworn;
Durch Lügen, Lästern, Schmählern, Spot-
Die Frömmigkeit ganz auszurotten,
Und jeder rufft: sie ist verlohrn.
Der Eindruk von dem höchsten Wesen,
Der in des Menschen Herzen stekt;
Und was wir offenbahret lesen,
Was das Gewissen in uns wekt,
Ist gar zu tief in uns gedrükket,
Und wird nicht leicht hinweggerükket;
Dies sieht die Höllen Rotte ein
Drum streiten sie mit solchen Waffen,
Das Licht, die Warheit abzuschaffen;
Die nur des Teuffels Werkzeug seyn.
Sie schreien all mit hellen Hauffen,
Die Staatsregenten haben nur,
Damit die Völker nicht entlauffen,
Es eingedrükt in die Natur;
Als wenn ein göttlich Wesen wäre;
Es ist die
Ein Kapzaum vor die
Womit der Fürste seine Staaten,
Der Feldherr kriegrische Soldaten,
Von Furcht geplagt, in Ordnung hält.
So schrein die Spötter alter Zeiten,
Und jezt in unsern Tagen noch;
Es sey vor denen niedren Leuten,
Es nur ein aufgebürdet Joch;
Daß sie die GOttheit dienen müsten,
Und sich enthalten von den Lüsten,
Die ihr verdorbnes Blut entflammt;
Es sey die Drohung von der Hölle,
Nur eine fürchterliche Welle,
Die von dem Wind des Staats herstammt.
Sie ruffen auch die Zeitgeschichte,
Zu ihrer Hülff und Rettung an,
Weil die, daß ihr Wort kein Gedichte,
Mit klaren Beispiel zeigen kann.
Da sol der weise Solon zeigen,
Wie er des Pöbels Hals zu beugen,
Gott und Religion erdacht;
Lycurgus, Numa, jene Helden
Und andre, wie die Bücher melden,
Die hätten es also gemacht.
O! stumpfer Pfeil von schwachen Bogen,
Der nicht der Warheit Herze trifft!
O! welch ein Schlus; der die betrogen,
Die die Vernunfft und heilge Schrifft,
Durch ein erzwungnes hönisch Lachen,
Zu einem falschen Jrrlicht machen.
Es ist geschehn, wir leugnens nicht,
Daß jene, was geträumt, erdichtet,
Zum Nuz des Staates eingerichtet
Dies lehret uns der Zeit Geschicht.
Allein sind darum alle Lehren,
Worauf der Gottesdienst besteht,
Die Pflichten die dazu gehören,
Wodurch der Schöpfer wird erhöht,
Von diesen Männern auch ersonnen?
Was habet ihr damit gewonnen,
Jhr Spötter! daß ihr die berührt,
Die durch des Aberglaubens Säzze,
Die klugerdachten Staatsgesezze
Nach ihres Volkes Wahn ge
Die Warheit wird nicht aufgehoben,
Und was die schlaue List erdacht,
Ist wie ein blauer Dunst zerstoben,
Nachdem die Aberglaubens Nacht
Mit ihren Jrrgestirn vergangen.
Des Glaubens helle Sonnen prangen.
Hebt alles falsche immer auf:
Nur laßt die Warheit immer gelten,
Es hemmet euer spöttisch Schelten,
Doch nimmer ihren richtgen Lauff.
Es ist ein GOtt, den muß man ehren,
Drauf bauet die Religion,
Und alle die ihr angehören,
Den unzerstörlich festen Thron.
Es ist ein Wesen davon stammet,
Was an dem Firmamente flammet,
Was in den breiten Lufftkreis fliegt;
Was sich in Erden Angeln drehet,
Was in der Höh und Tief entstehet;
Der Saz bleibt ewig unbesiegt.
Die Himmels-Körper, Kreaturen,
Die voller Licht und Klarheit sind,
Beweisen uns der Gottheit Spuren,
Die man drin abgedrükket find.
So viele Schimmerreiche Sterne,
In jener blaugewölbten Ferne,
Sich in bestimmten Kreisen drehn;
So viele Zeugen sind zu finden,
In jenen weiten Himmelsgründen,
Die uns des Schöpfers Preis erhöhn;
So viele aufgegrünte Bäume,
Auf hohen Bergen lieblich blühn;
So viele Grases Spizzen, Keime,
Aus einem safftgen Erdreich ziehn;
So viele Thier in Feldern leben,
So viele in den Lüfften schweben,
So viele das Gewässer hegt:
So viele werden aufgestellet,
Woraus die Warheit gnug erhellet,
Die jedem Mensch ins Herz geprägt.
Wie! wollet ihr noch blindlings wagen,
Die Warheits-Veste zu zerstöhrn;
Und alle Welt als dumm anklagen,
Daß sie mit uns ein Wesen ehrn,
Das Erd und Himmel ausgeschmükket,
Und das uns selbst dadurch beglükket,
Das wir auch Erden Bürger seyn,
Die durch Vernunfft und durch die Sinnen,
Des Schöpfers weisestes Beginnen
Erkennen? Sagt ja oder Nein?
Jhr stuzt vor diese festen Schranken,
Die die Religion beschirmt,
Es fängt eur Muth schon an zuwanken,
Der Tollkühn sie vorher bestürmmt;
Jhr weicht zurük; ihr seid geschlagen
Denn hier ist
Der die Religion beschüzt.
Die Donner die im Lüfften rollen,
Und eure Wuth zerschmettern sollen
Die schrekken euch, wenns kracht und blizt.
Jhr wollet euch nunmehr bequemen,
Die Gottheit und Religion,
Mit Herz und Munde anzunehmen;
Jhr bükket euch vor ihren Thron.
Jhr wollet die Gesez und Lehren,
In so fern als warhafftig ehren,
Als sie euch die Natur anweißt;
Jhr wegert euch sie so zu lieben,
Wie uns die Bibel vorgeschrieben,
Die uns des Heilands Lehr anpreißt.
Da fangt ihr wieder an zu kriegen,
Jhr sprecht der Offenbahrung Hohn;
Und meint, es solte ganz erliegen,
Die christliche Religion:
Allein die ist auch fest verschanzet,
Mit solchem Schuzgewehr umpflanzet,
Die keiner übersteigen kan;
Die Warheit giebt auch hier noch Stärke,
Die Mauren sind die Wunderwerke,
Kommt, greifft einmahl dieselben an.
Jhr wagts. Was brauchet ihr vor Waffen,
Was ruffet ihr vor Hülffe her;
Des Heilands Lehre abzuschaffen?
Ein gifftger Pfeil, ein Mordgewehr.
Das ist das Rüstzeug, wenn ihr kämpfet,
Allein es ist noch nicht gedämpfet
Die Warheit; weil sie feste steht;
Das Wort das
Das bleibt, wenn alles wird zerstöhret,
Die Welt im Trümmer untergeht.
Es werden selbst die ärgsten Feinde,
Der Unglaub und der Aberglaub,
Vereinte Bundsgenossen, Freunde;
Sie gehen beide auf den Raub.
Sie gehen bald mit List und Morden,
Wie Tartern in ergrimmten Horden;
Auf die bedrengte Kirche loß,
Worin auf einem Kreuz gestüzzet
Sich die Religion beschüzzet,
Vor ihrer Feinde Schwerd, Geschoß.
Es ziehen der Bekenner Heere,
Zu euch heraus; Sie stehen da,
Jhr Schild ist eine reine Lehre,
Die Ueberschrifft heist Jehovah.
Sie sind mit Kleidern angezogen,
Die weis und roth; ihr Pfeil und Bogen,
Und Schwerd, sind
Der Fürst der sich für uns verbürget,
Der Herzog der da ist erwürget,
Der Heiland, JEsus ist ihr Hort.
Es stehen noch an eurer Seiten,
Der Höllen Fürste Belial,
Es helffen euch bei eurem Streiten,
Die bösen Geister überal;
Jhr fanget an die zu erwürgen,
Die Leib und Leben gern verbürgen,
Vor Warheit und Religion;
Jhr Losungs-Wort daß hört ihr Schallen,
Es klinget gleich; es heist bei allen:
Hie Schwerd des HErrn und Gideon.
O! welch ein Streit! die Warheits-Lehren,
Das Christus lebt; und GOttes Sohn,
Ein Heiland sey der zu verehren,
Die suchet man mit Spot und Hohn,
Mit Sägen, Kreuzen, Spieß und Degen,
Mit Mordgewehr zu wiederlegen.
Die Foltern sollen Gründe seyn.
Stimmt dieses wol mit dem Gesezzen,
Die die Natur pflegt hochzuschäzzen,
Auch im geringsten überein?
Der Himmel lässet es geschehen,
Nach einem weisen Rath und Schlus;
Daß die Gewalt vor Recht ergehen,
Die Bosheit grimmig würgen muß;
Die Christen fallen hin mit Hauffen,
Man siehet ganze Ströme lauffen,
Von der erschlagnen Christen Blut;
Die Feinde nehmen zwar das Leben,
Wenn sie ein blutig Schauspiel geben,
Doch nicht den wahren Helden-Muth.
O! wie viel tausend Glaubens-Helden,
Sind Opfer der Religion,
Wie uns der Zeit Geschichte melden,
Sie trägt dennoch den Sieg davon.
Die Feinde werden endlich müde,
Sie machen endlich wieder Friede,
Jhr Schwerd das würget und wird stumpf,
Sie merken daß ihr wütend Rasen,
Umsonst das Schnauben ihrer Nasen
Der Glaube bleibt: und singt: Triumph.
So gehts: Was hilfft euch nun ihr Rasen!
Jhr Ungeheuer der Natur!
Jhr wolt des Glaubens Licht ausblasen,
Eur Stürmen macht es heller nur;
Was hilfft euch euer blinder Eiffer,
Was nüzzet Spötter euer Geiffer,
Den ihr auf Christi Lehr aussprüzt;
Bis hieher ist sie unbezwungen,
Bis hieher, ists euch nicht gelungen,
Bis hieher ist sie noch beschüzt.
Es stehet noch die Burg der Warheit,
Die Christen sind drin unverzagt,
Des Geistes Wort flammt noch in Klarheit,
Daran ihr euch so offt gewagt.
Man dienet in den heilgen Chören;
Die Tempel könnt ihr nicht zerstöhren,
Die auf dem sichren Fels gebaut,
Jhr müst nunmehr im Finstern schleichen,
Und der Religion ihr Zeichen,
Das Kreuz, wird offenbahr geschaut.
Die Stadt des Höchsten blüht in Seegen,
Man lieset noch an ihrer Zinn:
Denn Zebaoth ist mirten drin.
Gebrauchet eure Teuffelskünste,
Erreget lauter blaue Dünste,
Das Blendwerk das dem Wahn gefällt.
Das Warheits-Licht das annoch funkelt,
Wird nicht durch Finsternis verdunkelt,
Es wird vielmehr dadurch erhellt.
Verthädiger der Warheits-Lehre,
Jhr Diener der Religion!
Wagts nur getrost! zu
Und rettet ihren Schimpf und Hohn.
Es muß bei dem gestellten Schlingen,
Dem Glauben ferner noch gelingen,
Was ists, worauf sich jezt verläst,
Der Unglaub der in Finstern schleichet,
Und vor dem Licht und Rechte weichet?
Ein Spinngeweb, ein Wespen-Nest.
Die Spötter wollen euch berükken,
Wenn ihr Wiz eitle Grillen fängt,
Und in den ausgespannten Strikken,
Nach Spinnen Art ein Fangnez hängt:
Allein gebraucht nur eure Augen,
Vernunfft und Schrifft die werden taugen,
Die Schlinge leichtlich einzusehn.
Lößt solche auf; so ists geschehen
So muß das Hirn-Gespinst verwehen,
Das solche gifftge Spötter drehn.
Jhr Christen zeigt im heilgen Leben,
Daß euch der Warheit Licht und Recht,
Den Grund zur Frömmigkeit gegeben
Gestärkt, da euch das Fleisch geschwächt.
Dient euren
Nicht blos mit Mund und Zung und Kehlen;
Wie nur der albern Heuchler Art,
Ein Gottesdienst kan nicht gefallen,
Wenn bei der heilgen Zungen Lallen,
Nicht auch ein feurig Herz verpaart.