Die saat und erndte der bösen und frommen bey volckreicher leich-bestat- tung Fr...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Geehrter laß mich doch in diesen zeilen weinen

Weil hertz und auge sich hiezu am besten schickt;

Mit trost mag dir und mir ein ander freund erscheinen

Den keine centner-last gehäuffter plagen drückt.

Ich zehle leider nichts als frisch-erblaßte leichen

Wobey die treue schaar mit nassen wangen steht;

Was wunder wenn mein hertz bey solchen trauer-zeichen

Von thränen sonder zahl aus wehmuth übergeht?

Betrübtes Jubel-jahr wie schwartz sind deine tage!

Der anfang meldet sich mit marter-wochen an

Die neuen stunden sind die boten neuer plage;

Wohl dem der zeitiger dort Ostern feyren kan!

Jedoch was soll ich viel den lauff des jahres schelten?

Das gantze lebens-seld gleicht einer thränen-saat:

Der sämann ist der mensch der säet wunderselten

Daß er ein quentlein lust gewiß zu erndten hat.

Den eintritt in die welt begrüssen wir mit zähren

Das winseln ohne ziel ist Heerold vieler pein

So das verhängniß uns als mutter will gebähren

Wenn wir an jahren reich und auch an kräfften seyn.

Die jugend kennet nichts als taumeln fallen fehlen

Auff taumeln fall und fehl erfolget weh und ach;

Die ruthe strenger zucht ist ein verhaßtes quälen

Jhr anblick wandelt uns in eine thränen-bach.

Zuweilen erndten wir doch aber kurtzes lachen

Wenn welt und wollust uns von ihrer taffel speist;

Dann pflegt man ohne wirth die rechnung offt zu machen

Was wunder wenn betrug das wahre facit heist?

Der reiffen jahre frucht ist äpffeln gleich zu schätzen

Die Sodoms wüster rest in seinen feldern trägt:

Versucht ein hungriger den zahn darein zu setzen

So fühlt er wie der staub ihm in die augen schlägt.

Man sucht durch schweres gold den gipffel zu erreichen

Wo das berühmte schloß der stoltzen ehre prangt

Da heisst es offtmals: Freund du must vor diesem weichen!

An thränen fehlt es nicht biß man den zweg erlangt.

Läst denn der ehren-stand auch an den ehstand dencken

So läufft ein wilder hengst zu seinen noth-stall ein;

Er lässet nicht vernunfft noch klugen raht sich lencken

Und will bey Delila mit macht ein Samson seyn.

Das demant-feste band ist mehrmals kaum gebunden

So fehlt es schon an wein iedoch an weinen nicht

Denn zehlt der arme tropff die sorgen-reichen stunden

Bevor der tod den halß dem lieben weibe bricht.

Will dieser nicht so bald den heissen wunsch gewähren

So merckt man wie der groll sich in das hertze stellt;

Der groll pflegt streit und krieg im hause zu gebähren

Des krieges endschafft ist ein thränend wangen-feld.

So sieht der wehstand aus! wird dann ein paar geschieden

Und durch des todes pfeil das faule band zertrennt

So gibt man sich fein bald ob dem verlust zu frieden

Und kennt die glut nicht mehr die vor so starck gebrennt.

Inzwischen pflegt der leib doch nicht das hertz zu trauren

Das auge weinet offt wenn geist und seele lacht;

Man denckt: so sind numehr zerbrochen diese mauren

So eine scheidewand der geilen lust gemacht.

Der frische Wittwer geht auff stoltzen freyers-füssen

Und streicht den pogel-leim bey zeiten auf den heerd;

Hat eine krähe sich gefangen geben müssen

So lacht er daß das glück ihm solchen fang bescheert.

Jedoch so pflegt es nur der schaum von menschen machen

Der reich an unverstand und arm an witz erscheint:

Hier gilt der wahre spruch: Wenn kinder zeitig lachen

So kommt der abend nicht bevor sie satt geweint.

Genug die feder will aus ihren circkuln gehen

Jhr lauff verirrt sich schier in der bethörten welt.

Ach freund! du must zwar auch dein maaß der thränen säen

Doch gläube daß die saat in GOttes acker fällt.

Da soll sie künfftig mehr als hundertfältig tragen.

(es ist die winter-saat du must geduldig seyn!)

Kommt erst der herbst herbey so wirstu selber sagen

Der thränen-saame giebt den besten freuden-wein.

Beweine nicht zu viel das kleeblatt der erblaßten:

Sie sind in Abrams schooß wie wohl ist ihnen da!

Denn ihr calender weiß von keinen jammer-fasten

Lätare folget gleich auf Sexagesima.