Die Ritterliche Venus Auf Hn. J. H. v. B. u. J. A. E. v. T. Hoch- Adel. Vermählu...

By Heinrich Mühlpfort

Dars als er einst vergnügt aus Venus Armen stieg

Von Wollust überströhmt von Liebe satt gespeiset

Sprach; Göttin daß mein Hertz sich danckbahr dir er-

Daß dein erhitzter Kuß mehr als ein blutig Sieg

Mich auffgemuntert hat so schwer’ ich bey den Leichen

Die diese Faust gewürgt ich wil dir alles reichen.

Die Venus redte drauff und fiel ihm umb den Leib

Du Feld-Herr aller Welt sol ich noch was begehren?

Daß nicht Vulcanus Nutz uns wieder wird beschweren

So ist auch buhlen nicht mein bester Zeit-vertreib

Ich habe deinen Geist und Helden-Muth gefangen

Stell’ ein Thurniren an so stillst du mein Verlangen.

Es ist ein Küraß mir zu tragen gar nicht schwer.

Ich lasse meinen Leib in blancken Stahl einschrauben

So sol hier dieser Hand niemand die Kolbe rauben.

Ach daß doch Tag und Stund alsbald benimmet wär

Wie freudig wil ich nicht in hohen Zeugen stechen

Nie werden Bügel-loß und frisch die Lantzen brechen.

Der strenge Waffen-Gott schrieb ein Thurniren aus

Die Pracht und Herrligkeit kan keine Feder melden:

Der Kern der Ritterschafft die Blumen von den Helden

Die Seelen voller Gluth verliessen Hof und Hauß

Und eilten zu dem Ort! die Erde must’ erzittern

Als sie den Auffzug sah bekrönt mit so viel Rittern.

Erst schalte durch die Lufft der Tromm- und Paucken Klang.

Denn ritten Glied auff Glied die hohe Lantzen führten

So noch zu grössrer Pracht des Strausses Federn zierten;

Bald kamen Fahnen nach darinn der Löwe sprang

Der Tyger Klauen wieß der Drache Feuer speyte

Daß das bestürtzte Volck vor Schrecken trat zu Seite

Drauff zog als im Triumpffder Welt-Bezwinger ein.

Der Wagen troff voll Blut der Hengste Sprung und Schäumen

Bließ Feuer-Funcken aus die Bahn rein auszuräumen.

Zorn Rauben Mord und Tod sah man Gefehrten seyn.

Es klunge schon das Schwerd es schwirrten schon die Spiesse

Als wenn der Marspiter in Klumpen alles schmisse.

Hingegen Venus kam in Freundligkeiten an.

Jhr Herold war die Lieb ihr Auffboth süsse Blicke

Jhr Persevante Gunst und himmlisches Geschicke;

Erst traten Gratien verschwestert auff den Plan

Sambt der neun Musen Reyh mit Lauten und Violen

In lieblichster Music die Göttin abzuholen.

Denn folgten Glieder weiß die nackten Amorn nach

Und schmissen in die Lufft Nareissen und Jeßminen

Jhr Gold-gekraustes Haar sah man von Myrten grünen.

Der Wagen kehrte sich in ein schön Schlaff-Gemach

Darin die Venus lag den zogen Silber-Schwanen

Vorn flogen rings umbher die bunten Taffend-Fahnen.

Statt einer Losung war der Spatzen Feld-Geschrey.

Die Tauben flochten schon durch schnäbeln Rosen-Kräntze.

Es machten Sängerin viel angenehme Täntze

So die Amazonin begleiten in der Reyh

Die wolten im Thurnir als Edle Ritterinnen

Die besten Dänck und Preiß für Helden weggewinnen

Mars sprengte hurtig aus und schrenckte seinen Spieß

Als der zum Balgen nur und Grausamkeit gebohren

Und sich zum Gegentheil die Venus außerkohren;

Jhr die mehr Lieb und Gunst als irgend Kräffte wieß

Indem sie nun beginnt zum zierlichsten zu rüsten

Entfällt im Rennen bald der Spieß von Hand und Brüsten.

Cupido der allhier ein recht Grieß-Wärtel war

Rieff; freilich ist Carrer’ und auch der Danck verfallen

Wo aber einer sich wagt von den Rittern allen

So stellt sich zu dem Kampff die Anemone dar.

Das Frauen-Zimmer sol hauptsächlich hier erkennen

Wie anzustellen sey das vorgesetzte Rennen.

Scharff-Rennen taug allhier und Krondel-Stechen nicht.

Beliebt der Carasell wo man mit Kugeln schmeisset?

Wie oder die Copi da man den Kopff wegreisset?

Welch Ritter lebt der nicht gern nach dem Ringe sticht?

Auff Ritter auff den Platz es muß die Anemone

Bey diesem Ritter-Spiel erhalten Preiß und Krone.

Jhr Adel und Verstand erfordert solchen Danche

Bald macht ein Ritter sich den wir ietzt Hector nennen

Begierig auff die Bahn trägt in dem Ringel-Rennen

Die meinsten Treffen weg. Die Venus wurde kranck

Und schry wagt Carasell; als er mit seinem Pfeile

Und Kugeln ihren Schild gleich mitten brach im Theile.

Der Kriegs-Gott rieff es sey Copy die letzte Lust

Wie spielt nicht das Gelück mit Siegern im Thurniren!

Die Ring und Carasell vor muste nur verliehren

Setzt ferner ihr die Lantz behertzter an die Brust

Und hat Stirn-mässig nun so wol den Kopff getroffen

Daß ungezweiffelt sie den besten Dauck zu hoffen.

Mars als Besiegter schloß die Venus in den Arm

Vermehrerin der Welt Lust-Göttin dieser Erden

Der auch die Ritter ietzt fuß-fällig müssen werden

Hier leg’ ich Helm und Spieß und ruff’ erbarm’ erbarm’

Ich und mein Ritter-Volck bin durch das Spiel geschlagen

Laß doch den letzten Danck mich von den Jungfraun tragen.

So zieren Sterne nicht des Mondens Silber-Blat

Wie Liebes-Engel sich bald umb die Göttin machten

Frolockten in der Lufft liebkosten schertzten lachten.

Held Hector der behertzt umb die Belohnung bat

Erlangte zwar den Ring doch blieben Anemonen

Dem Edlen Tugend-Bild Kopff Hertze Seel und Kronen.

Der Schwanen langer Halß schry tausendmal Glück zu.

Einhellig stimmten bey die unbefleckten Tauben;

Man sol die Ritterin begnaden mit der Hauben

Die unter Lorbern hat bey der Laurette Ruh

Und Schirm und Schutz gesucht ist würdig süsser Ketten

Und die Preiß Geberin verehrt man in Lauretten.

Mars als ein Krieges Mann der nicht der Wörter Pracht

Der Reden Anmuth liebt sprach; unter Amazonen

Stell ich mit höchstem Recht die Heldin Anemonen;

Und weil die Venus hier das beste Vortheil macht

So überlaß ich ihr den Stech-Danck im Thurniren

Und Anemone wird den Hector triumfiren.