Die Schiff-Fahrt
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Der muste wohl ein Hertz aus Stal und Eisen tragen
Mit dreyer Männer Mutt bepantzern seine Brust
Der zwischen See und Lufft sein Leben hinzuwagen
Sich erstlich unterstand: der Tod war seine Lust
Das Leben seine Pein: O Menschen harter Sinnen
Stieff-Söhne der Natur Schos-Kinder wilder Flutt
Denckt ihr nicht daß ohn euch die Fische leben künnen?
Das weite Meer ist groß genung ohn euer Blutt.
Was suchet ihr den Tod bey den entlegnen Juden
Der euch zu Hauß und da gleich bald erreichen kan?
Ihr wollet Perl und Gold in fernen Landen finden
Trefft theuren Schaum der Flutt und kostbar Erdreich an
Dem schnöder Wahnwitz hat so hohen Preiß gegeben
Bringt in die Alte Welt der Neuen Uberfluß
Den Raub von Land und See der wider euer Leben
Zur Rache Rauber See und Land verhetzen muß.
Was traget ihr darvon? vom Scharbock matte Glieder
Frost Hunger Hitze Durst Sturm Ungemach und Tod
Gebt eur gewonnen Gutt mit Geist und Seele wieder
Seyd bey dem Reichthum arm empfindet dürre Noth
Bey vollem Uberfluß müst offt wie Tantal büssen
Der ungesättigt Flutt und Aepffel für sich sieht
Schaut Wasser ohne Maaß für euren Augen flüssen
Mit dem ihr doch umsonst zu laben euch bemüht.
Ihr untergebet euch der Herrschafft leichter Winde
Schliest euren freyen Leib in wenig Ellen ein
Verstosset Weib und Kind verlasset Hauß und Gründe
Und wählt euch zwischen See und Lufft verbannt zu seyn.
Eur fichtnes Wasser-Hauß schwebt ohne Grund in Wellen
Offt stüzt den frechen Bau der schweren Ancker Last
Die eure Sicherheit auff Sand und Stricke stellen.
An statt der Thürne prangt der hoch-gesinnte Mast
Der sich zu Nutz und Zier mit Pech hat überkleidet
Mit Lumpen ausgeschmückt; den Mund die Nase füllt
Das Felsen-harte Brod das fast kein Eisen schneidet
Der Tranck aus dem manch Wurm von langer Fäule quillt
Der Käse schwere Kost der dürren Fische Grätten
Der süsse Wohlgeruch von feistem Talg und Thär
Den müden Leib erquickt die Lust der Lagerstätten
Da manches Thier mit euch sich schwencket hin und her.
Eur edler Zeit-Vertreib ist auff- und ab zu steigen
Um den beseilten Mast zu suchen was euch beist
Das grobe Segel-Tuch dem Winde nach zuneigen
Und was euch sonsten Wind und Zeit für Arbeit heist.
Solt ihr denn euren Mutt im Kriege lassen sehen
Ein einig Feind vergnügt eur freches Hertze nicht:
Kan euch durch Waffen nicht eur völlig Recht geschehen
So müst ihr seyn durch Flutt und Flammen hingericht
Gemetzget und gewürgt gesotten und gebraten
Nach Himmel und nach Höll halb lebend zugeschickt.
Das ungewisse Grab muß euch die See verstatten
Wo nicht den todten Leib ein wilder Fisch zerstückt.
Doch eure Grausamkeit eur ungezähmtes Leben
Schleust billig euren Leib in solch Gefängnis ein
Und wem das fromme Land nicht Auffenthalt will geben
Dem muß die wilde See Hauß Grab und Hencker seyn.