Die Ritterliche Venus Auf Hn. J. H. v. B. u. J. A. E. v. T. Hoch- Adel. Vermählu...
Dars als er einst vergnügt aus Venus Armen stieg
Von Wollust überströhmt von Liebe satt gespeiset
Sprach; Göttin daß mein Hertz sich danckbahr dir er-
Daß dein erhitzter Kuß mehr als ein blutig Sieg
Mich auffgemuntert hat so schwer’ ich bey den Leichen
Die diese Faust gewürgt ich wil dir alles reichen.
Die Venus redte drauff und fiel ihm umb den Leib
Du Feld-Herr aller Welt sol ich noch was begehren?
Daß nicht Vulcanus Nutz uns wieder wird beschweren
So ist auch buhlen nicht mein bester Zeit-vertreib
Ich habe deinen Geist und Helden-Muth gefangen
Stell’ ein Thurniren an so stillst du mein Verlangen.
Es ist ein Küraß mir zu tragen gar nicht schwer.
Ich lasse meinen Leib in blancken Stahl einschrauben
So sol hier dieser Hand niemand die Kolbe rauben.
Ach daß doch Tag und Stund alsbald benimmet wär
Wie freudig wil ich nicht in hohen Zeugen stechen
Nie werden Bügel-loß und frisch die Lantzen brechen.
Der strenge Waffen-Gott schrieb ein Thurniren aus
Die Pracht und Herrligkeit kan keine Feder melden:
Der Kern der Ritterschafft die Blumen von den Helden
Die Seelen voller Gluth verliessen Hof und Hauß
Und eilten zu dem Ort! die Erde must’ erzittern
Als sie den Auffzug sah bekrönt mit so viel Rittern.
Erst schalte durch die Lufft der Tromm- und Paucken Klang.
Denn ritten Glied auff Glied die hohe Lantzen führten
So noch zu grössrer Pracht des Strausses Federn zierten;
Bald kamen Fahnen nach darinn der Löwe sprang
Der Tyger Klauen wieß der Drache Feuer speyte
Daß das bestürtzte Volck vor Schrecken trat zu Seite
Drauff zog als im Triumpffder Welt-Bezwinger ein.
Der Wagen troff voll Blut der Hengste Sprung und Schäumen
Bließ Feuer-Funcken aus die Bahn rein auszuräumen.
Zorn Rauben Mord und Tod sah man Gefehrten seyn.
Es klunge schon das Schwerd es schwirrten schon die Spiesse
Als wenn der Marspiter in Klumpen alles schmisse.
Hingegen Venus kam in Freundligkeiten an.
Jhr Herold war die Lieb ihr Auffboth süsse Blicke
Jhr Persevante Gunst und himmlisches Geschicke;
Erst traten Gratien verschwestert auff den Plan
Sambt der neun Musen Reyh mit Lauten und Violen
In lieblichster Music die Göttin abzuholen.
Denn folgten Glieder weiß die nackten Amorn nach
Und schmissen in die Lufft Nareissen und Jeßminen
Jhr Gold-gekraustes Haar sah man von Myrten grünen.
Der Wagen kehrte sich in ein schön Schlaff-Gemach
Darin die Venus lag den zogen Silber-Schwanen
Vorn flogen rings umbher die bunten Taffend-Fahnen.
Statt einer Losung war der Spatzen Feld-Geschrey.
Die Tauben flochten schon durch schnäbeln Rosen-Kräntze.
Es machten Sängerin viel angenehme Täntze
So die Amazonin begleiten in der Reyh
Die wolten im Thurnir als Edle Ritterinnen
Die besten Dänck und Preiß für Helden weggewinnen
Mars sprengte hurtig aus und schrenckte seinen Spieß
Als der zum Balgen nur und Grausamkeit gebohren
Und sich zum Gegentheil die Venus außerkohren;
Jhr die mehr Lieb und Gunst als irgend Kräffte wieß
Indem sie nun beginnt zum zierlichsten zu rüsten
Entfällt im Rennen bald der Spieß von Hand und Brüsten.
Cupido der allhier ein recht Grieß-Wärtel war
Rieff; freilich ist Carrer’ und auch der Danck verfallen
Wo aber einer sich wagt von den Rittern allen
So stellt sich zu dem Kampff die Anemone dar.
Das Frauen-Zimmer sol hauptsächlich hier erkennen
Wie anzustellen sey das vorgesetzte Rennen.
Scharff-Rennen taug allhier und Krondel-Stechen nicht.
Beliebt der Carasell wo man mit Kugeln schmeisset?
Wie oder die Copi da man den Kopff wegreisset?
Welch Ritter lebt der nicht gern nach dem Ringe sticht?
Auff Ritter auff den Platz es muß die Anemone
Bey diesem Ritter-Spiel erhalten Preiß und Krone.
Jhr Adel und Verstand erfordert solchen Danche
Bald macht ein Ritter sich den wir ietzt Hector nennen
Begierig auff die Bahn trägt in dem Ringel-Rennen
Die meinsten Treffen weg. Die Venus wurde kranck
Und schry wagt Carasell; als er mit seinem Pfeile
Und Kugeln ihren Schild gleich mitten brach im Theile.
Der Kriegs-Gott rieff es sey Copy die letzte Lust
Wie spielt nicht das Gelück mit Siegern im Thurniren!
Die Ring und Carasell vor muste nur verliehren
Setzt ferner ihr die Lantz behertzter an die Brust
Und hat Stirn-mässig nun so wol den Kopff getroffen
Daß ungezweiffelt sie den besten Dauck zu hoffen.
Mars als Besiegter schloß die Venus in den Arm
Vermehrerin der Welt Lust-Göttin dieser Erden
Der auch die Ritter ietzt fuß-fällig müssen werden
Hier leg’ ich Helm und Spieß und ruff’ erbarm’ erbarm’
Ich und mein Ritter-Volck bin durch das Spiel geschlagen
Laß doch den letzten Danck mich von den Jungfraun tragen.
So zieren Sterne nicht des Mondens Silber-Blat
Wie Liebes-Engel sich bald umb die Göttin machten
Frolockten in der Lufft liebkosten schertzten lachten.
Held Hector der behertzt umb die Belohnung bat
Erlangte zwar den Ring doch blieben Anemonen
Dem Edlen Tugend-Bild Kopff Hertze Seel und Kronen.
Der Schwanen langer Halß schry tausendmal Glück zu.
Einhellig stimmten bey die unbefleckten Tauben;
Man sol die Ritterin begnaden mit der Hauben
Die unter Lorbern hat bey der Laurette Ruh
Und Schirm und Schutz gesucht ist würdig süsser Ketten
Und die Preiß Geberin verehrt man in Lauretten.
Mars als ein Krieges Mann der nicht der Wörter Pracht
Der Reden Anmuth liebt sprach; unter Amazonen
Stell ich mit höchstem Recht die Heldin Anemonen;
Und weil die Venus hier das beste Vortheil macht
So überlaß ich ihr den Stech-Danck im Thurniren
Und Anemone wird den Hector triumfiren.