Die Schlacht bey Sempach .

By Clemens Brentano

Die Biene kam geflogen, macht in der Lind ihr Nest,

Es redet der gemeine Mann, das deutet fremde Gäst.

Da sah man wie die Beste bey Willisow hell brennt,

Den Herzog mit dem Heere ein jeder daran kennt.

Sie redeten zusammen in ihrem Uebermuth,

Die Schweizer wollen wir tödten, das jung und alte Blut.

Sie zogen her mit Schalle von Sursee aus der Stadt,

Sie fangen an zu ziehen mit ihrem köstlichen Waat:

„ihr niederländisch Heeren, ihr zieht ins Oberland,

„werdet ihr euch da ernähren, es ist euch unbekannt.

„ihr solltet euch nach Beichte vorher noch umme sehen,

„im Oberländchem Streite möcht euch wohl Weh geschehen.“

„wo sizt denn nur der Pfaffe dem einer da beichten

muß?“

„zu Schweiz ist er im Felde, er giebt einem schwere Buß,

„er wird gar schwere Hand auf eure Köpfe legen,

„mit Helleparten giebt er euch den besten Segen.“

An einem Montag frühe, als man die Mädchen sahe,

Jezt sicheln in dem Thau, sie waren Sempach nahe.

Die Herren von Luzerne, sich streckten festiglich,

An Mannheit gar ein Kerne, sah keiner hinter sich.

Ein Herr von Hasenburg zum Herzog also sprach:

„das Völklein ich beschaut, sie sind gar unverzagt.“

Da redet Ochsenstein: O Hasenburg, o Hasenherz!

Der Hasenburg der sagt: Wir wollen sehn den Scherz.

Sie banden auf die Helme und thäten sie vorher tragen,

Von Schuchen hieben die Schnäbel, man füllt damit 'nen

Wagen.

Zusammen sie dann sprachen: „Das Völkchen ist zu klein,

„wenn wir die Bauern schlagen, das Lob wird klein nur

seyn.“

Die biedern Eidgenossen Gott riefen im Himmel laut,

Ein Regenbogen gar helle vom hohen Himmel schaut.

Und Herz und Sinn ist wachsen von hoher Manneskraft,

Daß sie sich tapfer kehrten jezt gegen die Ritterschaft.

Der Löw fing an zu brüllen, zu schmücken seinen Wadel,

Sie fingen an zu schießen die Herren da von Adel.

Sie griffen mit langen Spießen, der Schimpf war gar

nicht süß,

Die Aeste von hohen Bäumen fielen vor ihre Füß.

Des Adels Heer war fest, ihr Ordnung dick verhagt,

Das verdroß die frommen Gäste, ein Winkelried da sagt:

„he werd ihr geniessen lon,

„min fromme Kind und Frauen, so will ich ein Frevel

beston,

„trüen lieben Eidgnossen, min Leben verlur ich mit,

„sie hand ihr Ordnung gstossen, wir mögens zu brechen

nit;

„he, ich will ein Inbruch han,

„des wellend ihr min Gschlecht in ewig geniessen lan“

Hiemit so thut er fassen, ein Arm voll Spieß behend,

Den Seinen macht er ein Gassen, sein Leben hat ein End.

Er brach des Löwen Muth mit seinem theuren Blut,

Sein mannlich tapfer Sterben war den vier Waldstädten

gut.

Sie brachen ein so schnelle des Adels Ordnung bald,

Mit Hauen und mit Stechen: Gott seiner Seelen walt.