Die Schiffer

By Wilhelm Müller

Written 1810-01-01 - 1810-01-01

Von allen stolzen Flaggen,

Die auf dem Meere wehn,

Will ich nicht mehr als eine,

Die kleine weiße sehn.

Die Flagge sei der Schleier

Von meiner Liebsten Haupt,

Den schlingt sie um das Steuer,

Wann sie mich nahe glaubt.

Dann stech' ich durch die Wogen

Dem kleinen Boote nach;

Die Fluthen spritzen und schäumen

Von meinem Ruderschlag.

Und sieh, es flieht der Nachen

Vor dem Korsaren nicht:

Sie rudert ihm entgegen

Mit lachendem Gesicht.

Ich hebe meine Beute

In meinen Kahn geschwind:

Nun schaukl' uns fort die Woge,

Nun wieg' uns ein der Wind!

An meinen Kahn gebunden

Zieht ihrer hinterdrein;

Und finden wir noch zwei Lieben,

Die nehmen wir hinein;

Und schiffen nach der Insel –

Sie ist der Reise werth –

Wo man von Luft und Liebe

Sein Lebenlang sich nährt.