Die Rose. Andere Betrachtungen der Rosen siehe Tom. I. pag. 81. 92. Tom. II. p. ...
Willkommen, frische Frühlings-Rosen,
Die ihr die Seele selbst, in eurer Lieblichkeit,
Durch Aug’ und Nase, liebzukosen,
So wunderbar erschaffen seyd:
Die ihr von Fingern der Natur
Mit solcher lieb- und zärtlichen Figur
Bewunderns wehrt begabt,
Und eine Balsam-Krafft von ihr empfangen habt.
Da ich euch ietzt zum ersten mahl
In diesem Frühling wieder sehe,
So deucht mich, daß von euch ein kleiner rother Strahl
Mir durch den Blick ins Hertze gehe:
Wodurch ich eigentlich empfinde,
Wie er daselbst von Andacht und von Lust
Ein helles Feur in meiner Brust,
Mit froher Danck-Begier vermischt, entzünde.
Ich lencke mich, mit lechzendem Vergnügen,
Zur ewig seeligen allmächtgen Liebes-Gluht,
Die alle diese Wunder thut;
Durch welche bloß allein
Die Rosen ihrer Farben Schein,
Und Hertz-erquickenden Geruch und Kräffte kriegen.
Ich dencke nach: wo kommt die Anmuth her,
Die in der holden Bluhme glühet,
Die ein vernüuftigs Aug’ ohn’ innre Lust nicht siehet,
Und die die Seel’ aus ihr auch durch die Rase ziehet,
Als bloß von GOTT allein?