Die sanfte Ruhe.

By Barthold Heinrich Brockes

Wenn man in einem weichen Bette, gesund, mit müden

Gliedern, liegt,

Und die Beqvemlichkeit und Anmuth in diesem Zustand

überleget:

Empfindet nicht allein der Cörper ein Etwas, das ihn

sehr vergnügt,

Wenn unsre Seele, nicht zerstreuet, das, was sie rühret,

nur erweget.

Man findet nicht allein mit Lust, wenn sich die Geister-

reichen Sehnen

Aus ihrer sonst gewohnten Lage gemächlich aus einander

dehnen,

Ein süß und zärtliches Gefühl’; man wird, wenn man mit

Achtsamkeit

Jm Dunckeln, bey geschlossnen Augen, so dann sein We-

sen überdencket,

Kaum daß man worauf liegt gewahr.

Es kommt uns vor, zu solcher Zeit,

Als ob wir unterwerts so wenig, als wie wir oberwerts,

umschräncket,

Vielmehr von allen Seiten frey, und, einer Insel ähnlich

wären.

Es scheint man finde mehr, als sonst, so dann im Schosse

der Natur

Sich gantz besonders eingeschlossen, gantz einsam; es ist

keine Spur

In dieser Dunckelheit zu finden, kein End’ in diesem Raum

zu schauen,

Und keinem Geiste sind hier Gräntzen, noch Innhalt dieses

Raums bewust.